Texanisches Mädchen, Blueskönigin und Hippie-Ikone: Janis Joplin wäre am 19. Januar 75 geworden | Musik | DW | 18.01.2018
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Musik

Texanisches Mädchen, Blueskönigin und Hippie-Ikone: Janis Joplin wäre am 19. Januar 75 geworden

Port Arthur, eine Kleinstadt in Texas, spießig und kleinbürgerlich. Eine wohlbehütete Kindheit für Janis Lyn Joplin. Mit 18 wanderte die Sängerin aus, innerlich und äußerlich, verließ ihre Heimatstadt jedoch nie ganz.

25. Juni 1970: Ein lila Kleid mit pinkfarbener Federboa, unzählige Hals- und Armbänder: Janis Joplin unterhält sich mit dem Fernsehmoderator Dick Cavett. Ob sie ihre Heimatstadt mal besucht? Tatsächlich wird sie demnächst dorthin fahren, kommt die Antwort, anlässlich des zehnjährigen Klassentreffens. Ob sie ihren alten Klassenkameraden viel zu sagen habe, will Cavett von ihr wissen. Joplin: "Sie haben mich so sehr ausgelacht, dass ich die Klasse, die Stadt und den Bundesstaat verlassen musste." Dann setzt sie nur einen Hauch von Texas-Slang auf: "Deshalb fahre ich wieder heim. Ich werde viel lachen."

Ein Moment des Triumphes und des Schmerzes im Leben des Megastars. Nach dem Cavett-Interview bleiben ihr keine vier Monate noch zum Leben.

Das Klassentreffen an der Thomas Jefferson High School im texanischen Port Arthur wird gefilmt. Sie taucht dort in bunten Hippie-Klamotten auf, wirkt aber ungelenk, als ob sie spürt, dass sie dort nicht besonders willkommen ist. Sie wirkt in der Tat wie ein bunter Fremdkörper inmitten der geschniegelten ehemaligen Schulkameraden. Jemand interviewt sie und fragt, wer sie damals zum Schulabschlussball eingeladen habe. "Niemand", antwortet Janis, und man sieht es ihr an: Das sitzt immer noch tief.

Konventionen sind ihr egal

Janis Lyn Joplin, am 19. Januar 1943 in der Ölraffineriestadt Port Arthur geboren, konnte lesen, bevor sie zur Schule ging. Als 14-jähriges pummeliges und pickeliges Mädchen wurde sie gehänselt. Sie interessierte sich für Kunst und Literatur, schrieb Gedichte. "Ich fing an zu singen, als ich ungefähr 17 war, und für mich kam das, gelinde gesagt, als große Überraschung", sagte sie später - denn sie habe ihre laute Stimme eigentlich nur durch Zufall entdeckt.

Die innere Emigration im spießigen Milieu prägte irgendwann auch ihr Erscheinungsbild: Janis färbte ihr Haar orange, trug Männerkleidung oder zottelige Gewänder. Das von einem Minderwertigkeitskomplex geplagte Mädchen zog die Aufmerksamkeit auf sich. Eltern warnten ihre Kinder, nicht mit ihr zu verkehren, sie sei ein schlechter Einfluss. 

Janis schaffte die Highschool und machte eine Ausbildung als Sekretärin. Später studierte sie Kunst an der University of Texas in Austin und wurde dort wegen ihres provokanten Erscheinungsbilds zum "hässlichsten Mann in der Uni" von einer Satirezeitschrift der Verbindungsjungen erklärt.

Newsweek 1969 Cover (Newsweek)

Der Newsweek-Cover von 1969

Gegenkultur in San Francisco

Mit 18 Jahren kam sie nach San Francisco, das kulturell Lichtjahre von Port Arthur, Texas, entfernt war - und wurde zur Ikone der Hippie-Bewegung. Ihre Ankunft in der Musikszene war wie ein Erdbeben. Das unscheinbare Mädchen von damals landete auf dem Cover von "Newsweek". Unter dem Titel "Rebirth of the Blues" schrieb der Kritiker: "Beim ersten und inzwischen historischen Monterey International Pop Music Festival 1967 sprengte ein Nitroglyzerinsprengstoff namens Janis Joplin die Welt des Rock weit auf. Durch den Gesang mit der gequälten Leidenschaft, der zu ihrem Wahrzeichen geworden ist, ist sie der erste weibliche Superstar des Rock geworden."

Film JANIS: LITTLE GIRL BLUE (Fantality Corporation)

Der Film "Janis: Little Girl Blue" kam 2016 in die Kinos

Ganze fünf Jahre dauerte die Blitzkarriere. Das Ergebnis war: 15,5 Millionen allein in den USA verkaufte Alben, internationale Anerkennung - und ein selbstzerstörerischer Lebensstil. Später wurde bekannt, wie viele Briefe sie an ihre Eltern geschrieben hatte, wie sehr sie auch von ihnen die Anerkennung suchte. Die texanische Heimat konnte sie nie ganz abstreifen. Ein Journalist der "New York Times" schrieb, "Sie ließ keine Gelegenheit aus, ihre bürgerliche Heimatstadt als Hochburg der kleinstädtischen Intoleranz abzuschreiben." Wegen des Images der Sängerin, die auf der Bühne Whisky trank, erteilte ihr die texanische Großstadt Houston ein Auftrittsverbot. Und auch in ihrer Geburtststadt ließ man es sie spüren, dass sie hier nicht willkommen war. Für ihre Eltern war es entsetzlich, sie saufend und Obzönitäten schreiend auf der Bühne zu sehen. Trotzdem stand die Familie bis zum Schluss zu ihr. 

 

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