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Wirtschaft

ThyssenKrupp will Nobelhotel loswerden

In Kiel betreibt der Technologie- und Stahlkonzern einen Yacht-Club samt Vier-Sterne-Hotel. Doch das Erbstück aus Zeiten, als die Krupps noch gern selbst über die Ostsee schipperten, schreibt tiefrote Zahlen.

Der Bau von zwei Stahlwerken in Brasilien und den USA bescherte ThyssenKrupp in den vergangenen Jahren milliardenschwere Verluste. In der Folge mussten sich Aktionäre noch unlängst mit einer Schmalspurdividende von elf Cent pro Aktie begnügen. Doch allmählich geht es wieder bergauf. Der von Konzernchef Heinrich Hiesinger eingeleitete Umbau durch die Konzentration auf Kerngeschäfte zahlt sich aus.

Allerdings gibt es unter dem Konzerndach noch Unternehmen, die nicht das Geringste mit Stahl oder Technologie zu tun haben und obendrein noch Verluste schreiben. So wie ein nobles Vier-Sterne-Hotel in Kiel, in dem schon der europäische Hochadel logierte. Während der Olympischen Spiele 1972 nächtigten hier Juan Carlos von Spanien und Carl Gustav aus Schweden. Da sich der schöne Schein aber nicht mehr rentiert, plant ThyssenKrupp nun den Ausstieg aus der ohnedies unternehmensfremden Hotellerie-Branche.

Die Mitglieder der Krupp-Dynastie schätzten seit jeher ein anspruchsvolles Ambiente. Nicht nur in der Familienresidenz, der Villa Hügel in Essen. Auch in Kiel. Bis heute verfügt das Unternehmen hier mit dem Hotel Kieler Yacht Club über eine noble Adresse mit reizvollem Blick über die Förde hinaus auf die Ostsee. Krupp und Kiel, befand zu Lebzeiten Berthold Beitz, das gehöre einfach zusammen. Nicht nur wegen der großen Werft des Unternehmens, auf der die ersten deutschen U-Boote gebaut wurden. Die Krupps hatten schon immer eine maritime Ader. So hielt sich Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, der letzte persönliche Inhaber der Firma, als passionierter Segler oft und gern in Kiel auf und schipperte über die Ostsee. Ebenso wie der langjährige Krupp-Bevollmächtigte Berthold Beitz. Über Jahrzehnte wuchs so eine enge Verbindung zum traditionsreichen Kieler Yacht Club (KYC).

Kiel Hotel Kieler Yachtclub Bankettsaal

Edel speisen: Bankettsaal im Hotel

Geadelt von Kaiser Wilhelm II.

Als der Zahn der Zeit zunehmend am Clubhaus nagte, mochte Segelfreund Beitz dem Verfall nicht untätig zusehen und zeigte sich spendabel. 2007 übernahm ThyssenKrupp die Immobilie, um sie umgehend auch aufwändig zu sanieren. Seither betreibt der Konzern über das Tochterunternehmen ThyssenKrupp DeliCate GmbH die luxuriöse Herberge mit 19 Doppelzimmern und zwei Suiten. Zwar wurden Teile des Clubhauses an den mit Honoratioren gespickten Segler-Club vermietet, doch unter dem Strich kostet ThyssenKrupp die Pflege der Tradition an der Küste eine Stange Geld.

Mit dem Kieler Yacht Club, der 1887 von Marineoffizieren als 'Marine Regattaverein' gegründet wurde, waren die Krupps über Jahrzehnte eng verbunden. Dieser Verein fand zudem hochwohlgeborenen Segen. Denn nur vier Jahre nach der Gründung gewährte Kaiser Wilhelm II. die Umbenennung in 'Kaiserlichen Yacht Klub'. Und da zu einem 'Kaiserlichen Club' auch eine exquisite Adresse gehört, bot Friedrich Krupp zur Jahrhundertwende sein Grundstück am Hindenburgufer für den Bau eines dringend erforderlichen neuen Clubhauses an. Eine Erblast, von der sich die ThyssenKrupp DeliCate GmbH nun befreien möchte. Auch wenn das Unternehmen keine konkreten Zahlen nennt, gehen Brancheninsider von einem jährlichen Verlust in Höhe einer mittleren sechsstelligen Summe aus. Und das ist für die Konzernspitze von ThyssenKrupp einfach zu viel.

Nur das Hotel läuft aus dem Ruder

Ohne die Nobelherberge in Kiel laufen die Geschäfte der Tochter DeliCate, die rund 300 feste Mitarbeiter beschäftigt, durchaus ordentlich. Mit bundesweit 32 Standorten erzielt das Unternehmen einen Jahresumsatz von ca. 100 Millionen Euro. Neben der Bewirtschaftung von 26 Betriebscasinos zählen darüber hinaus im Cateringbereich u.a. BMW und die Deutsche Bank zu den Kunden. Thyssen-Krupp DeliCate tischt aber nicht nur in Betriebscasinos auf, sondern ist auch in der Eventgastronomie unterwegs.

Unter dem Dach des Technologie- und Stahlkonzerns ist offenbar für viele Sparten Platz. Nur der Betrieb des Hotels Kieler Yacht Club läuft wirtschaftlich aus dem Ruder. Dabei gilt das Haus mit den traditionsreichen Banketträumen als die erste Adresse für gesellschaftliche Veranstaltungen in der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein. Und dennoch stehen Investoren für eine Übernahme nicht Schlange.

Traditionspflege wird bei ThyssenKrupp zwar nach wie vor groß geschrieben, aber nicht um jeden Preis. So sollen etwa Schulungen für Führungskräfte, die mitunter in Kiel stattfanden, künftig am Konzernsitz in Essen durchgeführt werden. Als 2007 zur Neueröffnung des Clubs eine Büste von Alfried Krupp aufgestellt wurde, befand der eigens angereiste Berthold Beitz, dass dieser Alfried Krupp, so wie er ihn kenne, von oben aus zuschauen und wohl sagen würde: "Das habt ihr gut gemacht." Heute wahrscheinlich wohl nicht mehr. Die Frage, ob man ein solches Hotel wirklich brauche, hat die Konzernspitze zudem mit einem klaren Nein beantwortet.