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Afrika

Theater gegen Einsatz von Kindersoldaten

Jedes Jahr im Februar wird am sogenannten "Red Hand Day" international an das Leid von Kindersoldaten erinnert. Eine Theatertruppe aus Belgien führt derzeit ein Stück zu diesem Thema auf - in Ostafrika.

Elikia kämpft für eine Rebellenarmee. Das 13-jährige Mädchen wurde früh seiner Familie entrissen und gezwungen, Soldatin zu werden. Nach drei Jahren entschließt sie sich mit einer Mitgefangenen zu fliehen. Während dieser Flucht erfährt das Publikum des Theaterstücks "Das Geräusch knackender Knochen“ mehr über die traumatisierte Elikia und ihr Leben. Schonungslos erzählt das Stück vom Leid der Kindersoldaten. Das sei auch nötig, meint Aïssatou Diop nach der Generalprobe in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Sie spielt  eine Krankenschwester, der Elikia später begegnet.

Brisante Aufführungsorte

Kinder-Soldaten der so genannten Union Kongolesischer Patrioten (Bild: dpa)

Gestohlene Kindheit - Kindersoldaten im Kongo

"Wir haben uns Aufführungsorte ausgesucht, wo das Thema die Leute direkt  anspricht, weil sie es aus eigener Erfahrung kennen", sagt  die Schauspielerin und begründet, warum das Ensemble aus Belgien durch Ruanda, Burundi und die Demokratische Republik Kongo tourt. In der Region kämpfen seit Jahrzehnten verschiedene Rebellengruppen um Macht und den Zugang zu Rohstoffen. Im Kongo kämpfen noch heute tausende Kinder für die Milizen. Weltweit soll es nach Schätzungen von Kinderrechtsorganisationen 250.000 Kindersoldaten geben.

Der Regisseur Roland Mahauden hat das Stück zunächst im belgischen Brüssel auf die Bühne gebracht. Für ihn ist es wichtig, dass sich gerade Künstler mit den Problemen der Welt auseinandersetzen. "Wir Künstler setzen uns über Sprachprobleme und Kulturunterschiede hinweg“, sagt Mahauden. "Wir können immer zusammen nach Lösungen suchen.“

Das Publikum zum Nachdenken bringen

Aïssatou Diop im Theaterstück „Das Geräusch knackender Knochen“ (Bild: Yves Kersius/Theatre de Poche)

Aïssatou Diop spielt eine Krankenschwester

Lösungen sucht auch die Protagonistin Elikia auf der Bühne. Die Dialoge mit der noch jüngeren Josefa, die gemeinsam mit ihr aus dem Rebellencamp flüchtet, werden immer wieder von den inneren Stimmen der Kinder unterbrochen. Darin erfährt das Publikum mehr von der harten Vergangenheit der Mädchen, die zuerst zu Opfern und dann - als Soldatinnen - zu Tätern in einem Bürgerkrieg werden. Auf der Bühne wird eindrucksvoll gezeigt, wie schwer es für ein Kind ist, in einem solchen Umfeld aufzuwachsen und gleichzeitig seine Menschlichkeit  zu bewahren.

Durch die Flucht wollen die Mädchen endlich das Leiden und die Probleme hinter sich lassen. Josefa findet am Ende tatsächlich wieder zurück zu ihrer Familie. Doch der emotionale Höhepunkt gipfelt in der Szene, in der Elikia an ihrer AIDS-Erkrankung stirbt. "Wir wollen das Publikum zum Nachdenken bringen", erklärt der Regisseur Mahauden das tragische Ende und will, dass der Zuschauer sich selbst Fragen stellt: "Was berührt mich? Ist diese Situation gerecht? Was kann ich eventuell dagegen tun? Dazu dient Theater.“   

Elikia ist in dem Theaterstück nicht umsonst gestorben. So wünscht es sich zumindest die kanadische Autorin Suzanne Lebeau, die in der Demokratischen Republik Kongo mit ehemaligen Kindersoldaten gearbeitet und für das Stück recherchiert hat. Denn sie vertraut auf das Publikum, das eine besondere Aufgabe hat: Kinder  zu schützen, immer und überall. Auch nachdem sich der Vorhang wieder geschlossen hat.

Autor: Charles Bizimungu
Redaktion: Sandrine Blanchard/Adrian Kriesch

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