1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Thailands "Rothemden" auf der Suche nach sich selbst

Sie gehen wieder auf die Straße, weil sie sich nicht den Mund verbieten lassen wollen. Nach den jüngsten Unruhen Mitte April fragen sich viele in der roten Bewegung, wie es nun weiter gehen soll.

Proteste von Rothemden in Bangkok im April 2009 (Foto: AP)

Proteste von "Rothemden" in Bangkok im April 2009

"Rothemden" - so nennen die Thailänder die Anhänger des frühren Premiers Thaksin Shinawatra. In den vergangenen Monaten haben sie Thailand mit ihren Protesten in Atem gehalten, den Abbruch eines Gipfeltreffens der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN erzwungen. Jetzt versuchen die Anführer der Bewegung, ihre Strategien neu zu überdenken. Ihr Ziel ist es immer noch, die jetzige Regierung unter Abhisit Vejjajiva zu stürzen, auch wenn der sich auf eine Mehrheit im Parlament stützen kann. "Das erste Prinzip für uns ist derzeit nicht Demokratie, sondern Gerechtigkeit und politische Reform", gibt Jaran Ditapichai, ein Mitglied der Roten unumwunden zu.

Einsatz des Militärs in Bangkok gegen Regierungsgegner in Bangkok (Foto: AP)

Einsatz des Militärs in Bangkok gegen Regierungsgegner in Bangkok

Eine Bewegung im Untergrund?

In den vergangenen Wochen waren etliche Medien, darunter auch Radiostationen, die offen mit den Roten sympathisieren, dicht gemacht worden. Nicht nur darüber sind die "Rothemden" erbost, sondern auch, weil Medien, die der anderen Seite nahe stehen, ungehindert weiter senden dürfen. Die "Volksallianz für Demokratie", deren Anhänger sich in Gelb kleiden, gilt als Erzrivalin der roten Bewegung. Die Gelben hatten im vergangenen Jahr massiv dazu beigetragen, die damalige Thaksin-treue Regierung aus dem Amt zu hieven.

Auf welche Weise man Gerechtigkeit einfordern will, darüber ist man sich innerhalb der roten Bewegung jedoch nicht einig. Ein führendes Mitglied namens Jakrapob Penkair war nach den Unruhen von Mitte April abgetaucht und hatte erklärt, dass man notfalls auch Aktionen aus dem Untergrund initiieren werde. Andere Anführer haben sich von dieser Äußerung distanziert. Doch einhellig ist die Ablehnung unter den Rothemden nicht. "Was er gesagt hatte, geschah nur unter dem Druck der diktatorischen Regierung", rechtfertigt Somyos Prueksakasemsuk, führendes Mitglied der sogenannten "zweiten Generation" der "Rothemden" die Äußerungen Jakrapobs: "Wenn die Regierung weiter daran geht, uns zu unterdrücken, dann könnte eine Bewegung im Untergrund wachsen."

Zweideutige Aussagen

Thaksin-Anhänger von hinten mit nacktem Rücken(Foto: AP)

Die meisten "Rothemden" sind Anhänger von Ex-Premier Thaksin Shinawatra

Inzwischen wächst die Sorge vieler Beobachter. Die Aktivistin und Medienrechtlerin Supinya Klangnarong warnt davor, die "Rothemden" in den Untergrund zu treiben. "Zumal wir noch gar nicht wissen, was sie damit meinen. Es klingt alles sehr zweideutig. Wenn wir Frieden, Harmonie und Stabilität sehen wollen, dann sollte es nach demokratischem Prinzip doch möglich sein, unterschiedliche Ansichten und Ideen öffentlich zu diskutieren."

Aber genau das ist in Thailand nicht der Fall. Für sachliche Debatten gibt es keinen Raum, die Fronten verhärten sich immer mehr. Und noch eine Frage bleibt offen: Welche Rolle künftig Ex-Premier Thaksin Shinawatra in dem politischen Konflikt spielt. Dieser hatte anlässlich der April-Krawalle offen zur Revolution aufgerufen.

Symbolfigur Thaksin

Porträt Thaksin Shinawatra /Foto: AP)

Der frühere Premierminister Thaksin Shinawatra

Die rote Bewegung ist deutlich gespalten: Für die einen bleibt Thaksin der Held, welcher die Tagelöhner und die arme Landbevölkerung im Norden und Nordosten als wichtige Wählerklientel entdeckte. Andere hingegen versuchen, sich von der bis dato übermächtigen Figur Thaksins zu distanzieren. "Rothemden"-Mitglied Jaran Ditapichai bezeichnet die Rolle des Premiers dann auch als "symbolisch". Er befinde sich außerhalb des Landes und rufe "nur zwischendurch an". Dennoch werde die Bewegung den Kontakt zu dem umstrittenen Geschäftsmann nicht abreißen lassen. "Wenn wir das tun würden, hätten wir keine Aussicht auf Erfolg." Für ihn jedenfalls ist klar: Der Machtkampf wird weiter gehen - bis den Roten Gerechtigkeit widerfährt.

Autorin: Nicola Glass
Redaktion: Mathias Bölinger