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Politik

Thailands hausgemachte Schweinerei

Thailand stellt sich gerne in den Vordergrund, wenn es um die Bekämpfung neuer Vogelgrippewellen geht. Doch gegen die erschreckenden Zustände in den eigenen Schlachthöfen scheint das Land machtlos zu sein.

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Das 100-Kilo Schwein windet sich kreischend, bevor ein nackter Schlachter mit einem schlanken Messer das Tier aufschlitzt. Das Schwein stirbt zwei Minuten später auf dem mit Blut und Exkrementen verklebten Boden, in einer Blutlache, die am Ende der Schicht in Richtung Abfluss gespritzt wird. Nach einer halben Stunde hängen zwei Schweinehälften im Kühlraum.

Solch veraltete Methoden sind Usus in Thailands Schlachthöfen. In den letzten zwei Jahren, prall gefüllt mit der Angst vor der Vogelgrippe, stieg die nationale Nachfrage nach Schweinefleisch. Und die Industrie schlachtet, was sie nur kann. Hygiene bleibt da oft auf der Strecke.

Schlachten in Unterhosen

Von den über 6000 Schlachthöfen Thailands sind fast 80 Prozent minderwertig. Müllentsorgung und medizinische Check-Ups der Angestellten sind dort unbekannt. Wegen fehlender Klimaanlagen arbeiten die Schlachter in Unterhosen. Das Fleisch aus diesen Höfen ist von solch niedriger Qualität, dass es nicht zum Export freigegeben werden kann.

Aufräumaktion

Nun will das Amt für Viehwirtschaft die Schweinerei aufräumen. Die Schlachthofbesitzer müssen ihre Höfe auf Vordermann bringen – dazu haben sie allerdings noch ganze zwei Jahre Zeit. Denen, die dann keine Schlachtlizenz oder weiterhin unhygienisch schlachten, droht eine lächerliche Geldstrafe von bis zu 100 Euro (oder ein Jahr Gefängnis).

Viele Schlachthofbesitzer wollen sich dagegen wehren, oder sie maulen zumindest. Viele sagen, sie würden ihre Höfe zwar gerne aufrüsten, doch leider fehle ihnen dazu das Geld – eine aus der ganzen Welt allzu bekannte Ausrede. Andere drohen mit der eventuellen Schlieβung ihrer Höfe und Zwangsentlassungen. Wieder andere verlagern ihre Schlachtereien schlicht in Provinzen, die es mit der Hygiene nicht so genau nehmen.

Hohe Tiere

Doch selbst das Amt für Viehwirtschaft weiß, dass die Wirkungsmacht des Aufräum-Feldzugs beschränkt ist. So gab der Leiter des Amtes, Yukol Limlaemthong, zu Beginn der Kampagne zu, dass viele nicht lizensierte Schlachthöfe nie aufgerüstet werden würden, da deren Besitzer einflussreiche Gestalten seien, die sich nicht um die amtlichen Beschlüsse scherten. Niemand wird es wagen, ihnen auf die dreckigen Finger zu hauen. Und so manche lokale Gesundheitsbehörde spielt ihnen sofort zu. Der Leiter der Regionalbehörde in der Nakhon Pathom-Provinz, einem Bericht zufolge die Heimat der dreckigsten Schlachthöfe, lieβ verlauten, dass seine Behörde bislang keine "Besorgnis erregende Verschmutzung" in den Schlachtereien finden konnte.

Nun sollte man meinen, dass diese Aktion irgendetwas mit der grassierenden Vogelgrippe zu tun hätte. Doch dem Gesundheitsministerium zufolge unterstützt sie nur die diesjährige Lebensmittelsicherheit-Kampagne der Regierung.

Am Samstag (15.10.) schlug Thailands Premier Thaksin Shinawatra – zurzeit auf EU-Tour – in Helsinki vor, dass Thailand zum Impfstoff-Zentrum Südostasiens gegen die Vogelgrippe ausgebaut werden könnte. Am selben Tag lobte Michael Leavitt, Gesundheitsminister der USA, Thailands "vorbildlichen Kampf gegen die Vogelgrippe".

Doch erst im September mussten in Thailand 144.000 Wachteln, Hühner und Enten ausgemerzt werden, weil die Züchter wieder einmal nicht aufgepasst hatten – oder nicht aufpassen wollten. Thailands Gesundheitsministerium plant für nächsten Sommer eine Impfstofferprobung an Menschen. Vielleicht sollte es erst einmal das Land säubern – von unkooperativen, mit dem Leben von Tieren und Menschen spielenden Schlachthofbesitzern.