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Asien

Thailands Luftfahrt in der Kritik

Die amerikanische Luftfahrtbehörde hat die Sicherheitsstufe der thailändischen Luftfahrt gesenkt. Die Regierung verspricht schnelle Nachbesserung. Doch das wird sich nicht so schnell realisieren lassen.

Die US-Luftfahrtbehörde (FAA) hat am Mittwoch (02.12.2015) die Sicherheitsbewertung der thailändischen Luftfahrt von Kategorie eins auf Kategorie zwei heruntergestuft. "Thailand erfüllt die Standards der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation nicht", so die FAA in einem Pressestatement. Die Herabstufung bedeutet, dass die Luftfahrtindustrie Thailands in mindestens einem kritischen Bereich Mängel aufweist oder dass es in dem Land an den notwendigen Gesetzen und Regularien fehlt, um nach internationalen Standards zu fliegen. Details gab die FAA nicht bekannt.

"Gefahr für Passagiere besteht konkret nicht", betont der deutsche Luftfahrexperte Heinrich Großbongardt. Es gehe darum, den Luftverkehr auf Dauer sicher zu betreiben. "Das beruht auf der Erkenntnis, dass eine unzureichende Aufsicht zu einer Erosion der Sicherheitskultur führt und damit langfristig das Unfallrisiko erhöht."

Heinrich Großbongardt Luftfahrtexperte

Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt

Wirtschaftliche Folgen

Ganz anders sehe das mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit der thailändischen Luftfahrtindustrie aus, sagt Großbongardt. "Die Herabstufung hat ganz erheblich wirtschaftliche Auswirkungen und zwar insbesondere für Thai Airways." So dürfen thailändische Fluglinien keine neuen Strecken in die USA eröffnen. Auch die Flugzeugtypen dürfen nicht verändert werden, was ein erheblicher Wettbewerbsnachteil ist, da neue Maschinen für Kunden attraktiver und kostengünstiger seien. Nicht zuletzt würden thailändische Maschinen, die in den USA landen, häufiger und genauer geprüft, nach dem Motto: "Wenn wir nicht sicher sind, dass ihr das in Thailand ordentlich erledigt, dann machen wir das in den USA."

Betroffen sind insgesamt 28 thailändische Fluggesellschaften, die international operieren. Die Aktien der nationalen Fluglinie Thai Airways fielen um 6,3 Prozent. Das Unternehmen kämpft seit längerem mit finanziellen Problemen.

Diese dürften noch weiter zunehmen, wenn sich auch die die Europäische Agentur für Flugsicherheit im Dezember dem Urteil der FAA anschließt, was nicht unwahrscheinlich sei, so Großbongardt. "Viele Flugsicherheitsbehörden richten sich nach dem Urteil der FAA." Dabei sei zu Bedenken, dass es in Europa zwar nicht wie in den USA Kategorien gibt, sondern nur eine Blacklist für Fluggesellschaften, die Europa nicht anfliegen dürfen, aber thailändische Fluggesellschaften würden sicher genauer unter die Lupe genommen werden. Thai Airways fliegt insgesamt elf europäische Städte an, in Deutschland Frankfurt am Main und München.

Thailand reagiert umgehend

Es gibt in Thailand große Sorgen, dass die Entscheidung der FAA die

Tourismusindustrie

schädigen könnte, die einen erheblichen Wirtschaftsfaktor in dem Land darstellt. Sie trägt etwa sieben Prozent zur wirtschaftlichen Gesamtleistung Thailands bei. Diese Befürchtungen hält Großbongardt für überzogen. "Die Touristen haben genügend Ausweichmöglichkeiten." Viele Airlines fliegen Bangkok oder Phuket an. Die Herabstufung sei vor allem ein Problem für die thailändischen Fluggesellschaften.

Fluggesellschaft Lion Air Air Asia in Indonesien

Außer Thailand fällt nur noch Indonesien in Südostasien in die Kategorie zwei der US-Luftsicherheitsbehörde

Um das Vertrauen in die Luftfahrtindustrie nicht weiter zu erschüttern, räumte die thailändische Seite die Mängel umgehend ein. Der Transportminister Arkhom Termpittayapaisith erklärte auf einer Pressekonferenz in Bangkok, dass die gravierendsten der insgesamt 33 Kritikpunkte der US-Luftfahrtbehörde fehlendes Personal, mangelhafte Ausbildung und die unzureichende bzw. sich zu lange hinziehenden Prüfung der Lizenzen von Piloten und Technikern seien. Die Vorwürfe seien plausibel, so Großbongardt. "Die Luftfahrt in Südostasien leidet unter Personalmangel. Sie wächst extrem stark und so entsteht eine Konkurrenz zwischen den Fluggesellschaften und den nationalen Luftfahrtbehörden."

Der Premierminister der

Militärregierung

, Prayuth-chan Ocha, ordnete unmittelbar nach Bekanntwerden der Herabstufung eine Verbesserung der Standards an. Das thailändische Amt für zivile Luftfahrt (DCA) soll personell verstärkt werden. Großbongardt gibt allerdings zu bedenken, dass sich schnelle Erfolge nicht einstellen werden. "Das dauert mindestens eineinhalb bis zwei Jahre."

Nachbesserung schwierig

Bereits im März 2015 hatte die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) eine negative Beurteilung der thailändischen Luftfahrtindustrie abgegeben. Ein Maßnahmenkatalog zur Stärkung der thailändischen zivilen Luftfahrtbehörde wurde von der Regierung daraufhin beschlossen, offenbar ohne den gewünschten Erfolg.

Für August 2016 ist eine neue Prüfung durch die ICAO angesetzt. Sollte Thailand die Mängel bis dahin beseitigt haben, stellte die ICAO eine schnelle Heraufsetzung ihrer Bewertung in Aussicht.

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