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Wirtschaft

Teures Öl gefährdet Aufschwung

Die Krise im Nahen Osten hat den Ölpreis auf mehr als 27 Dollar je Fass getrieben – so hoch wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Steigt der Preis weiter, könnte das der Weltwirtschaft einen herben Dämpfer verpassen.

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Der Preis für das "schwarze Gold" zieht wieder an - zum Missmut seiner Abnehmer.

"Sollte der Ölpreis über 25 Dollar bleiben, dürfte sich das schwächend auf den Konsum auswirken und die Inflationsrate belasten“, sagte die Volkswirtin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen gegenüber DW-WORLD. „Außerdem würde dies den Druck auf die Notenbanken erhöhen, die Zinsen anzuheben, um einer möglichen Inflation vorzubeugen.“

Vertreter der Europäischen Zentralbank äußerten schon die Sorge, dass wegen des teureren Öls die Inflationsrate in der Eurozone in diesem Jahr über der Marke von zwei Prozent stecken bleiben könnte.

Unruhe an den Börsen

Auch an den Börsen machte sich am Dienstag (2.4.) wegen einer möglichen Verschärfung des Nahost-Konflikts und daraus resultierender Ölpreissteigerungen Unruhe breit. „Das bringt schon ein bisschen Aufregung auf den Aktienmarkt“, sagte Marius Hörner, Finanzanalyst beim Düsseldorfer Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz. „Richtig beunruhigend wird es für uns aber erst, wenn der Ölpreis über die Marke von 30 oder sogar 35 Dollar steigt“, so Hörner. Soviel kostete ein Fass Öl während des Golf-Kriegs 1991.

Anfang des Jahres hatten Wirtschaftsexperten noch gehofft, dass niedrige Ölpreise der Konjunktur in Deutschland Schützenhilfe leisten könnten. Dazu wird es nach Meinung von Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, jedoch vermutlich nicht kommen. „Wenn der Öl-Preis über 25 Dollar je Barrel bleibt – und davon sollte man vorerst ausgehen - , wird das in diesem Jahr 0,3 bis 0,4 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts kosten“, sagte Walter gegenüber DW-WORLD.

„Öl-Waffe“

Zusätzlichen Preisauftrieb erhielt der Ölmarkt am Montag durch die Forderung Iraks an die arabischen OPEC-Staaten, Öllieferungen als Waffe einzusetzen. Mit einer Verknappung sollten jene Staaten bestraft werden, die Israel im Kampf gegen die Palästinenser unterstützten. In den 70er Jahren hatte es schon einmal ein solches Embargo gegen westliche Länder gegeben. Der Ölpreis vervierfachte sich damals, und die betroffenen Länder erlitten erhebliche wirtschaftliche Schäden.

"Zweischneidiges Schwert"

So schlimm wird es nach Meinung von Wirtschaftsexperten diesmal nicht kommen. Kuwait lehnte ein Embargo bereits ab. „Wir müssen realistisch sein, wenn wir über die Öl-Waffe sprechen“, sagte ein Delegierter des Landes während einer Tagung der Konferenz Islamischer Staaten (OIC) im malaysischen Kuala Lumpur. „Das ist ein zweischneidiges Schwert, das uns mehr schaden würde als den USA.“

Sehr zweifelhaft ist zudem, ob sich wichtige Ölförderländer wie Russland, Mexiko und Norwegen einem solchen Embargo anschließen würden. Vor allem die Ölgroßmacht Russland widersetzte sich in der Vergangenheit wiederholt den Wünschen der OPEC-Länder, z.B. wenn es um eine Begrenzung der weltweiten Ölförderungen ging. Russland ist nach Saudi-Arabien weltweit der zweitgrößte Öl-Exporteur und Deutschlands wichtigster Öllieferant. (mas)