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Asien

Thailands Wirtschaft blickt nach vorn

Wochenlang dominierten die Bilder der Proteste gegen die thailändische Regierung die Medien weltweit. Drei Wochen nach der Räumung des Protestcamps in Bangkok ist das Wirtschaftleben zur Normalität zurückgekehrt.

Blick auf Thailands Wirtschaftsmetropole Bangkok (Foto:DW)

Blick auf Thailands Wirtschaftsmetropole Bangkok

Stefan Buerkle (m.) von der deutschen Außenhandelskammer in Bangkok (Foto:DW)

Stefan Buerkle (m.) von der deutschen Außenhandelskammer in Bangkok

Natürlich hat das Image Thailands durch die Unruhen der vergangenen Monate gelitten - darüber macht sich Stefan Buerkle keine Illusionen. Doch der Chef der deutsch-thailändischen Handelskammer in Bangkok weiß aus vielen Gesprächen, dass die bereits in Thailand tätigen ausländischen und deutschen Unternehmen dem Königreich die Treue halten. Denn das Land sei viel stabiler, als die Berichterstattung der zurückliegenden Monate vermuten lässt, meint Buerkle und die Risiken seien überschaubar: "Die Risiken, die in der westlichen Presse dargestellt werden, sind natürlich in der jetzigen Zeit sehr stark politisch. Diese politischen Risiken haben aber kaum Auswirkungen auf die Wirtschaft als Ganzes", gibt Buerkle zu bedenken. "Was in der Presseberichterstattung des Westens als der Beginn eines Bürgerkriegs dargestellt wurde, war am Ende eine Demonstration mit 3.000 bis 5.000 Menschen in einer Metropole von 25 Millionen Einwohnern.“

Mit ASEAN-Handel aus der Wirtschaftskrise

Thailands Premier Abhisit Vejjajiva beim ASEAN-Gipfel 2009 (Foto:dpa)

Thailands Premier Abhisit Vejjajiva beim ASEAN-Gipfel 2009

Wie die meisten anderen Mitgliedsstaaten des südost-asiatischen Staatenbundes ASEAN ist auch Thailands Wirtschaftsleistung im Jahr 2009 zurückgegangen. Das Minus war mit 2,3 Prozent allerdings weniger drastisch als zuvor befürchtet. Für dieses Jahr rechnen die Konjunktur-Experten der Deutschen Außenhandelskammer in Bangkok mit einem Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent.

Neben dem wachsenden Markt für Informations- und Kommunikationstechnik boomt in Thailand der Medizin-Tourismus. Bereits heute strömen Jahr für Jahr 1,5 Millionen ausländische Patienten in die Privat-Kliniken und Behandlungszentren des Landes. In der stark exportorientierten Nahrungsmittelindustrie will man künftig stärker auf qualitativ hochwertig verarbeitete Lebensmittel setzen, statt einfach nur Reis oder Geflügel zu exportieren. Bereits jetzt schielen ausländische Unternehmen auf die anstehenden Investitionen im Infrastrukturbereich Thailands: So soll das Eisenbahn-Netz für rund 15 Milliarden Euro auf fast 2.700 km modernisiert werden und neue Züge erhalten. Außerdem hat das Land einen starken Nachholbedarf im Umweltbereich und bei der Energieversorgung. Bis 2022 soll der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch von derzeit sechs auf 20 Prozent erhöht werden. Im Rennen um solche lukrativen Aufträge konkurrieren dabei deutsche Unternehmen immer öfter mit asiatischen Firmen.

Exportmacht Thailand

Schmuckhändlerin in Bangkok (Foto:ap)

Schmuckhändlerin in Bangkok

Trotz aller Unterschiede haben Deutschland und Thailand eine Gemeinsamkeit: Die Volkswirtschaften beider Länder sind stark vom Export abhängig. Und der Exportsektor Thailands wurde von der politischen Krise der vergangenen Wochen und Monate nicht berührt. Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft des Landes um zehn Prozent. Ein wichtiger Grund dafür ist der seit langem zunehmende Handel mit China. Unter dem Eindruck der Eurokrise blicken viele ASEAN-Mitgliedsländer wie Thailand verstärkt auf ihre eigene Region, wenn es um den Ausbau der Handelsbeziehungen geht, meint Stefan Buerkle: „Man sieht durchaus mit Sorge auf Europa und auf den Euro und glaubt, sich wieder wesentlich stärker an den USA und den asiatischen Handelspartnern orientieren zu müssen. Die große ASEAN-Freihandelszone umfasst 500 Millionen Einwohner. Daneben gibt es die zusätzliche Freihandelszone der ASEAN-Staaten mit China."

Noch vor zehn Jahren habe der Handel mit China lediglich drei Prozent Anteil am thailändischen Außenhandel gehabt. Heute seien es zwölf Prozent - bei einer ausgeglichenen Handelsbilanz, rechnet Buerkle vor. Beide Seiten profitierten von dieser Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen: "China ist nicht nur Konkurrenz, China und ASEAN fördern sich gegenseitig."

China als Markt für Thailands Waren

Längst sind die Zeiten vorbei, als man in den kleineren asiatischen Ländern die Größe und wirtschaftliche Dominanz Chinas als eine Art Tsunami empfand, der auf die Nachbarländer im Osten und Südosten Asien zuraste. Diese Furcht gehöre mittlerweile der Vergangenheit an, sagt Handelskammer-Chef Buerkle: „Wir hatten natürlich tatsächlich diese Angst, die auch in Europa und den USA immer wieder verbreitet wird. In der Zwischenzeit sehen wir die Entwicklung innerhalb Asiens so, dass China nicht die Wasserwand ist, die auf uns zukommt, sondern die Geldwand."

Und damit meint Buerkle nicht nur die chinesischen Investitionen, die seit Jahren in die Region fließen, sondern auch die Chancen, die der riesige Abnehmermarkt für Exportnationen wie Thailand bietet.

Neuwahlen zum Jahresende?

Thailands Premierminister Abhisit Vejjajiva (Foto:ap)

Politisch schwer angeschlagen: Thailands Premierminister Abhisit Vejjajiva

Die künftige politische Entwicklung sieht der oberste Repräsentant der deutschen Wirtschaft in Thailand nüchtern: "Wir hatten eine Vertrauensabstimmung im Parlament. Diese hat die Regierung gewonnen. Es gab anschließend eine Regierungsumbildung. Es wurden acht neue Minister vereidigt. Und die gehören einer Partei an, die noch bis vor kurzem auf der Seite der Protestierenden war."

Beigelegt sei die politische Krise damit aber noch nicht. Und am Ende des Jahres könnten die Karten bei Neuwahlen neu gemischt werden, glaubt Stefan Buerkle.

Autor: Thomas Kohlmann
Redaktion: Thomas Latschan