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Wissen & Umwelt

The Nile Project: Harmonien statt Konflikte

Der Nil fließt durch elf afrikanische Länder. Er gilt dort als wichtigste Trinkwasserquelle - das Teilen ist schwierig. Ein Projekt versucht, Konflikte zu lösen und wirbt für eine nachhaltige Nutzung - mit Musik.

Minai Girgis glaubt fest daran, dass Musik Menschen verschiedenster Herkunft verbindet - und genau das braucht die Nilregion, findet der ägyptisch-amerikanische Musikethnologe. Girgis betont, dass der längste Fluss der Erde durch elf völlig unterschiedliche Länder Afrikas fließt. Und ihre Abhängigkeit vom Nil als wichtigste Trinkwasserquelle hat schon oft zu Konflikten geführt.

Girgis will helfen, diese Konflikte zu lösen - mit der Kraft der Musik. Vor fünf Jahren war er Mitbegründer der Initiative

"The Nile Project"

, um Musiker aus allen elf Nil-Staaten zusammenzubringen. Wofür? Um die Regionen über Grenzen hinaus zu verbinden, Konflikte hinter sich zu lassen, und eine nachhaltige Nutzung des Flusses voranzubringen.

"Wir wollen Musik nutzen, die viele Traditionen verbindet, um dadurch eine Diskussion über die Herausforderungen rund um den Nil und unsere Rolle als Bürger anzustoßen", erklärt Girgis der DW.

Über 437 Millionen Menschen leben an den Ufern des Nils. Das Nilbecken ist ein "komplexes Ökosystem" - nicht nur ökologisch, sondern auch politisch, sagt der Musikdirektor von "The Nile Project", der äthiopisch-amerikanische Saxophonist Danny Mekonnen.

"Gerade in Äthiopien, Sudan und Ägypten sind sich die Menschen der Konflikte um Wasser bewusst", berichtet Mekonnen der DW.

Der Konflikt schwelt seit dem frühen 20. Jahrhundert - als ein Abkommen unterzeichnet wurde, das den Löwenanteil des Nil-Wassers Ägypten zuschrieb. Aktuell werde ein Damm in Äthiopien gebaut, der ziemlich umstritten ist, sagt Mekonnen. "Das ist ein riesiges Gebiet mit über 400 Millionen Menschen. Es gibt dort nicht genug Wasser für alle, und es wird nicht gerecht verteilt."

Blick aus einer Hütte am Ufer auf den Nil (Foto: Mahmoud Yakut)

Der Konflikt über das Wasser des Nils dauert schon mehr als ein Jahrzehnt

Die Wahrnehmung des Nils ändern

Der Nil durchquert so vielfältige Länder wie Uganda, Sudan, Ägypten und Äthiopien, und ist für diese Länder von unterschiedlicher Bedeutung. In Ägypten sehen die Menschen den Nil als selbstverständlich an, so Girgis.

"Wie jeder andere ägyptische Bürger, der am Fluss aufgewachsen ist, überqueren wir ihn jeden Tag - aber wir denken nicht darüber nach, bis das hinterfragt wird", erzählt Girgis.

Dasselbe gilt für Kasiva Mutua aus Kenia, die bei "The Nile Project" für die Percussion sorgt. In ihrer Heimat ist sie eine von Kenias besten Schlagzeugerinnen - und eine der wenigen Frauen, die in diesem Bereich erfolgreich ist.

"Kenianer sehen sich normalerweise nicht als Teil des Nils", sagt sie der DW. "Mir war nicht bewusst, dass der Victoriasee eine so große Rolle für den Fluss spielt. Erst als ich dem Projekt beigetreten bin, hat sich meine Sicht auf den Nil komplett geändert", erzählt Mutua.

Menschen ermutigen, den Fluss als eine schutzbedürftige und zu teilende Ressource zu schätzen, ist laut Mekonnen eines der Hauptziele des Projekts. "Was wir versuchen, ist, eine Art Gemeinschaft zu schaffen, wodurch sich die Menschen der elf Länder miteinander verbunden fühlen. Und eine der Möglichkeiten zu Handeln ist durch unsere Zusammenarbeit in der Musik."

The Nile Project werden zur Bühne des Wilder Festival gefahren (Foto: Wael Gzoly)

Die Mitglieder von "The Nile Project" wollen zu einer kreativen, grenzübergreifenden Zusammenarbeit im Nilbecken ermutigen

Den Klimawandel gemeinsam bekämpfen

Ostafrika gehört zu den Regionen auf der Welt, die bereits die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommt. Kasiva Mutua sorgt sich um die Zukunft des Kontinents, sollte die internationale Gemeinschaft es nicht schaffen, die Erwärmung der Erde aufzuhalten.

"Ich habe viele Folgen des Klimawandels gesehen. Jeder kann die Hitze spüren. Die Jahreszeiten haben sich geändert", sagt sie.

Girgis, der Mitbegründer von "The Nile Project" stimmt zu. Er sagt, dass der Klimawandel die Probleme nur verschlimmert hat, die sowieso schon in einer Region vorherrschen, in der der Konflikt um Wasserversorgung eine Tatsache des Lebens geworden ist.

"Der Meeresspiegelanstieg im Nildelta von Ägypten ist eine klar zu erkennende Folge des Klimawandels", sagt er.

The Nile Project in einem Konzert in der Bibliotheca Alexandrina, Ägypten (Foto: Ahmed Hayman)

Kasiva Mutua, in der mitte, gehört zu den wenigen bekannten weiblichen Percussionisten in Kenia

"Die Menschen müssen etwas tun"

Girgis ist überzeugt, dass die Regierungen alleine das Problem nicht lösen können. Geht es nach ihm braucht es eine verlässliche Infrastruktur - und zwar unter allen Ebenen von Interessensgruppen.

Bürger, der Privatsektor und die Zivilgesellschaft spielen alle eine tiefgreifende Rolle als Unterstützer, sagt Girgis. "Und mit "The Nile Project" wollen wir diesen verschiedenen Akteuren zeigen, wie sie in dieses größere Puzzle passen."

Mutua sieht das genauso und betont die Macht des Handelns. "Alles beginnt mit Reden - und das ist, was wir grundsätzlich machen. Wir machen Musik und sprechen die Neugier in den Menschen an, um über nachhaltige Lösungen zu reden und zu realisieren was wirklich geschieht."

Und um etwas für den Nil zu tun, müssen die Menschen der verschiedenen Regionen zusammenarbeiten - so wie es die Musiker des Projekts machen. "Was wir brauchen ist eine kreative Zusammenarbeit, über die Grenzen hinaus, im ganzen Nilbecken", so Girgis.

"Deswegen ist unsere Musik sozusagen eine Metapher für eine kreative Problemlösung", fügt er hinzu.

Musiker aus verschiedenen Ländern zusammenzubringen bedeutet auch, verschiedene Instrumente, verschiedene Stimmsysteme, verschiedene Tonleitern, Rhythmen und Sprachen. "The Nile Project" versucht all dies zu einem Nil-Sound zu kombinieren, der die komplette Region repräsentiert.

The Nile Project beim Aswan Gathering 2016 in Ägypten (Foto: Habi Girgis)

"The Nile Project" bringt 16 Musiker aus neun verschiedenen afrikanischen Ländern zusammen

"Es ist eine Blaupause dafür, wie sich die Bürger all dieser unterschiedlichen Länder selbst organisieren können, um etwas zu entwickeln, was niemand von uns alleine könnte", fasst Girgis zusammen.

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