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Politik

Teurer Leichtsinn

Die im Iran entführten deutschen Touristen sind frei. Solche Entführungen verursachen für die Bundesregierung Kosten in Millionenhöhe. So taucht die Frage auf: Sollen risikofreudige Reisende die Kosten selber tragen?

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Die Entführten, zwei Deutsche und ein Ire, waren zu unvorsichtig

Nachdem die beiden deutschen Extrem-Radler Oliver Brück und David Storm Anfang Dezember im Südosten des Iran von ihrem Weg Richtung Nepal abkamen, beschäftigten sie einen ganzen Krisenstab im Auswärtigen Amt in Berlin. Die Kommentare hinter vorgehaltener Hand sind nicht schmeichelhaft.

Elf Krisen hatten die Experten der Bundesregierung in diesem Jahr von ihrem bunkerähnlichen Raum aus zu managen, davon sechs Entführungen. Drei davon waren nach Ansicht der Außenamtsexperten höchst unnötig, weil übermütige Touristen ihre Warnungen in den Wind schlugen. Auch die beiden Radtouristen aus Bremen hätten es wissen können. Denn die Provinzen Sistan-Belutschistan und Kerman liegen an einer internationalen Drogenschmuggler-Route. Zudem werden in dem Gebiet Taliban und El-Kaida-Kämpfer vermutet und in den vergangenen Jahren waren dort mehrfach Ausländer entführt worden.

Leichtsinn soll teurer werden

Für die Bundesregierung ist die zunehmende Zahl von gekidnappten Abenteuertouristen ein Ärgernis, das Nerven, Zeit und Geld kostet. Das Konsulargesetz verpflichtet die Bundesregierung zur Hilfe für deutsche Staatsbürger im Ausland. Das dürfe kein Freibrief für Leichtsinnstouren auf Staatskosten sein, fordern Mitglieder des Tourismus-Ausschusses des Bundestages. Sie wollen erreichen, dass die Entführten künftig einen größeren Anteil ihrer Rettungskosten selbst übernehmen.

Bezahlt werden muss in der Regel nur das, was dem Entführungsopfer persönlich zugerechnet werden kann. Nach der glücklich beendeten Geiselnahme der Familie Wallert auf der malaysischen Insel Sipadan im Sommer 2000 wurden den Wallerts neben dem Rückflug auch die Ausgaben für den Transport von Lebensmitteln, Medikamenten und Kleidung in Rechnung gestellt. Durch Medien-Honorare dürfte die Familie die Kosten von über 6.500 Euro allerdings bequem ausgeglichen haben.

Nur Warnung, kein Verbot

Die 15 Deutschen, die im Frühjahr und Sommer nach einer Entführung durch Islamisten aus Algerien freikamen, hatten im Schnitt 2.000 Euro zu bezahlen. Die Arbeit des gesamten Krisenstabes, einschließlich kostspieliger Auslandsreisen, Aufklärungsflügen der Bundeswehr über der Sahara und Lösegeld hatte nach Expertenschätzungen 20 Millionen Euro gekostet. Politiker suchen deshalb nach Wegen, um Extremtouristen von ihren riskanten Unternehmungen abzuschrecken.

Im Gespräch ist eine Bürgschaft, die von den Reisenden vor Abreise zu hinterlegen wäre, möglicherweise auch in Form einer Versicherung. Verbieten kann die Regierung derart waghalsige Touren nicht. Das schärfste zur Verfügung stehende Mittel ist die ausdrückliche Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, die derzeit für acht Länder gilt, darunter Haiti, Afghanistan und Irak, nicht aber Iran.

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