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Asien

THW: "Endlose Schlange an Tacloban-Fähre"

Seit dem Wochenende ist ein Team des Technischen Hilfswerks (THW) auf den Philippinen, um zu erkunden, wo genau was benötigt wird. Bert Schinkel-Momsen gehört dazu. Er berichtet, was die nun folgenden Helfer erwartet.

THW-Mitarbeiter am Berliner Flughafen Schönefeld, die sich am Mittwoch auf den Weg nach Cebu machen (Foto: Sean Gallup/Getty Images)

THW-Mitarbeiter, die am Mittwoch (13.11.2013) nach Cebu fliegen, am Berliner Flughafen Schönefeld

Deutsche Welle: Herr Schinkel-Momsen, wo sind Ihre Kollegen aus dem Erkundungsteam derzeit, die sich nicht wie Sie in der Hauptstadt Manila befinden?

Bert Schinkel-Momsen: Sie befinden sich auf dem Weg nach Tacloban, um dort zu eruieren, wie genau wir helfen können. Eine Person ist in Cebu, um zu erkunden, wo wir Trinkwasseraufbereitungsanlagen einsetzen können.

Was berichten die THW-Mitarbeiter, die auf dem Weg nach Tacloban sind?

Das Team, das auf dem Weg nach Tacloban ist, berichtet, dass die Anreise dorthin sehr mühsam und beschwerlich ist. Man ist deutlich länger unterwegs, als man für die Strecke eigentlich benötigen würde: Statt 15 Stunden sind die Kollegen mittlerweile schon über eineinhalb Tage unterwegs. Tacloban ist noch nicht in Sichtweite, sie haben es aber auf die Fähre geschafft. An der Fähre selber, so haben sie mir berichtet, hat sich eine kilometerlange Schlage mit LKW gebildet. Die wollen alle zu der Inselgruppe übersetzen, auf der Tacloban liegt. Dort existiert also ein erkennbares Nadelöhr - es kommt zu Stockungen für alle, die aus Manila kommen und schnelle Hilfe leisten wollen.

Welche Hilfe will das THW im Krisengebiet nun leisten?

Eine der Einsatzmöglichkeiten, die wir hier als Erkundungsteam erkannt haben, ist die Trinkwasseraufbereitung. Der Bedarf an sauberem Trinkwasser wurde auch von den Vereinten Nationen ganz klar genannt. Und dem Ruf danach können und wollen wir als THW entgegenkommen, indem wir Trinkwasseraufbereitungslagen in die Region schicken. Die sind auch unterwegs, sie kommen am Donnerstag (14.11.2013) im Laufe des Vormittags mit einer großen Frachtmaschine in Cebu an, wo momentan ja auch einer meiner Kollegen ist. Die Experten für Trinkwasseraufbereitung, die mit dem Material kommen, können auf unseren bisherigen Erkenntnissen aufbauen. Im Idealfall können sie unmittelbar mit dem Verladen des Materials auf LKW beginnen und es in diejenige Region fahren, auf die wir uns festgelegt haben. Dort können sie mit dem Aufbau der Anlagen und dann vielleicht schon innerhalb eines Tages mit der Trinkwasserproduktion anfangen.

Das große Problem ist aber einfach die Logistik, sprich: Waren, Güter, Hilfsmaterialien von A nach B zu transportieren. Denn, wie gesagt, es gibt Nadelöhre. Und die möglichst zu umgehen, ist eine Kunst für sich.

Wie sieht die Koordination mit den anderen Hilfsorganisationen aus, die vor Ort sind?

Es gibt hier einen sehr wichtigen Anlaufpunkt, den wir vom THW auch wahrnehmen - das sind die Treffen, die von den Vereinten Nationen organisiert werden. Es gibt da zum einen Koordinierungstreffen, damit sich die Helfer gegenseitig finden und Kontakte knüpfen können. Zum anderen gibt es auch Meetings, die sich mit bestimmten Themen beschäftigen, die in so genannten Clustern organisiert sind. Ein Beispiel ist das "Wash-Cluster": Dort wird alles rund um das Thema "Wasser und Sanitäranlagen", also das Entsorgen von Abwässern, thematisiert. In dem Cluster sprechen sich die Organisationen aus diesem Bereich, zu dem natürlich auch das THW gehört, ab. Es geht konkret um die Fragen, wo welcher Bedarf gesehen wird, welche Erkundungsergebnisse es gibt - damit nicht an einer Stelle mehrere Organisationen auftauchen. Man koordiniert vieles momentan noch von Manila aus und hofft, dass man die logistischen Probleme möglichst bald gelöst bekommt.

Können die logistischen Probleme denn gelöst werden?

Es gibt einen Flughafen in Tacloban, der zeitweilig gar nicht betriebsbereit war. Das Problem hat man nun in den Griff bekommen, er ist am Mittwoch (12.11.2013) wiedereröffnet worden. Ein weiteres Problem sind natürlich die Fährverbindungen, denn wir haben ja kein zusammenhängendes Landgebiet, sondern ein aus vielen Inseln bestehendes Land. Zwischen einzelnen Inseln muss man Fähren benutzen, das kostet unglaublich viel Zeit. Das ist einfach naturgegeben, das wird man nicht ändern können. Die Straßen hier sind auch nicht, wie wir sie in Deutschland kennen: Sie verlaufen oft in Serpentinen. Das heißt, man braucht für eine Strecke von 900 Kilometern 15 Stunden. All diese Dinge zusammengenommen führen einfach dazu, dass die Hilfe langsamer anläuft - dass das Ergebnis weniger schnell sichtbar wird, als man es sich für die Betroffenen wünscht.

Bert Schinkel-Momsen, 39 Jahre, ist ehrenamtlicher Helfer des Technischen Hilfswerks (THW). Er gehört zu einem fünfköpfigen Erkundungsteam des THW, das am Wochenende auf die Philippinen geflogen ist. Am Mittwoch (13.11.2013) machen sich 17 weitere THW-Experten auf den Weg in die Gebiete, die von den Folgen des Taifuns "Haiyan" besonders betroffen sind. Sie bringen zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen, ein Labor zur Wasseranalyse, Werkzeug zur Reparatur zerstörter Infrastruktur sowie Camp-Ausstattung für Einsatzkräfte ins Krisengebiet. Der Transport findet in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz statt, das Zelte, Kochsets, Hygieneartikel und Plastikplanen liefert.

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