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Asien

Thailand liefert Bout nicht an die USA aus

Eigentlich sollte dem in Bangkok inhaftierten russischen Waffenhändler Viktor Bout in den USA der Prozess gemacht werden. Doch ein Gericht in Bangkok stoppte überraschend Bouts Auslieferung.

Viktor Bout im thailändischen Gefängnis (Foto:ap)

Der als 'Händler des Todes' bekannte russische Waffenhändler Viktor Bout

Der thailändische Gerichtshof habe am Dienstag (11.08.09) entschieden, den Antrag abzulehnen, erklärte der Richter Jitakorn Patanasiri. Ihm zufolge haben die US-Behörden nach der Urteilsverkündung 72 Stunden Zeit, um Berufung einzulegen. Sollten die USA diese Frist verstreichen lassen, würde Bout auf freien Fuß gesetzt.

Zwielichtige Geschäfte in aller Welt

Waffenmarkt in Mogadischu (Foto:ap)

Auch in Afrika soll Bout Millionengeschäfte mit Waffen gemacht haben

Viktor Bout steht im Verdacht, weltweit in großem Stil mit Waffen gehandelt zu haben. So soll der als "Händler des Todes" bekannte Bout unter anderem die Taliban in Afghanistan, das Terrornetzwerk El Kaida, marxistische Rebellen in Südamerika und den früheren liberianischen Präsidenten Charles Taylor unterstützt haben. Allerdings ist die Rolle Bouts im internationalen Waffengeschäft umstritten. So soll Bout in den ersten Monaten des Irakkrieges auch Waffen zu den US-Truppen nach Bagdad transportiert haben. Dennoch müsste Bout im Falle einer Verurteilung in den USA mit lebenslanger Haft rechnen.

Der russische Waffenhändler war im März 2008 von US-Agenten in einem Hotel in Bangkok gefasst worden. Diese hatten ihn unter dem Vorwand nach Thailand gelockt, Waffen für die kolumbianische FARC kaufen zu wollen. Seitdem saß Bout in einem Hochsicherheitstrakt vor den Toren Bangkoks in Haft. Die USA strengten ein Auslieferungsverfahren gegen ihn an. Der Richter in Bangkok wies das Verfahren jedoch ab, da das thailändische Außenministerium die FARC weder als terroristische noch als kriminelle Organisation einstuft. Außerdem habe das Gericht nicht die Befugnis, "Aktionen von Ausländern gegen Ausländer außerhalb Thailands" zu bestrafen.

USA "enttäuscht", Russland "zufrieden"

Combobild Weißes Haus / Kreml

Unterschiedlicher hätten die Reaktionen im Weißen Haus und im Kreml nicht ausfallen können

Die USA zeigten sich von der Entscheidung enttäuscht. Aus der US-amerikanischen Botschaft in Bangkok hieß es, man glaube sehr wohl, dass Bouts Handlungen auch nach thailändischer Gesetzgebung strafbar seien. Die USA wollen sich nun eng mit der Regierung in Bangkok beraten. Auch bedeute die Gerichtsentscheidung vom Dienstag keine Verschlechterung der Beziehungen zwischen Thailand und den USA. Ganz anders fielen die ersten Reaktionen in Moskau aus. Dort sagte ein Sprecher des Außenministeriums, Russland sei "zufrieden" mit der Entscheidung: "Wir begrüßen die Entscheidung des thailändischen Gerichtshofes und hoffen, dass Bout bald wieder nach Hause zurückkehren kann." (tl/bu/afp/ap/dpa)