1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Thailand unter Militärherrschaft

Am 22. Mai hat sich Thailands Armee an die Macht geputscht. Zwei Tage zuvor hatte sie bereits das Kriegsrecht verhängt. Innerhalb weniger Tage ist das südostasiatische Land in eine Diktatur abgeglitten.

Es ist ein heißer Tag um die späte Mittagszeit in Bangkok. Auf der Allee Ratchadamnoen Nok unweit des Denkmals der Demokratie herrscht zu dieser Zeit vergleichsweise wenig Verkehr. Auch sind nur wenige Menschen unterwegs. An mehreren Straßenecken stehen bewaffnete Soldaten. Eine erzwungene Ruhe liegt über Thailands Hauptstadt, seit sich das Militär unter Armeechef

Prayuth Chan-ocha

an die Macht geputscht hat. Unter der Oberfläche aber gärt es gewaltig.

An einer Straßenecke direkt am Kreisverkehr rund um das Demokratie Denkmal versammelt sich eine Gruppe von etwa zehn Leuten. Gekleidet in schwarze T-Shirts, bauen sie sich entlang des Bürgersteigs auf. "Wir wollen zeigen, dass wir gegen den Putsch sind", sagt eine junge Frau mit Brille und Pferdeschwanz. Ein thailändischer Fotograf schießt eine Reihe von Bildern: "Die laden wir später im Internet hoch und verbreiten sie entsprechend, damit auch das Ausland sie zu sehen bekommt", sagt die junge Frau, die darum bittet, aus Sicherheitsgründen nicht mit Namen genannt zu werden. "Wer weiß, was demnächst noch alles passiert", sagt sie. "Wir haben Angst, dass die politischen Spannungen durch den Putsch weiter steigen und es vielleicht zu einem Bürgerkrieg kommt."

Widerstand regt sich

Militärs vor dem Demokratiedenkmal in Bangkok.

Das Militär vor dem Demokratiedenkmal.

Die Protestkundgebung dauert nur wenige Minuten, dann löst sie sich auf. Die Teilnehmer wollen die Soldaten nicht auf sich aufmerksam machen. Auch wollen sie offenbar verhindern, auf jene Gegendemonstranten zu treffen, die in den frühen Abendstunden der vergangenen Tage nur einen Steinwurf entfernt ihre Unterstützung für Thailands Armee bekundet haben.

Eine Frau mittleren Alters, die sich Sai nennt und der Fotoaktion zugeschaut hat, verweilt noch: "Ich möchte, dass das Ausland weiß, dass es hier viele Thailänder gibt, die gegen den Putsch sind." Sie sei immer stolz auf ihr Land gewesen, fügt sie hinzu und kämpft sichtlich mit den Tränen. Doch jetzt sei von ihrem Nationalstolz nichts mehr übrig. Vielmehr sei es ihr peinlich, zu erklären, warum das Militär wieder einmal die Macht an sich gerissen habe. "Wir wollen unsere Regierung selbst wählen, anstatt diese von oben aufgedrückt zu bekommen", sagt sie weiter. Man dürfe die Meinung und den Willen des Volkes nicht auf diese Weise kontrollieren: "Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert!"

Viele ihrer Landleute haben ihrem Frust über die illegale Machtergreifung durch das Militär weitaus deutlicher Luft gemacht. Trotz des Kriegsrechts, das Versammlungen von mehr als fünf Personen verbietet, sind seit dem Putsch vom 22. Mai mehrere Hundert und zeitweise gar mehr als Tausend Menschen in Bangkok auf die Straßen gegangen. Ihre Botschaften an die Junta waren überdeutlich: "Fuck the Coup", "Prayuth, hau ab" oder "Gebt die Macht dem Volk zurück" haben sie auf Schilder und Transparente geschrieben. "Die Armee führt Thailand in die finstersten Zeiten vergangener Militärdiktaturen zurück", so die Protestler. Sie kritisieren die Medienzensur sowie die Razzien,

Vorladungen und Verhaftungswellen

, die sich vor allem gegen die Kritiker des Putsches und gegen die Angehörigen und Anhänger der gestürzten Regierung richten. Obwohl Armeechef Prayuth den Demonstranten mit Gewalt drohte, haben diese geschworen, auch weiterhin auf die Straßen zu gehen.

Hoffen auf Wahlen

Ein Demonstrant gegen den Putsch in Thailand.

Die Menschen wollen die Augen nicht verschließen und ihr Stimmrecht nicht abgeben.

Andere hingegen erklären, sie wollten zunächst abwarten. "Dass die Armee den monatelangen Zwist zwischen den rivalisierenden politischen Lagern vorerst beendet hat, hat etwas für sich", findet Sak, der in der Rucksack-Touristenmeile Khao San arbeitet. Doch zu lange sollten Prayuth und seine Militärführung nicht an der Macht bleiben, fordert der junge Mann aus der nordöstlichen Provinz Roi Et. Traditionell gehören der Nordosten ebenso wie der Norden Thailands zu den Hochburgen der Rothemden, die überwiegend Anhänger der entmachteten Regierung sind. Sollten die Militärs für ein oder gar zwei Jahre herrschen, sei das definitiv zu lang. "Ich will, dass es möglichst schnell Wahlen gibt", betont Sak. Und das wolle die überwiegende Mehrheit der Thailänder ebenfalls. Wie viele seiner Landsleute findet er es daher bedenklich, dass von einem konkreten Wahltermin bislang keine Rede war.

Die Redaktion empfiehlt