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Wirtschaft

Tiefes Durchatmen an Börsen nach US-Zinsentscheidung

DAX kräftig im Plus, Kursfeuerwerk bei Bankaktien, Wall Street fester: Mit einem kollektiven Seufzer der Erleichterung und starken Kursgewinnen haben die Aktienmärkte auf die Senkung des US-Diskontsatzes reagiert.

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Es geht wieder aufwärts

Versöhnliches Ende einer hektischen Börsenwoche: Der DAX, der am Freitagmorgen (17.8.) noch unter die Marke von 7200 Punkte gerutscht war, kletterte nach der US-Zinsentscheidung binnen weniger Minuten steil nach oben und lag zeitweise mit rund 2,4 Prozent bei fast 7.500 Zählern im Plus. Kurssprünge verzeichneten ebenfalls die Börsen in London und Paris. Da ließ sich auch die Wall Street nicht lumpen: Der Dow Jones Index der 30 führenden Industriewerte schnellte in den ersten zehn Handelsminuten über 300 Punkte nach oben und überwand die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten.

Diskontsatz um halben Punkt gesenkt

Die US-Notenbank (Fed) hatte mit Hinweis auf die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten und ein "deutlich gewachsenes Risiko für das Wachstum" der amerikanischen Wirtschaft den Diskontsatz, zu dem sich die Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank leihen können, um einen halben Prozentpunkt auf 5,75 Prozent gesenkt. Es war das bislang deutlichste Signal, das die Fed zur Beruhigung der von der US-Hypothekenkrise aufgewühlten Finanzmärkte ausgesandt hat. Wegen der um sich greifenden Hypothekenkrise waren zuletzt immer mehr Banken und Immobilienfinanzierer in Schwierigkeiten geraten.

Von Finanzexperten gab es Lob für die Entscheidung der Amerikaner: "Das ist die richtige Unterstützung für den Markt. Die Notenbanken signalisieren damit, dass sie zur Unterstützung zur Verfügung zu stehen", sagte der Chef des Portfoliomanagements der Fondsgesellschaft Union Investment, Max Holzer. Chefvolkswirt Michael Heise von der Allianz lobte ebenfalls das Vorgehen der Notenbanker in den USA: "Wenn sich die aktuelle Krise vertiefen sollte, ist die Fed offenbar bereit zu handeln. Ich gehe davon aus, dass sich die Fed veranlasst sehen wird, den Leitzins schon auf der nächsten Sitzung im September um 25 Basispunkte zu senken."

Weitere Finanzspritze in Japan

Die US-Notenbank, die Europäische Zentralbank (EZB) und weitere Notenbanken hatten in vergangenen Tagen Geldspritzen von an die 400 Milliarden Euro weltweit bereitgestellt, um Liquiditätsengpässe im Bankensystem zu vermeiden. Die japanische Notenbank verpasste dem Geldmarkt ein weiteres Mal am Freitag eine Finanzspritze von 1,2 Billionen Yen (etwa 7,96 Milliarden Euro).

An den Aktienbörsen in Asien hatte sich die Talfahrt vor der Zinssenkung noch beschleunigt. Die anhaltende Nervosität über die Probleme auf dem US-Immobilienmarkt und ein erstarkter Yen lösten in Tokio massive Verkäufe aus. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte der Tokioter Börse brach um mehr als fünf Prozent ein, der höchste Tagesverlust seit April 2000. Zuvor war der Yen auf ein Einjahreshoch zum Dollar gestiegen. Zu den größten Verlierern gehörten Exportwerte, vor allem Automobiltitel.

"Unverändert positiv"

Eine Gefahr für den Aufschwung der deutschen Wirtschaft durch die US-Kreditkrise sieht die Bundesregierung nicht. "Ungeachtet der Unsicherheiten auf den Finanzmärkten sind die realwirtschaftlichen Aussichten unverändert positiv", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. "Das ist wichtig für die deutschen Unternehmen, für die Beschäftigten hier und die konjunkturelle Entwicklung."

Schnäppchenjäger deckten sich auf dem deutschen Aktienmarkt vor allem mit den zuletzt arg gebeutelten Finanzwerten ein, wo es ein wahres Kursfeuerwerk gab und die Kurse teils um 5 Prozent und mehr stiegen. Zum Schluss lag das Plus nach Gewinnmitnahmen nicht mehr ganz so hoch. An der Spitze der Liste der Gewinner standen Commerzbank (plus 4,4 Prozent), Postbank (4,0 Prozent) und Hypo Real Estate (3,9 Prozent). Die Aktie der Deutschen Börse legte 2,4 Prozent zu. Hier dürfte zudem das Übernahmeangebot der Börse Dubai für die skandinavische Börsenbetreiberin OMX neue Fusionsfantasien für die Branche geweckt haben. Die Aktie lag zwischenzeitlich knapp 5 Prozent im Plus. (sams)

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