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Asien

Thailands Tourismus ausgebremst

Politische Unruhen konnten dem Image des Gute-Laune-Urlaubsparadieses Thailand nur wenig anhaben. Das Militär unterstützt die Tourismus-Branche nach Kräften. Dennoch verpasst sie ihre ehrgeizigen Wachstumsziele für 2014.

"Die Reise ist seit Montag (14.07.2014) geplant. Ich habe zufällig eine Woche länger Urlaub bekommen und da dachten wir, dann können wir ja auch eine Fernreise machen", erzählt Jürgen dem DW-Reporter am Düsseldorfer Flughafen in bester Urlaubslaune. Seine Begleiterin Daniela und er haben sich spontan zur Reise nach Thailand entschieden. Dennoch sind sie gut informiert und wissen von der monatelangen politischen Krise bei der 28 Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden. Sorgen machen sie sich aber keine. "Wir haben uns auf der Seite des Auswärtigen Amtes informiert und da gibt es keine Reisewarnung."

Auch die vierköpfige Familie de Haas aus Holland, die am Düsseldorfer Flughafen umsteigt, beunruhigt die politische Lage nicht. Die Proteste beschränkten sich ohnehin nur auf Bangkok und sie führen, wie die meisten Touristen, auf die Inseln im Süden.

Tourismus stabil

Thailand Militärputsch Soldat 30.05.14

Im Mai hatte das Militär die Macht in Thailand übernommen.

Die Beispiele zeigen, was auch die Zahlen des thailändischen Fremdenverkehrsamtes belegen. Nach einem leichten Rückgang der Besucherzahlen aus Europa zum Höhepunkt der Krise Anfang 2014 liegen sie inzwischen sogar fünf Prozent über dem Vorjahresniveau. Wird allerdings nicht nur Europa, sondern die ganze Welt berücksichtigt, zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang von knapp über zehn Prozent.

Supranee Pongpat, Direktorin des Thailändischen Fremdenverkehrsamts in Deutschland, tritt jedem Zweifel entgegen und erklärt im Gespräch mit der Deutschen Welle, dass es absolut sicher sei, nach Thailand zu reisen. "Ich komme gerade aus Thailand und die Situation ist völlig normal." Nach dem

Militärputsch

gefragt sagt sie: "Ich würde das Bild im Westen über das Militär in Thailand gerne korrigieren. Das Militär ist freundlich zu den Menschen und den Touristen. Es hat die Macht friedlich übernommen, um die politischen Unruhen und die Konflikte zu lösen."

Wachstumsziel verfehlt

Bangkok Touristen 18.04.2014

Die Unruhen schrecken die Touristen nur kurzzeitig ab.

Etwas kritischer sieht das ein deutscher Experte, der die politische Krise seit Monaten beobachtet und den Militärputsch vom 22. Mai 2014 in Bangkok miterlebt hat. Namentlich möchte er nicht genannt werden, da Wirtschaft und Tourismus zurzeit in Thailand hochsensible Themen seien. Davon merken die Touristen natürlich nichts. "Die Tourismusbranche schafft Orte, die von der thailändischen Politik und dem Alltag weitgehend abgekoppelt sind", sagt er im Gespräch mit der Deutschen Welle. So wären etwa in den Touristengebieten in Bangkok während der Krise quasi kein Militär und, wenn überhaupt, nur Zivilpolizisten im Einsatz gewesen.

Wer die heile Welt des Tourismus verlässt, so der Experte, merkt schnell: "Der Konflikt ist nach wie vor da und unter der Oberfläche brodelt es." Das Militär müsse zur Befriedung der Situation für gute

Wirtschaftszahlen

sorgen, denn darauf beruhe seine Legitimität. "Doch die Wirtschaft stagniert im Moment." Wenn die Flaute im Geldbeutel der Taxifahrer und der Souvenirverkäufer ankomme, dann sei das für das Militärregime durchaus gefährlich. "Deswegen versucht man mit allen Mitteln, die Wirtschaft zu beleben und den Tourismus anzukurbeln", so der Experte. Zum Beispiel wird gerade diskutiert, die Visabestimmungen für chinesische Touristen zu lockern. Mehr als 20 Prozent trägt der Tourismus nach Angaben des Welt Reise und Tourismus Rates (WTTC) zum Bruttoinlandsprodukt Thailands bei. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Jahr 4,7 Prozent.

Doch trotz aller Bemühungen der Militärregierung ist klar, dass die Hoffnungen der Tourismusbranche aus 2013 in jedem Fall enttäuscht werden. 2013 hatte die thailändische Regierung nämlich ein ehrgeiziges Wachstumsziel für den Tourismus ausgegeben: zehn Prozent mehr Besucher in 2014. Doch die politischen Unruhen und der Militärputsch vom Mai haben diesen Traum in weite Ferne rücken lassen.

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