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Politik

The Perfect Storm

Vielleicht liegt es daran, dass viele Amerikaner als Kinder Pfadfinder waren. "Bereitsein ist alles" ist derzeit die Devise zwischen North Carolina und New Jersey, die Bundeshauptstadt Washington inklusive.

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Wenn Washingtonians – und Amerikaner südlich und westlich der Hauptstadt – sich in diesen Tagen unterhalten, sprechen sie über Isabel wie über eine alte, nicht sonderlich beliebte Bekannte. Dabei werden Washingtonians – und ihre südlichen und westlichen Nachbarn – Isabel erst noch kennenlernen.

Isabel hat Hüften von mehr als 600 km Durchmesser, ist ein Hurrikan und bewegt sich langsam, aber sehr unaufhaltsam auf die amerikanische Ostküste zu. In der Nacht zu Freitag (18.9.2003) soll Isabel dann über die Hauptstadt herfallen.

Auch wenn Washington sonst eher an politische Stürme gewöhnt ist, wie sie durch die in Hauptstädten übliche Produktion von heißer Luft erzeugt werden: Man bereitet sich routiniert auf Isabel vor. In den Supermärkten sind – das ist eine durch frühere Naturkatastrophen statistisch belegte Tatsache – Trinkwasser in Kanistern und Toilettenpapier zuerst ausverkauft. Konserven gehen gut – doch offensichtlich sind die Menschen in der Hauptstadt der Weltmacht weltfremd genug, dass man sie über Rundfunk und Fernsehen wiederholt darauf aufmerksam machen muß, dass elektrische Dosenöffner bei Stromausfall nicht zufriedenstellend funktionieren.

Hausbesitzer bringen alles ins Haus, was sich bei Windgeschwindigkeiten von 100 bis 200 Kilometer pro Stunde in tödliche Geschosse verwandeln könnte: Gartenstühle, Mülltonnen, kleine Kinder. Wer so genannte storm windows hat – das sind Fenster, die man vor die Fenster montiert, denn doppelt hält besser – holt sie aus dem Keller. Der Minister für Heimatschutz warnt zur Abwechslung vor einer Gefahr, die jeder gleich ernst nimmt.

Und der Star-Nachrichtenmoderator und Multimillionär Dan Rather reist - wie immer - dem Sturm entgegen, um sich vor laufender Kamera publikumswirksam durchnässen zu lassen. Damit hört der Spaß aber auch schon auf. Denn Hurrikane wie Isabel fordern – bei aller Vorbereitung – immer eine Reihe von Menschenleben, und der erwartete Schaden geht in die Milliardenhöhe.

Und man kann gar nichts dagegen machen.