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Kultur

Teures Wahrzeichen

Ein Wahrzeichen in der Welt wollte sich Hamburg mit der neuen Elbphilharmonie schaffen. Doch die Kosten für den Bau explodieren, und das Prestigeprojekt droht, zu einem Alptraum für die Stadt zu werden.

Ansicht der geplanten Elbphilharmonie in Hamburg

Teurer Hingucker - Ansicht der geplanten Elbphilharmonie

Seit 2005 wirbt die Stiftung Elbphilharmonie für Spenden, die den Bau auf einer Landspitze im Hamburger Hafen mitfinanzieren sollen. Mit ihrer geschwungenen Glasfassade auf dem Backsteinsockel des alten Kaispeichers wird die von den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron entworfene Elbphilharmonie weit in den Hafen zu sehen sein – wenn sie denn jemals fertig gestellt wird.

Die ursprünglich veranschlagten 186 Millionen Euro waren wohl das, was man einen „politischen Preis“ nennt: Eine niedrige Kalkulation, mit der ein Projekt erst einmal durchgewinkt wird. 241 Millionen Euro betrug dann der so genannte „Festpreis“, der mit dem Bauunternehmen Hochtief ausgehandelt wurde.

Nichts ist mehr sicher

BdT Elbphilharmonie in Hamburg

Computergrafik der Elbphilharmonie nach Entwürfen der Architekten Herzog & de Meuron

Die erste Hiobsbotschaft kam im Sommer dieses Jahres: 2010 sollte die Elbphilharmonie feierlich eröffnet werden, doch mittlerweile war klar, dass die Bauarbeiten mindestens ein Jahr länger dauern würden. „Die Sicherheit, den ursprünglich vorgesehenen Eröffnungstermin September 2010 zu erreichen, ist uns in den letzten Wochen verloren gegangen“, musste Hamburgs parteilose Kultursenatorin Karin von Welck im Juni einräumen. Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant der Elbphilharmonie, gab sich damals für die Planung der ersten Spielzeit noch optimistisch: „Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Wir haben endlich Planungssicherheit und zwar rechtzeitig, zu einem Zeitpunkt, wo das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen ist.“

Von Planungssicherheit kann inzwischen keine Rede mehr sein, musikalische Highlights können für eine Spielzeit 2011/2012 nicht geplant werden. Es hat sich gezeigt, dass sich bei einem so einmaligen Bauprojekt nichts mit Sicherheit vorhersagen lässt. Ein Topf von zehn Millionen Euro für unvorhergesehene Baumaßnahmen war darum eingeplant – aus heutiger Sicht lächerlich wenig. Im September tauchten Gerüchte auf, dass die Baukosten noch einmal um mindestens 100 Millionen Euro steigen werden.

Oper von Sydney kein Trost

Dass die Gesamtkosten die 300-Millionen-Grenze weit übersteigen werden, bezweifelt inzwischen niemand mehr. Wer das Geld aufbringen wird, ist völlig unklar, die Stadt und die Baufirma Hochtief streiten noch. Innerhalb Hamburgs steht natürlich die politische Glaubwürdigkeit der Regierung auf dem Spiel. Angesichts großer sozialer Not in vielen Teilen der Stadt mag sich niemand mehr mit dem Hinweis auf die Oper von Sydney trösten lassen, deren Fertigstellung sich um acht Jahre verzögert und ein Vielfaches der ursprünglichen Summe gekostet hat. Bürgermeister Ole von Beust musste sich schon für die 241 Millionen Euro immer wieder rechtfertigen, hatte jedoch stets auf die Erstklassigkeit und die Anziehungskraft des Baus verwiesen, der viele Menschen in die Stadt locken werde.

Saal der geplanten Elbphilharmonie in Hamburg

Architektur und Klangerlebnis sollen viele Menschen nach Hamburg locken - Entwurf des Saals der Elbphilharmonie

Jetzt schon ein Wahrzeichen

Inzwischen ist auch von Beust etwas zurückhaltender geworden. Mit dem Rausschmiss von Hartmut Wegener, Chef der Elbphilharmonie-Baugesellschaft, hat von Beust erste personelle Konsequenzen gezogen. Ein Wahrzeichen hat sich Hamburg mit der Elbphilharmonie längst geschaffen – würde es am Ende als Bauruine weltweite Berühmtheit erlangen, wäre das für die Hansestadt mehr als bitter. Hamburg hat also inzwischen keine Wahl mehr – die Elbphilharmonie muss fertig gestellt werden, koste sie, was sie wolle.