Tibetischer Schriftsteller Shokjang aus der Haft entlassen | Bücher | DW | 21.03.2018
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Tibetischer Schriftsteller Shokjang aus der Haft entlassen

Drei Jahre saß der tibetische Blogger und Schriftsteller Shokjang wegen der "Anstiftung zum Separatismus" in Haft. Der PEN weist darauf hin, dass er auch in Freiheit unter strenger Kontrolle der Behörden stehen könnte.

Protest mit Shokjang. (privat/Quelle: Tibet Initiative Deutschland e.V.)

2008 organisierte Shokjang (rechts) einen Protestmarsch zum Gedenken an die Opfer der Unruhen in Tibet

Der Schriftsteller und Blogger war im Mai 2015 verhaftet worden. Hintergrund war vermutlich ein Eintrag im sozialen Netzwerk WeChat, in dem er über die zunehmende Präsenz chinesischer Sicherheitskräfte in einem autonomen Bezirk Tibets berichtet hatte. Erst ein Jahr nach seiner Festnahme war Shokjang wegen "Anstiftung zum Separatismus" zu drei Jahren Haft verurteilt worden.

Porträt von Shokjang, Schriftsteller aus Tibet. (privat/Quelle: Tibet Initiative Deutschland e.V.)

Foto des 31-jährigen Autors vor seiner Festnahme

"Die chinesische Regierung fürchtet sich besonders vor Schriftstellern und Intellektuellen, die gegen die Zensur anschreiben", sagte Nadine Baumann, Geschäftsführerin der Tibet Initiative Deutschland, die sich für das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volks und die Wahrung der Menschenrechte einsetzt. Besorgt zeigte man sich dort am Mittwoch, weil auch zwei Tage nach der Freilassung noch kein Bild von Shokjang veröffentlicht wurde.

Tibetische Unruhen vor zehn Jahren

"Das ist sehr ungewöhnlich und legt die Vermutung nahe, dass sowohl seine Familie als auch seine Freunde unter strenger Beobachtung stehen", sagte die Sprecherin der Initiative, Alicia Barreda Pérez, der Deutschen Welle. Sicher sei momentan nur, dass der Schriftsteller aus der Haft entlassen wurde. Auch aufgrund des Jahrestages der tibetischen Unruhen vor zehn Jahren, die mit gewaltfreien Demonstrationen buddhistischer Mönche begonnen hatten, seien die Behörden derzeit sehr strikt, sagte die Sprecherin.

Foto des Dalai Lama. (picture-alliance/dpa/B. Roessler)

Tibets geistiger Führer: der Dalai Lama

1950 war die chinesische Volksbefreiungsarmee in Tibet eingefallen, um die von Mao Tsetung ausgerufene "Heimkehr ins chinesische Mutterland" umzusetzen. Im März 1959 kam es zu einem Volksaufstand, den die Chinesen blutig niederschlugen. Der Dalai Lama flüchtete nach Indien, rund 90.000 Tibeter kamen ums Leben, nahezu die gleiche Anzahl floh in andere Länder. Der tibetische Buddhismus wurde unterdrückt, Geistliche wurden verfolgt und eingesperrt. Bis heute erkennt China Tibets Anspruch auf Unabhängigkeit nicht an.

In der vergangenen Woche war ein Sammelband mit Essays, Artikeln und Gedichten von Shokjang erschienen, die er vor seiner Verhaftung veröffentlicht hatte. Darin kritisiert er Chinas Tibet-Politik. Die Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland, Regula Venske, hatte auf der Leipziger Buchmesse aus Shokjangs "Für Freiheit bereue ich nichts" gelesen. Nach seiner Freilassung sagte Venske: "Noch immer gibt es keine zuverlässige Information über seinen Gesundheitszustand."

tla/bb (www.amnesty.org, Tibet Initiative, Twitter, PEN)

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