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Globale Zusammenarbeit

Textilarbeiter warten auf Entschädigungen

Nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka warten Überlebende und Angehörige der Toten auf Entschädigungen. Im September soll verhandelt werden - die meisten Firmen blocken ab.

Vier Millionen Menschen arbeiten in Bangladesch in der Textilindustrie. Als Motor der Wirtschaft soll die Textilindustrie das Land in die Zukunft führen. Auch Salma hatte sich ein besseres Leben durch ihre Arbeit in einer Textilfabrik in Dhaka erhofft.

Salma ließ ihre neun Monate alte Tochter bei den Eltern im Dorf zurück, um in der Hauptstadt zu arbeiten. In einem Video, das von der niederländischen KirchenorganisationICCO Cooperation beauftragt wurde, erzählt sie von ihrer verzweifelten Situation nach dem Einsturz des Rana Plaza-Gebäudes am 24. April 2013. Ihre Fabrik befand sich auch im Gebäude. Salmas Wirbelsäule wurde beim Einsturz verletzt. Seit der Katastrophe liegt sie gelähmt im Bett. Wie es weiter gehen soll, weiß sie nicht.

Rechte statt Almosen

Als die illegal errichtete Fabrik im Rana Plaza im April zusammenstürzte, starben 1134 Menschen, wie viele Verletzte es gab, ist ungewiss. Der Generalsekretär der Gewerkschaft IndustriALL Global Union, Jyrki Raina, schätzt ihre Zahl auf etwa 2500. Für sie und für die Angehörigen der Todesopfer fordert er verbindliche und umfassende Schadensersatzzahlungen, die auf den Normen der Internationalen Arbeits-Organistion ILO basieren: "Wir kalkulieren 25 Jahre Verdienstausfall für die Opfer", sagt Raina in einem Gespräch mit der Deutschen Welle.

Generalsekretär Jyrki Raina von der internationalen Gewerkschaft IndustryALL Global Union, Aufname und Copyright: IndustryALL Global Union, freigegeben für Deutsche Welle. Zulieferer: Helle-Mejdahl Jeppesen

Jyrki Raina fordert faire und verbindliche Schadensersatzleistungen für die Opfer

Die Gewerkschaft, die weltweit mehr als 50 Millionen Menschen in 140 Ländern repräsentiert, hat zu einem Treffen mit den Hersteller-Firmen eingeladen, die in Rana Plaza produzieren ließen, um über Entschädigungen für die Opfer zu sprechen. Die Initiative wird von der internationalen Nichtregierungsorganisation Clean Clothes Campaign unterstützt.

IndustryAll fordert eine Beteiligung der Auftraggeber von 45 Prozent an den Schadensersatzzahlungen. 55 Prozent sollen von den Fabrikbesitzern und vom Staat Bangladesch geleistet werden. Insgesamt werden nach den Berechnungen von IndustryAll Global Union über 54 Millionen Euro benötigt, um faire und verbindliche Entschädigungen für die Opfer von Rana Plaza zu zahlen.

Wenig Entgegenkommen vieler Hersteller

Die Liste der Hersteller ist auf der Homepage der Clean Clothes Campaign veröffentlicht. Internationale Marken wie Benetton, Mango, Walmart, The Walt Disney Company und Primark zählen ebenso dazu, wie die deutschen Firmen Karl Rieker, Adler Modemärkte und die Discountkette KiK.

Frauke Banse, Aktionskoordinatorin der Kampagne für Saubere Kleidung.

Der Preis für ein Kleidungsstück sagt nichts über Fairness aus, so Frauke Banse von der Kampagne für Saubere Kleidung

"Viele Firmen versuchen, sich aus der Affäre zu ziehen, indem sie darauf verweisen, dass sie nur indirekte Lieferbeziehungen hatten", erzählt Frauke Banse vom deutschen Netzwerk der Kampagne für Saubere Kleidung, Clean Clothes Campaign. Überhaupt sei es schwierig zu ermitteln, wer genau in einer Fabrik produziert habe. Oft geben nur Labels, die in den Trümmern gefunden wurden, einen Hinweis auf die Auftraggeber.

"Primark ist die einzige Firma, die bereits zugesagt hat, Entschädigungen zu bezahlen. Andere haben zumindest zugesagt, zu dem Treffen zu kommen, dazu gehört zum Beispiel die Firma Karl Rieker."

Der spanische Modekonzern Mango habe die Teilnahme an den Gesprächen abgelehnt, erzählt Frauke Banse. Ebenso der Walmart-Konzern, ergänzt Gewerkschaftler Jyrki Raina. Die Begründung des US-Konzerns sei, so Raina, dass der Auftrag unauthorisiert von einem Walmart-Lieferanten an eine Fabrik in Rana Plaza weiter vergeben wurde.

"Meine Antwort war, dass ich durchaus verstehe, wenn Walmart den Lieferanten bestrafen wollte, weil er die Regeln nicht eingehalten hat. Doch die Arbeiter können dafür nichts. Sie sind gestorben oder verletzt worden, als sie für Walmart produziert haben. Produkte, die Walmart gewinnbringend verkauft hat", betont Raina.

Warten auf Hilfe

epa03490212 Bangladeshi social organisation, Magic Movement, organize a gathering of symbolic dead bodies as a protest against the deaths of the garments workers in the Ashulia fire in front of the Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association (BGMEA) office in Dhaka, Bangladesh 29 November 2012. Reports state that more than 100 people were killed after a devastating fire took place at Tazreen Fashions Limited garments factory at Nischintapur, in Savar on the outskirts of Dhaka, Bangladesh, late on 24 November 2012. EPA/ABIR ABDULLAH +++(c) dpa - Bildfunk+++

Proteste der Textilarbeiter nach dem Brand bei Tazreen Fashion

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel einer anderen Katastrophe in Bangladesch. Im November 2012 kamen 112 Menschen bei einem Brand bei Tazreen Fashion in der Nähe von Dhaka ums Leben. Die Modefirma C&A, die ihren Sitz in Düsseldorf hat, gehörte zu den Auftraggebern.

"Mitarbeiter der Fabrik Tazreen Fashion, die bei dem Brand Verletzungen davongetragen haben und aufgrund ihrer Verletzungen noch immer arbeitsunfähig sind, erhalten monatliche Finanzhilfen, um den Verdienstausfall auszugleichen. Darüber hinaus werden sie von verschiedenen medizinischen Teams betreut, und es wurde eine Einschätzung ihres weiteren Behandlungsbedarfs vorgenommen. Sämtliche in diesem Zusammenhang anfallende Kosten – Verdienstausfall und laufende ärztliche Behandlung – werden von der C&A Foundation übernommen", schreibt die Firma in einer Stellungnahme.

C&A werde sich, so die schriftliche Antwort der Firma auf eine Anfrage der Deutschen Welle, auch an den Gesprächen am 11. und 12. September 2013 in Genf mit den Gewerkschaften beteiligen, um Schadensersatzansprüche nach dem Brand bei Tazreen Fashion abschließend zu regeln.

In der Zwischenzeit sind die Opfer auf Almosen und Gelder aus Hilfsfonds angewiesen. Es habe Soforthilfe verschiedener Organisationen gegeben, auch von der Gewerkschaft, erzählt Raina. Die meisten Modefirmen hätten jedoch bisher wenig getan.

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