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Wirtschaft

Teures Öl belastet Wirtschaft

Die Preise für Rohstoffe ziehen wieder an. Der Ölpreis steigt auf Rekordhöhen. Eine Entspannung ist nicht in Sicht, meinen Experten. Vor allem die Sorge um die Straße von Hormus treibt den Preis weiter nach oben.

Nie zuvor haben Autofahrer an deutschen Zapfsäulen mehr bezahlen müssen als im zurückliegenden Februar. Auch die Amerikaner ächzen unter hohen Spritkosten. Die Deutsche Lufthansa hat im vergangenen Jahr mehrmals ihren Treibstoffzuschlag erhöht. Der Grund: Rohöl ist im vergangenen Jahr so teuer gewesen wie noch nie. Und auch in diesem Jahr ist bislang keine Entspannung in Sicht. Im Jahresdurchschnitt 2011 haben deutsche Unternehmen 583 Euro je importierte Tonne gezahlt, deutlich mehr als der bisherige Höchstwert aus dem Jahr 2008 von 506 Euro je Tonne. Das hatte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden Anfang Februar mitgeteilt.

"Im letzten Jahr trieb der Arabische Frühling den Ölpreis gleich zu Jahresanfang kräftig in die Höhe", erklärt Arnoud van der Slot, Partner von Roland Berger Strategy Consultants." Er stieg im Vergleich zu 2010 um rund 20 Prozent. Laut Prognosen der drei Ölexporteure Saudi-Arabien, Russland und Mexiko - deren Vorhersagen in der Vergangenheit sehr treffsicher waren - wird der Ölpreis auch 2012 weiter steigen. Sie rechnen damit, dass der durchschnittliche Preis bei rund 111 Dollar pro Barrel Rohöl liegen wird. Das wären dann rund 15 Prozent mehr als 2011.

Nadelöhr könnte geschlossen werden

Vor allem der Streit um das iranische Atomprogramm belastet seit geraumer Zeit den Ölpreis. Besonders die Drohung des Iran, die Meerenge von Hormus zu blockieren, führte zu einem Preisanstieg. Die Straße von Hormus liegt zwischen Iran und Oman und ist das Nadelöhr, durch das alle Tanker auf dem Weg zu den Erdöl-Terminals von Iran, Irak, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien fahren müssen. Allein im vergangenen Jahr wurde etwa ein Fünftel der weltweit nachgefragten Ölmenge durch diese Meerenge transportiert. Das meiste Öl geht nach Asien, in die USA oder nach Westeuropa. Japan erhält drei Viertel seines Öls über diesen Weg und China etwa die Hälfte.       

Die EU hat gegen den Iran ein Öl-Embargo verhängt, das ab Juli greift. Der Iran reagierte mit der Ankündigung, selber schon früher die Lieferungen einzustellen und hat die Exporte nach Frankreich und Großbritannien gestoppt. "Da Frankreich und Großbritannien so gut wie kein Rohöl aus dem Iran bezogen haben, hat der verkündete Lieferstopp keine nennenswerten Auswirkungen für den Iran selbst", hieß es in einem Kommentar der Commerzbank. Allerdings würde allein der angekündigte Lieferstopp ausreichen, um die Ölpreise weiter steigen zu lassen, "was die eigentliche Absicht des Iran sein dürfte. Denn damit werden alle EU-Länder für ihren Boykottbeschluss 'bestraft'."        

Greift dann im Sommer das Embargo, könnte das iranische Öl zwar durch Lieferungen aus anderen Ländern wie Saudi-Arabien ersetzt werden. Allerdings müsste dieses Öl durch die Wasserstraße von Hormus verschifft werden, die an den Iran grenzt. So ist es vor allem die Nervosität auf den Märkten, die den Ölpreis treibt, urteilt Kirsten Westphal von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Spekulanten treiben Preis

Nicht nur politische Unsicherheiten verstärken den Preisanstieg. Auch die Spekulation auf den Finanzmärkten habe sich messbar verstärkt, meint der Hamburger Experte Steffen Bukold. Die Notenbanken in Europa, den USA und Japan fluten seit Monaten die Finanzmärkte mit billigem Geld, das nach Anlage drängt. Deshalb steigen die Aktienkurse, und auch Rohstoffe sind nach einem vorübergehenden Rückgang der Preise wieder stärker gefragt. Der weltweit wichtigste Rohstoff ist Rohöl. Der genaue Einfluss der Finanzmärkte auf den Preis lässt sich nicht beziffern; sicher ist jedoch, dass sie den Aufwärtstrend verstärken.

Auswirkungen auf Europa

Wenn früher die Wirtschaft in den Industrieländern lahmte, dann war auch die Nachfrage nach Öl geringer, was tendenziell den Preis drückte. Inzwischen verbrauchen die Schwellenländer und China einen Großteil des Öls. Die Nachfrage bleibt somit groß und der hohe Ölpreis belastet die angeschlagene europäische Wirtschaft zusätzlich. Wenn Erdöl auch im weiteren Jahresverlauf bei 120 US-Dollar pro Fass notiert, dann könnte das für die deutsche Volkswirtschaft Mehrkosten in Höhe von fünf Milliarden Euro bedeuten, prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag.

Autor: Insa Wrede
Redaktion: Henrik Böhme

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