Textilindustrie in Bangladesch: Mehr Sicherheit - kaum Rechte | Aktuell Asien | DW | 25.02.2017
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Wirtschaft

Textilindustrie in Bangladesch: Mehr Sicherheit - kaum Rechte

Nach den schweren Unglücken in der Textilindustrie in Bangladesch soll eine internationale Konferenz in Dhaka über Fortschritte in Sachen Sicherheit beraten. Doch ein anderer Konflikt drängt sich in den Vordergrund.

Bangladesch Textil Fabrik Arbeiter Protest (picture alliance/dpa/M.Hasan)

Protestierende Näherinnen in Dhaka im Dezember: Forderung nach mehr Mindestlohn

Bangladesch ist eine der Nähstuben der Welt. Die führenden internationalen Modeketten lassen hier fleißig produzieren. Das südasiatische Land ist inzwischen der zweitgrößte Textilexporteur der Welt. Doch begleitet wurde der Boom in den vergangenen Jahren von zahlreichen Unglücken. Mehrfach sind Fabrikgebäude in Flammen aufgegangen oder eingestürzt. Die größte Katastrophe ereignete sich im April 2013, als in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka das Rana-Plaza-Gebäude zusammenbrach. 1100 Näherinnen und andere Textilarbeiter kamen damals ums Leben.

Inzwischen wurden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht, auch weil sich die ausländischen Abnehmer seit 2013 in gemeinsamen Initiativen um eine Verbesserung bemühen. Die unbestrittenen Fortschritte sollten eigentlich an diesem Samstag Thema auf einer internationalen Textilkonferenz in Dhaka sein, ausgerichtet vom nationalen Verband der Textilexporteure BGMEA. Doch das Treffen wird von einem anderen Konflikt überschattet, der zur Absage von fünf Branchenschwergewichten führte. Denn die Hersteller haben nicht nur in puncto Sicherheit Nachholbedarf, sondern auch was Arbeitnehmerrechte und Löhne angeht.

34 Festnahmen

Seit dem 12. Dezember tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen offenen Konflikt aus. Tausende Arbeiter forderten eine Erhöhung ihres Mindestlohns auf rund 180 Euro im Monat - fast dreimal so viel wie bisher. Als Reaktion wurden mehr als 50 Fabriken zeitweise geschlossen. Laut Gewerkschaftsangaben wurden zudem rund 1600 Arbeiter entlassen und mindestens 34 Aktivisten festgenommen, Büros von Gewerkschaften mussten schließen.

Polizisten bewachen eine geschlossene Textilfabrik in Ashulia (Bangladesch) (picture alliance/dpa/M.Rashid)

Geschlossene Textilfabrik in Ashulia im Dezember: Entlassungen und Festnahmen

Das Vorgehen stieß international auf Protest. Gewerkschaften, Handelsverbände und Regierungen aus rund 20 Ländern stellten öffentlich das Verhalten von Arbeitgebern und Regierung in Bangladesch infrage. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte die Festnahmen. Das Auswärtige Amt in Berlin meldete Bedenken an, ob die Inhaftierten fair behandelt wurden. Wenige Tage vor dem Textilgipfel sagten deshalb fünf große Marken ihre Teilnahme an der Textilkonferenz ab: H&M, C&A, Zara, Tchibo und Next.

Einlenken in letzer Sekunde

C&A forderte die Regierung in Dhaka auf, "sofort Schritte zum Schutz von Arbeitnehmerrechten" einzuleiten. Und H&M machte deutlich, dass es im laufenden Tarifkonflikt zunächst eine friedliche Lösung geben müsse, "bevor man zum Tagesgeschäft zurückkehren kann." Erst in letzter Sekunde lenkte jetzt die Regierung in Dhaka ein und entließ die letzten inhaftierten Arbeitern und Gewerkschaftlern, die teilweise wochenlang im Gefängnis gesessen hatten.

"Der Dialog zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und Regierung muss in Bangladesch besser strukturell verankert werden", mahnt Franziska Korn, Landeschefin der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Bangladesch. Die internationale Gewerkschaft IndustriALL sieht vor allem die weltweite Aufmerksamkeit als Grund für das jüngste Einlenken. "Wir haben unglaubliche internationale Unterstützung erhalten", sagte Generalsekretär Valter Sanches. "Die Probleme, die den Konflikt Ende des letzten Jahres ausgelöst haben, sind allerdings immer noch da."

Bei der Eröffnung des Textilgipfels appellierte Bangladeschs Regierungschefin Sheik Hasina an die internationalen Modemarken, die Fabrikbesitzer bei der Modernisierung ihrer Produktionsstätten zu unterstützen. Hasina gestand aber auch ein, dass es nötig sei, die Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu verbessern.

AR/mak (dpa/rtr)

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