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Kunst

"The Radical Eye: Moderne Fotografie aus der Sammlung von Sir Elton John" in der Tate Modern

Zur Fotografie hat der britische Sänger Elton John eine ganz besondere Bindung: 8000 Fotos umfasst seine außergewöhnliche Sammlung. Rund 200 Bilder berühmter Fotografen sind jetzt in der Tate Modern in London zu sehen.

In Elton Johns Wohnung in Atlanta hängen die gold- und silbergerahmten Fotos dicht an dicht an den Wänden. Fotografien aus den 1920er bis 1950er Jahren von bekannten Künstlern wie Man Ray, André Kertész oder Alexandr Rodchenko. Sie hängen im Flur, in seinem Wohnzimmer, in seinem Schlafzimmer; auf über 1600 Quadratmetern Wohnfläche verteilt. Eigentlich brauche er gar nicht so viel Platz zum wohnen, räumt Elton John im Interview ein: "Ich brauchte nur Platz, um die Bilder aufzuhängen."

Wohnungsrundgang und Interview hat die Tate Modern Gallery aufgezeichnet und auf ihre Homepage gestellt. 8000 Kunstfotografien umfasst die Sammlung von Popstar Elton John und seinem Ehemann Regisseur David Furnish. Was nicht an den Wänden hängt, schlummert in einem Depot. Rund 200 Fotografien von über 70 Künstlern sind jetzt in der Tate Modern in London zu sehen. Die Ausstellung "The Radical Eye: Moderne Fotografie aus der Sammlung von Sir Elton John" zeigt nicht nur berühmte Motive von berühmten Künstlern fotografiert, sondern dokumentiert auch einen wichtigen Abschnitt in der Geschichte der Fotografie.

Die Fotografie der Moderne

Ausstellung The Radical Eye (The Sir Elton John Photography Collection)

"Rayographie" nennt Man Ray dieses Werk von 1923

In den 1920er Jahren stritt man in Amerika darüber, ob die Fotografie nur ein technisches Hilfsmittel sei, um die Realität abzubilden oder auch als künstlerisches Ausdrucksmittel Bedeutung habe. Viele Künstler nutzten die Fotografie als kreatives Medium. Sie experimentierten mit Licht und Schatten, mit verschiedenen Perspektiven und mit speziellen Effekten bei der Belichtung oder der Entwicklung der Fotos.

Der Künstler Man Ray war einer von ihnen. Bekannt wurden vor allen Dingen seine sogenannten "Rayographien". Dabei legte er Gegenstände auf unbelichtetes Fotopapier und setzte das Ganze verschiedenen Lichtquellen aus. Die verschwommenen Konturen dieser "Fotos ohne Kamera" fanden bei den Dadaisten und später bei den Surrealisten großen Anklang. Der Dichter Jean Cocteau bezeichnete Man Ray gar als "Poeten der Dunkelkammer".

Viele Werke von Man Ray findet man bei Elton John wieder. "Ich liebe es, mich mit schönen Bildern zu umgeben. Ich schlafe in meinem Bett mit 'Black and White' von Man Ray über mir, und das ist ganz schön cool", sagt er im Interview.

Fotos beflügeln die Vorstellungskraft

Die Leidenschaft des britischen Sängers, der einfühlsame Popballaden wie "Candle in the Wind" geschrieben hat, begann 1990. Gerade hatte er einen Drogen- und Alkoholentzug hinter sich. "1990 war ich clean. 1989 hatte ich bis auf vier Bilder alles an Kunst bei Sotherby's versteigert."

Es war ein Neuanfang. Auf einer Frankreichreise besuchte er ein Fotofestival und entdeckte dabei auch Fotos des Amerikaners Irving Penn, die ihn begeisterten. Auf dem Festival kaufte er gleich 12 Bilder, der Grundstock seiner Sammlung, die heute als eine der führenden privaten Fotosammlungen der Welt gilt. Eine Galerie großer Meister, sowohl was die Fotografen als auch die Abgebildeten anbelangt. "Fotos sind wie ein Buch lesen: Deine Vorstellung wird lebendig und du fragst Dich, was passierte, als das Foto gemacht wurde."

Lieblingsstücke von Elton John

Ausstellung The Radical Eye André Kertész (Estate of André Kertész/Higher Pictures)

André Kertész fotografierte seinen Bruder im Pool

Elton John besitzt ungewöhnlich viele Originalabzüge, wie etwa das Bild "Swimming Man" von André Kertész. "Es ist ein Bild von seinem Bruder, wie er schwimmt, aufgenommen 1917 und es ist bei weitem das älteste Foto der Ausstellung." 

Der Sänger und Pianist sammelt Fotos, die ihn ansprechen. Dazu gehören nach wie vor die Bilder von Irving Penn. In der Ausstellung gibt es sechs Portraits von Elton John, die Irving Penn gemacht hat. "Zunächst saß ich mit ihm zusammen und sprach über Fotografie und sein Leben", erzählt Elton John. Dann musste er selbst vor die Kamera. Die Bildverzerrungen, die sein Gesicht bis ins Fratzenhafte verziehen, kamen durch langsame Bewegung der Kamera zustande. "Ich bin keine normale Person. Die Bilder zeigen die Exzentrik meines Lebens. Ich liebe sie sehr."

Die Ausstellung ist vom 10. November 2016 bis zum 7. Mai 2017 zu sehen. Elton John wird in diesen sechs Monaten mit einige weißen Lücken an den Wänden seiner Wohnung leben müssen.

 

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