1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Textildiscounter KiK auf der Anklagebank

Die Opfer eines verheerenden Brandes in einer pakistanischen Textilfabrik haben beim Landgericht Dortmund Schadensersatzklage gegen den Textildiscounter KiK eingereicht.

Vier Opfer klagen beim Landgericht Dortmund auf Schmerzensgeld, teilten die Menschenrechtsorganisationen medico international und das Europäische Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR) am Freitag in Berlin mit. Die Fälle gelten als exemplarisch für die 254 Toten und 55 Verletzten. Die vier Kläger sind ein Überlebender und drei Angehörige von Opfern, darunter eine Witwe, die ihren Sohn verlor. Sie verlangen je 30.000 Euro Schadensersatz.

Der Textildiscounter KiK mit Sitz im westfälischen Bönen gilt als Hauptauftraggeber der abgebrannten Fabrik Ali Enterprises. Das Unternehmen stellte nach eigenen Angaben nach dem Brand sofort eine Million US-Dollar zur Verfügung und erklärt sich zur Zahlung von weiteren Summen bereit.

"Ungeachtet der juristischen Ermittlungen und einer Ursachenermittlung im Fall der Brandkatastrophe halten wir an unserem Angebot fest, weitere Hilfszahlungen an die Opfer und Hinterbliebenen zu leisten", erklärte eine KiK-Sprecherin. Aus Sicht der Opfer verschleppt die Firma jedoch Verhandlungen über eine langfristige Entschädigung.

Signalwirkung für andere Firmen?

Nach Angaben von medico geht es den Klägern auch nicht nur um die 30.000 Euro für den Verlust eines Angehörigen. Hauptziel sei vielmehr, dass ein Gericht die Verantwortlichkeit für eklatante Mängel im Brandschutz feststelle, damit sich solche Unglücke nicht wiederholen. Zu der Klage erklärte das Unternehmen, das Feuer sei durch Brandstiftung ausgelöst worden: "Wir begrüßen es grundsätzlich, wenn dieser hochkomplexe Sachverhalt von einer objektiven Instanz faktenbasiert beleuchtet und aufgeklärt wird", hieß es dazu bei KiK.

Sollte das Gericht die Klage annehmen, wäre dies nach Auskunft des Deutschen Instituts für Menschenrechte das erste zivilrechtliche Verfahren dieser Art in Deutschland. Damit könnte der Fall auch Signalwirkung für andere Firmen haben, die ihre Produkte in Billiglohnländern herstellen lassen.

wen/zdh (rtrd, dpa, epd)