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Kultur

Theater aus Afrika in Krefeld

Kann man Afrika darstellen ohne Afrikaner? Genau dies wird im Stadttheater Krefeld/Mönchengladbach mit dem Stück "African Moon" versucht.

Europäisches Theater wird in Deutschland oft gezeigt. Theater aus außereuropäischen Ländern dagegen eher selten. Ein kleines Stadttheater in Krefeld/Mönchengladbach hat seit zwei Jahren eine ambitionierte Reihe begonnen, die "Theater außerhalb Europas“ zum Thema hat. Nach dem Iran ist in dieser Spielzeit Afrika an der Reihe, unter anderem mit der Uraufführung "African Moon“ des nigerianisch-irischen Autors Gabriel Gbadamosi.

Doch in "African Moon“ treten keine Schwarzen auf, noch nicht einmal die Musik ist afrikanisch. Es ist kein Stück über Afrika, sondern über Weiße, die nach Afrika kommen. Es erzählt, welche Klischees sie haben und wie sie sich verändern, wenn sie lange da sind. Ihre Motive sind vielfältig und nicht immer moralisch einwandfrei.

Szene aus dem Stück African Moon Mann und Frau Aufnahmedatum: 2.6.2012 Aufnahmeort: Krefeld Theaterprojekt Afrika Name (des Fotografen): Matthias Stutte

Szene aus dem Stück "African Moon"

Martin, einer der Hauptfiguren, hat gepanschten Impfstoff benutzt, weil er Geld brauchte, um in Afrika endlich mal so richtig den Helden zu spielen. Die geimpften Kinder erkranken an "African Moon“, so ist auch der Titel des Stücks. Sie reagieren kaum noch auf ihre Umwelt, ihr Geist ist verändert.

Ort der Sehnsucht und des Schreckens

Doch der Titel "Afrikanischer Mond“ spielt auch mit Klischees von Sonnenuntergängen und heißem Safari-Sand. Solche Vorstellungen hat auch die naive Deutsche Nora im Kopf, als sie nach Afrika reist, um an den Kindheitsort ihrer verstorbenen Lebensgefährtin Amy zu kommen. Dort trifft sie auf Paul. Er ist Arzt und wird vom Schauspieler Joachim Henschke dargestellt. Er hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Colonel aus dem amerikanischen Kriegsfilm "Apokalypse Now". Paul lebt in seiner eigenen Herrenwelt aus Drogen und Delirium. Wodkaflaschen stehen auf der Bühne, Lautsprecher hängen von der Decke, aus dehnen schwülstige Dschungelgeräusche gurren. Paul ist mit schwarzer Schminke verschmiert. Langsam verliert er den Kontakt zur Realität.

Szene aus dem Stück African Moon Mann liegt vor Wodkaflaschen auf dem Boden Aufnahmedatum: 2.6.2012 Aufnahmeort: Krefeld Theaterprojekt Afrika Name (des Fotografen): Matthias Stutte

Ein Leben zwischen Drogen und Delirium Szene aus "African Moon"

Eine weitere Figur im Stück ist ein Journalist, der dem vergifteten Impfstoff nachspürt. Er möchte in Afrika nur Gutes tun. Am Ende hilft er jedoch dabei, den Impfskandal zu vertuschen.

Afrika ist eben nicht nur: Kriege und Hungersnöte. Sondern auch: Ein Sehnsuchtsort für Europäer. Eine Gutmenschen-Sammelstelle. Ein Ort, an dem man mit humanitärem Engagement moralische Sinnerfüllung finden kann.

Die Schauspieler spielen die verkrachten Afrika-Reisenden mit kreativer Leichtigkeit und verhehlen zu keinem Zeitpunkt, dass sie von den wahren Verhältnissen dort keine Ahnung haben.

Gesammelte Erfahrungen

Der Autor von African Moon, Gabriel Gbadamosi, ist der Sohn eines nigerianischen Vaters und einer irischen Mutter. Er lebt mit seiner Familie in London, wo er als Dichter, Dramatiker und Radiojournalist des Senders BBC arbeitet. Als Journalist hat er ganz Schwarzafrika bereist und sich intensiv mit Korruption und Wirtschaft beschäftigt. Auch diese Erfahrungen sind in sein Stück eingeflossen, das er den deutschen Schauspielern nach langen Beobachtungen auf den Leib geschrieben hat.

Aufnahmedatum: 2.6.2012 Aufnahmeort: Krefeld Theaterprojekt Afrika Name (des Fotografen): Matthias Stutte

Der nigerianisch-irische Theaterautor Gabriel Gbadamosi

Die Reihe "Außereuropäisches Theater“ in Krefeld-Mönchengladbach wurde von Schauspieldirektor Matthias Gehrt ins Leben gerufen. Zwanzig Jahre lang hat er als freier Regisseur selber auf der ganzen Welt inszeniert, in Lagos, Nigeria, Mexiko oder Sri Lanka. Sein Netzwerk ist jetzt die Basis seines ungewöhnlichen Projekts in Krefeld-Mönchengladbach.

Unterschiedliche Theaterkultur

Es sei aufwändig, Leute einzuladen aus Ländern außerhalb Europas, die eine andere Theaterkultur im Blut hätten. Reizvoll findet er vor allem die Konfrontation von unterschiedlichen Ästhetiken und Theatergeschichten. „Es ist nicht einfach und ein Pfuhl unglaublicher Missverständnisse“, sagt er, "denn es geht nicht nur um Sprache, sondern auch um kulturelle Differenzen, etwa was die Bedeutung von Theater betrifft: in Afrika etwa ist Theater heute noch eher wie ein Ritual“. Am meisten reizen ihn aber die Momente, wenn außereuropäische Regisseure und Literatur auf deutsche Schauspieler und ein deutsches Publikum träfen.