Thanh erhält nochmals lebenslange Haftstrafe | Aktuell Welt | DW | 05.02.2018
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Vietnam

Thanh erhält nochmals lebenslange Haftstrafe

Auch in einem zweiten Prozess gegen den mutmaßlich aus Deutschland entführten Geschäftsmann Thanh verzichtete das Gericht in Vietnam auf die Verhängung der Todesstrafe. Der Fall hatte international Aufsehen erregt.

Das Volksgericht der Hauptstadt Hanoi sprach den ehemaligen kommunistischen Funktionär Trinh Xuan Thanh (Artikelbild) schuldig, bei einem Bauprojekt Schmiergeld angenommen zu haben. Wegen Korruption und Misswirtschaft hatte der 52-Jährige bereits im Januar lebenslang bekommen. Auf die mögliche Forderung nach der Todesstrafe hatte die Staatsanwaltschaft beide Male verzichtet. Vietnam gehört zu den wenigen Staaten, in denen Korruption mit einem Todesurteil bestraft werden kann. Erst im Herbst war ein anderer ehemaliger Top-Manager zur Hinrichtung durch eine Giftspritze verurteilt worden.

Belastung der deutsch-vietnamesischen Beziehungen 

Der Fall belastet die Beziehungen zwischen Deutschland und dem kommunistischen Einparteienstaat seit vergangenem Sommer massiv. Die mutmaßliche Verschleppung mitten aus Berlin im Juli 2017 hatte weltweit Schlagzeilen gemacht. Anfangs hatte die Bundesregierung Thanhs sofortige Freilassung gefordert - ohne jeden Erfolg. Zumindest gelang es nun aber, die Todesstrafe zu vermeiden. Ausgestanden ist die Affäre allerdings noch nicht. Die Verteidigung kündigte an, gegen die lebenslange Haftstrafe Berufung einzulegen. Thanh bestreitet alle Korruptionsvorwürfe. Er hofft darauf, möglichst bald nach Deutschland zurückkehren zu können, wo seine Frau und seine Kinder leben. Zudem herrscht zwischen beiden Staaten auf diplomatischem Gebiet ziemliche Eiszeit. Vietnam behauptet, dass er freiwillig in seine alte Heimat zurückkam, um sich zu stellen.

Opfer von politischen Machtkämpfen

Das Volksgericht befand Thanh nach nur wenigen Prozesstagen für schuldig, sich persönlich bereichert zu haben. Als Chef des Baukonzerns PetroVietnam Construction (PVC) soll er bei einem Projekt in Hanoi 2009/10 Anteile weit unter Wert an einen privaten Entwickler verkauft und dafür mehr als eine halbe Million Euro Schmiergeld bekommen haben. Die Verteidigung sieht ihn jedoch als Opfer von Machtkämpfen innerhalb von Vietnams Kommunistischer Partei.

Thanh hatte sich 2016 nach dem Bekanntwerden erster Vorwürfe nach Deutschland abgesetzt, wo er früher einmal studierte. Er bemühte sich um eine Anerkennung als Asylbewerber. Die Hoffnung der Verteidigung ruht nun darauf, dass der Geschäftsmann in einem Berufungsprozess ein milderes Urteil bekommt. Zudem gibt es hinter den Kulissen Bemühungen, die Haftstrafe zu reduzieren. Auch in Vietnam ist es möglich, trotz Verurteilung zu lebenslang nach einigen Jahren freizukommen. Bei Wirtschafts-Straftaten wurden Häftlinge häufig nach Verbüßung der Hälfte der Gefängnisstrafe entlassen. Zusammen mit Thanh wurden sieben weitere Angeklagte verurteilt. Sie erhielten Strafen zwischen sechs und 16 Jahren. 

bri/kle (dpa,ap)