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Asien

Tibeter wählen neuen Regierungschef

Ihre Heimat steht fest unter chinesischer Kontrolle. Zehntausende Tibeter leben deshalb im Ausland. Sie wählen nun erneut eine Exil-Regierung für das zentralasiatische Land.

Bis vor fünf Jahren war der Dalai Lama nicht nur das geistige Oberhaupt der Tibeter - er war auch der Chef der Exilregierung. Doch 2011 trat er von diesem Amt zurück, überließ die Regierungsgeschäfte dem Premierminister, der ihm zuvor nur zur Seite stand. Nun steht dessen Neuwahl an. Zehntausende Exil-Tibeter auf der ganzen Welt sind jetzt aufgerufen, neben dem Regierungschef auch ein neues Parlament zu wählen.

80.000 registrierte Wähler

Die meisten Exil-Tibeter leben in Bhutan, Nepal und in Indien, wo am Fuße des Himalaya, in der Stadt Dharamsala, Regierung und Parlament ihren Sitz haben. Dort standen Buddhistische Mönche in karminroten Roben zusammen mit Hunderten von tibetischen Männern und Frauen an, um in festlicher Atmosphäre ihre Stimme abzugeben. Insgesamt dürfen rund 80.000 registrierte Exil-Tibeter wählen. Es ist der zweite und damit endgültige Wahlgang. Der Erste fand im Oktober statt. Mit der Veröffentlichung des Ergebnisses wird in einem Monat gerechnet.

Exil-Tibeter wählen in Dharamsala - Foto: Adnan Abidi (Reuters)

Wahllokal in Dharamsala: Festliche Atmosphäre

Als Favorit für den Posten des Regierungschefs gilt Amtsinhaber Lobsang Sangay, der die politische Führung 2011 vom Dalai Lama übernommen hatte. Sein einzig verbliebener Konkurrent nach dem ersten Wahlgang im Oktober ist der 49-jährige Penpa Tsering, der wie Sangay den Kurs des Dalai Lama unterstützt.

Unabhängikeitsforderungen verhallten ungehört

Weil es im Dialog mit China wenig Fortschritt gibt, haben einige Gruppen im Wahlkampf die Unabhängigkeit für Tibet gefordert. Doch ihre Vertreter bekamen in der ersten Runde der Abstimmung vergangenes Jahr nicht genug Unterstützung durch die Wähler. Deshalb kann nun kein Vertreter dieses Flügels bei der Wahl zum Ministerpräsidenten antreten.

Kritik kommt von dem tibetischen Schriftsteller Bhuchung D Sonam. Es habe seitdem zu wenig Debatten über die Zukunft Tibets gegeben, "zum Beispiel wie die beiden Kandidaten in der Tibet-Frage mit der chinesischen Führung ins Gespräch kommen wollen." Denn China erkennt die Exil-Regierung in Dharmsala nicht an.

Wenig Macht

Die Macht der tibetischen Exilregierung ist weitgehend auf die Verwaltung der tibetischen Gemeinde in Indien beschränkt. Trotz weltweiter Sympathien für den Dalai Lama hat bisher kein Staat die Exilregierung als legitime Vertretung der Tibeter anerkannt.

Der Dalai Lama war erst 15 Jahre alt, als er 1950 beim Einmarsch chinesischer Truppen in Tibet zu einer Art Staatsoberhaupt der Tibeter ernannt wurde. 1959 floh er nach einem niedergeschlagenen Aufstand nach Dharamsala. Seitdem setzt sich der Dalai Lama für eine friedliche Lösung des Tibet-Konflikts und für mehr Autonomie für die Region ein. 1989 wurde er dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die chinesische Führung sieht in ihm dagegen einen Separatisten, der unter religiösem Deckmantel agiert.

AR/uh (afp/ap/rtr)

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