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Filme

Thriller über Selbstmordattentäter

Schon vor seiner Premiere sorgte "Paradise Now" für Kontroversen. Jetzt kommt der Film über zwei palästinensische Selbstmordattentäter in die Kinos.

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Gemeinsames Ziel: Selbstmordanschlag in Tel Aviv

Said und Khaled führen ein eher ruhiges Leben im besetzten Westjordanland. Sie arbeiten in einer Autowerkstatt, und man kann sie kaum als politische oder religiöse Fanatiker bezeichnen. Aber sie leben in einem Gefängnis im Angesicht der israelischen Besatzer. Sich in Tel Aviv in die Luft zu sprengen und möglichst viele Israelis mit in den Tod zu reißen, ist für sie verlockend: Für Khaled, weil er an den Märtyrertod und an das Paradies glaubt. Für Said, weil er meint, die Schuld seines Vaters tilgen zu können, der wegen angeblicher Kollaboration mit den Israelis hingerichtet wurde.

"Ich wollte vor allem einen Thriller oder einen Gangster-Film machen", sagt Regisseur Abu-Assad. "Thriller haben in der Regel einen sehr künstlichen Ansatz, denn im wirklichen Leben, in Deutschland oder den USA, gibt es keinen Suspense. Außer in Palästina, da gibt es das."

Ein Thriller ist Hany Abu-Assad gelungen: Said und Khaled überqueren durch ein Loch im Zaun die Grenze zu Israel. Beide stecken in schwarzen Anzügen, um ihren Bauch Sprengstoffgürtel. Sie treffen jedoch auf Grenzsoldaten und müssen fliehen, verlieren sich aus den Augen. Khaled lässt sich seinen Gürtel abnehmen und macht sich auf die Suche nach Said, der weiter als lebende Bombe durch die Gegend läuft. So weit, so spannend.

Irre oder Superhelden

Abu-Assad hat sich für seinen Thriller ein kontroverses Thema ausgesucht. "Die ganze Debatte ist sehr emotional und nicht vernünftig", sagt er. "Manche Israelis, ich betone, manche, wollen die beiden als fanatische Irre dargestellt sehen. Sie wollen sich auf keine andere Sichtweise einlassen. Sie tun den Film als Unsinn ab. Und die Palästinenser wollen sie als Superhelden sehen, die keine Zweifel kennen, einfach als "die Guten", nicht als Menschen."

Welche Reaktionen sein Film auslösen würde, muss Abu-Assad als in Israel geborener Palästinenser gewusst haben. Man könnte meinen, dass es sich um eine geschickte Werbestrategie handelt. Kaum ein anderes Thema hätte einem einfachen Thriller, als den Abu-Assad seinen Film bezeichnet, eine so große Öffentlichkeit beschert. Doch immerhin, der Regisseur hat viel für den Film riskiert – sein Leben und das seines Teams. Große Teile sind in Nablus im Westjordanland gedreht, wo das Team zwar bewaffnete Palästinenser zum Schutz vor Ort hatte. Aber nicht vor israelischen Raketen. "Das war die Hölle, es war keine gute Idee. Die haben ja keine Panzer. Jeder denkt, es gäbe eine palästinensische Armee, aber das sind bloß ein paar Leute mit Kalaschnikows."

Keine Erklärung

Man darf von "Paradise Now" keine fundierte Stellungnahme zum Konflikt zwischen Israel und Palästina erwarten. Der Film erklärt auch nicht, warum junge Palästinenser sich in die Luft sprengen. Vielleicht gibt er aber einen Hinweis. "Es gibt nicht den Selbstmordattentäter. Es sind ganz verschiedene Persönlichkeiten. Sie haben unterschiedliche Traumata und ganz verschiedene Entwicklungen bis zu ihrer Entscheidung durchgemacht", sagt Abu-Assad.

"Paradise Now" erzählt vor allem die Geschichte zweier junger Männer auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Es wird, ganz klassisch, die Liebe sein, weshalb sich einer der beiden für das Leben, der andere für den Tod entscheidet. Dieser Tod ist kein einfacher Selbstmord, sondern ein Terrorakt, der Unschuldige das Leben kostet. Doch es ist genau diese Frage, vor die jeder Terrorakt die Überlebenden stellt: Wie kann ein Mensch zu so einer Tat in der Lage sein? Vielleicht ist die Erklärung dafür manchmal so banal wie das Leben von Khaled und Said.

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