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Sport

Teures Geld für schwarze Tickets

Die Fifa hat sich große Mühe damit gemacht, dass niemand Nepp mit WM-Tickets treibt. Trotzdem stehen immer mehr Schwarzhändler vor den Stadien. Sogar ein Fifa-Funktionär wurde beim illegalen Kartenverkauf ertappt.

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Beliebte Schwarzmarktartikel: WM-Karten

Viele Fußball-Fans versuchen es auf die letzte Minute und wollen noch am Stadion WM-Karten ergattern - so wie vor dem Spiel Australien gegen Brasilien in München am Sonntag (18.6.2006). "Suche Karte", "Tickets needed", "Quero entradas": Die vielen Pappschilder sehen aus, als wären sie in verzweifelter Hast bekritzelt worden, die letzte Hoffnung des Fußball-Liebhabers auf den WM-Besuch.

200 Euro sind noch günstig

WM 2006 - Gesellschaft Tickets gesucht Suche Tickets Kartenverkauf Eintritskarten

'Tickets wanted': Letzte Hoffnung Schwarzmarkt

Um zu weltmeisterlichen Spielen ins Stadion zu kommen, zahlen die Suchenden allerdings mächtig drauf. Im Vorverkauf kosteten die Karten 45 bis 100 Euro. Schwarzmarkthändler verlangen oft 200 bis 500 Euro, für manche Spiele wie die Partie England-Paraguay in Frankfurt sogar 1450 Euro. Bei Tickets für das WM-Endspiel am 9. Juli in Berlin soll der Schwarzmarktpreis stolze 5900 Euro betragen. Je näher der Anpfiff rückt, desto stärker fallen aber die Preise. In Leipzig fanden sich vor dem Spiel Serbien-Montenegro gegen die Niederlande insbesondere Händler vom Balkan ein. Vier Stunden vor dem Spiel sollten die Karten bis zu 900 Euro kosten, zwei Stunden davor noch 250 Euro.

Der Schwarzmarkt ist längst ein professionell organisiertes Geschäft geworden. Fahrräder und Handys gehören zur Ausrüstung der Händler, die - derart vernetzt - das Terrain ums Stadion weiträumig kontrollieren. Die Polizei und der Fußball-Weltverband Fifa haben angekündigt, den Handel mit Eintrittskarten zu überprüfen.

Nicht verboten, aber riskant

Ticket Bestellformular: Fußball WM 2006

Beim Internet-Verkauf der Fifa hatten viele Fans Pech

Rein rechtlich ist der Weiterverkauf von Tickets nicht verboten. Trotzdem: "Wir können nur davor warnen, auf dem Schwarzmarkt Tickets zu kaufen", betont Stephan Eiermann, ein Sprecher des deutschen Fifa-Organisationskomitees (OK). Durch die Personalisierung der Karten "konnten wir den Schwarzhandel zwar schon ganz gut eindämmen". Aber es sei eben nicht möglich, jeden einzelnen zu kontrollieren. Und das hat sich bei den Händlern offenbar herumgesprochen. Wer nicht reinkommt, hat dagegen viel Geld in den Sand gesetzt.

Pro Spiel werden 500 bis 1.000 Besucher kontrolliert, ob sie
tatsächlich die ursprünglichen Käufer der Tickets sind. Die
Karteninhaber sind beim OK registriert. Aber auch diejenigen Fans, die bei einer Stichprobe negativ auffallen, weil ihr Name nicht mit dem auf der Karte übereinstimmt, haben noch eine Chance auf Einlass ins Stadion. Sie können sich an so genannten Clearing Points mit ihrem Ausweis und Namen registrieren lassen.

Skandal um Funktionär aus Botswana

Dass man mit den raren Karten viel verdienen kann, wurde sogar in der oberen Fifa-Etage zur Versuchung. Der Funktionär Ismail Bhamjee aus Botswana musste alle WM-Ämter niederlegen und Deutschland zum frühestmöglichen Zeitpunkt verlassen. Denn der 62-Jährige hatte gestanden, zwölf WM-Karten zum dreifach überhöhten Preis verkauft zu haben. Die Tickets der Kategorie 1 für das Spiel England gegen Trinidad und Tobago in Nürnberg hätten im normalen Verkauf 100 Euro gekostet.

Wie Fifa-Präsident Joseph Blatter erklärte, stammten die Karten aus einem Kontingent, zu dem der Präsident des botswanischen Fußballverbands persönlich Zugang hatte. Bhamjee sagte in einer Erklärung: "Ich bedauere dies zutiefst und entschuldige mich bei der Fifa."

Interessenkonflikt in Trinidad und Tobago

Fifa-Exekutivmitglieder erhalten 80.000 Euro Aufwandsentschädigung pro Jahr sowie 400 Euro pro Tag, an dem sie für die Fifa unterwegs sind, an Spesen. Dies reichte Bhamjee offenbar nicht, so dass er für 2400 Euro Gewinn aus dem Karten-Schwarzhandel seine kompletten Zuwendungen von Seiten des Weltverbandes riskierte. Schon vor einigen Monaten war ein anderes Mitglied des Exekutiv-Komitees ins Zwielicht geraten. Fifa-Vize-Präsident Jack Warner aus Trinidad und Tobago kam allerdings mit einer Ermahnung davon. Der Chef der CONCACAF-Konföderation hatte alle WM-Karten seines Verbandes exklusiv über nur ein Reisebüro verkauft, an dem er Anteile hielt. Die Fifa stellte einen Interessenkonflikt fest. Nachdem Warner seine Anteile verkauft hatte, war der Fall zunächst zu den Akten gelegt worden. (reh)

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