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Aktuell Deutschland

Thomas Sternberg ist neuer ZdK-Präsident

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat den CDU-Politiker Thomas Sternberg zum neuen Präsidenten gewählt. Die Wahl gilt bei Beobachtern als Überraschung, sie hatten die zweite Kandidatin vorn erwartet.

"Ich stehe hier vor einer veritablen Überraschung", sagte der frisch gewählte ZdK-Präsident nach Bekanntgabe des Ergebnisses. Der 63-jährige Thomas Sternberg ist für die Delegierten ein alter Bekannter: Seit vielen Jahren ist er Mitglied im höchsten katholischen Laiengremium, unter anderem war er von 1997 bis 2013 dessen Sprecher für kulturpolitische Grundfragen. Für seine Amtszeit als Präsident sehe er einen besonderen Akzent auf dem Dialog mit dem Islam, sagte Sternberg unmittelbar nach seiner Wahl.

Nach seiner Bäckerlehre im elterlichen Betrieb studierte Sternberg Germanistik, Kunstgeschichte und Theologie in Münster, Rom und Bonn. Seit 1988 ist Sternberg Direktor der Katholisch-Sozialen Akademie des Bistums Münster und verfügt über vielfältige Kontakte in Kirche, Politik und Gesellschaft. Darüber hinaus sitzt er für die CDU im nordrhein-westfälischen Landtag. Durch seine Wahl beim Treffen in Bonn-Bad Godesberg tritt er die Nachfolge des bisherigen ZdK-Vorsitzenden Alois Glück als oberster Repräsentant der 24 Millionen katholischer Laien in Deutschland an. Der 75-jährige ehemalige CSU-Politiker stellte sein Amt nach sechs Jahren zur Verfügung.

Deutschland Bundestagsabgeordnete Maria Flachsbarth in Gorleben

Maria Flachsbarth

Favoritin hat das Nachsehen

Es war ein bislang einmaliger Vorgang in der Geschichte des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK): Erstmals bewarben sich zwei Kandidaten um das höchste Amt.

Als Favoritin hatte bei Beobachtern die Bundestagsabgeordnete Maria Flachsbarth gegolten, die ebenfalls der CDU angehört. Sie ist mit 52 Jahren jünger als Sternberg und hätte der lebende Beweis dafür sein können, dass Führungsfunktionen in der katholischen Kirche nicht ausschließlich von Männern besetzt werden müssen. Flachsbarth gehört dem ZdK erst seit 2011 an, doch verfügt sie als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesagrarministerium und als Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes über wichtige Voraussetzungen für das Spitzenamt - für die Wahl hat es dann aber doch nicht gereicht.

Deutschland ZdK Alois Glück in Bonn

Alois Glück, der bisherige ZdK-Präsident

Große Fußstapfen

Auf den neuen ZdK-Präsidenten wartet keine leichte Aufgabe. Vorgänger Glück hat in schweren Zeiten die Rolle der katholischen Laien in ihrer Kirche maßgeblich gestärkt. Kurz nach seinem Amtsantritt im Jahr 2009 kam der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche an die Öffentlichkeit. "Es ist unstrittig, dass das ZdK für die Entwicklung der Kirche seit dem Skandal eine ganz wesentliche Bedeutung hatte", sagt der scheidende Präsident und ergänzt zufrieden: "Auch bislang skeptische Bischöfe erkennen das jetzt an."

Dass die katholische Kirche den Skandal aufgearbeitet hat und dass ein weitgehend angstfreies innerkirchliches Klima entstehen konnte, schreiben Viele auch der Integrationskraft Glücks zu. Er vermittelte zwischen konservativen Oberhirten und ungeduldigen Reformkatholiken an der Basis. Durch seine langjährige politische Erfahrung und seine Kontakte nach Berlin konnte er auch gesellschaftspolitisch punkten. So geht der Beschluss des Bundestags, die medizinische und pflegerische Versorgung sterbender Menschen zu verbessern und geschäftsmäßige Sterbehilfe zu verbieten, auch auf erfolgreiche kirchliche Lobbyarbeit zurück.

Für seine Nachfolger sieht Alois Glück allerdings schwere Zeiten voraus. Die Kirche werde in den nächsten Jahren weiter an Mitgliedern, Einfluss und Macht verlieren. "Immer weniger Christen sind bereit, in die Spannungsfelder des öffentlichen Lebens zu gehen und sich dort zu engagieren. Das ist eine meiner größten Sorgen für die Zukunft", sagt Glück.

mak/nin (dpa, epd, kna)