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Wirtschaft

Teure Tropfen - Wein als Geldanlage

Seit Menschengedenken gilt Wein als Geschenk der Götter: zum Genuss bestimmt. Für seltene Spitzenweine zahlen Liebhaber hohe Summen. Doch ein neuartiger Typus Anleger will mehr.

Bei ihrer Jagd nach Anlagemöglichkeiten lassen kreative Investoren nichts unversucht. Inzwischen interessieren sie sich zunehmend für Wein und hoffen auf hohe Renditen. Auch wenn der Weg bisher steinig war, sehen sie in edlen Weinen die Zukunft für Anleger.

Große Weinvorräte haben sich Könige und auch gewöhnliche Vermögende im Lauf der Jahrhunderte immer wieder angelegt. In Fässern gelagert, war dieser Wein für den privaten Genuss bestimmt, nur selten als Wertanlage. Und doch erzählen viele Geschichten aus dem 18. und 19. Jahrhundert von Spekulationen mit Wein; Händler machten ein Vermögen und verloren es auch wieder.

In den 1980er-Jahren wurde der Weinhandel internationaler, später ließ ihn dann das Internet wirklich global werden. Der Wandel ermöglichte nun mehr Sammlern den Aufbau von Beständen, die Potentaten vergangener Zeiten neidisch machen könnten. Doch für die Investoren neuen Typs ist Wein nicht nur ein Statussymbol, sondern auch ein Wirtschaftsgut.

Weinflaschen Funchal Madeira-Wein (picture alliance/Arco Images)

Flaschen und Korken kamen erst im 18. Jahrhundert auf. 1979 einigte man sich dann auf 0,75 Liter als Standardgröße

Zum Anschauen, nicht zum Trinken

In Wein kann auf viele Arten investiert werden und zu verschiedenen Zeitpunkten während und nach der Herstellung. Um den Wachstumsmarkt hat sich eine kleine Industrie aus Maklern, Auktionatoren und Spezialisten gebildet.

Wer sich mit Wein nicht so gut auskennt, kann in eigens aufgelegte Wein-Anlagefonds investieren. Für Spekulanten mit Hang zum Risiko gibt es sogar Optionsscheine, "en primeur" genannt. Sie werden gekauft während der Wein noch in den Fässern reift - in der Hoffnung, ein paar Jahre später gute Gewinne zu machen.

Bei Wein-Auktionen sind die Umsätze derzeit stabil, allerdings gab es immer wieder große Schwankungen. Im Jahr 2000 wurde weltweit Wein für 92 Millionen US-Dollar versteigert, 2016 waren es 338 Millionen Dollar. Ein gewaltiger Zuwachs - und doch ein Rückgang im Vergleich zum Rekordjahr 2011, als Wein für 478 Millionen Dollar unter den Hammer kam.

Schweiz Wein als Investment Cheval Blanc (Getty Images/AFP/F. Coffrini)

100.000 Dollar für eine Flasche sind keine Seltenheit - Investoren, die selbst keinen Wein trinken, schon

Geld wächst nicht an Reben

Besonders begehrt sind Weine aus den französischen Anbaugebieten Bordeaux und Burgund. Geografie und Gesetze sorgen für ein begrenztes Angebot an Edeltropfen aus diesen Regionen. Trotzdem sollten sich Anleger, die auf Nummer sicher gehen wollen, nach Alternativen umschauen.

Eine Firma hat besonders dazu beigetragen, dass sich der Handel mit erlesenen Weinen verändert hat. Liv-ex aus London widmet sich ausschließlich dem Wein und ist gleichzeitig Handelsplattform, Logistik-Dienstleister und Anbieter von Marktdaten. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2000 von zwei Aktienhändlern.

Liv-ex erstellt Wein-Indizes, die Orientierung über Spitzenweine bieten und von Investoren aufmerksam verfolgt werden. Dazu gehört der "Fine Wine 100" Index, der in der Branche als Maßstab gilt und besonders handelbare Spitzenweine umfasst. Um 24 Prozent hat dieser Bordeaux-lastige Index im vergangenen Jahr zugelegt.

Laut James Miles, Mitgründer und Geschäftsführer von Liv-ex, sind die Händler, die Dienste und Standardkontrakte seiner Firma nutzen, für mehr als 90 Prozent der weltweiten Umsätze verantwortlich. Er will den Weinhandel "transparenter, effizienter und sicherer" machen, sagt Miles, denn in der Vergangenheit habe der Markt vor allem darunter gelitten, dass er so undurchsichtig war.

Vor Betrügern wird gewarnt

Die Welt des Weins ist voller Geheimnisse und Fachjargon. Es ist gerade das Unbekannte und Unerklärliche, das Weinliebhaber so fasziniert - und auch immer wieder für Probleme sorgt.

Namen wie Château Lafite Rothschild, Lafleur, Mouton Rothschild und Haut Brion haben für Trophäenjäger einen unwiderstehlichen Klang. Entsprechend zahlreich sind die Fälschungen, die in den vergangenen Jahren für Aufsehen gesorgt haben. Leere Flaschen wurden mit minderwertigem Wein aufgefüllt, Etiketten verändert oder neue Flaschen auf alt getrimmt.

Alte Weine sind für Betrüger besonders verlockend, denn kaum jemand weiß, wie die seltenen Tropfen eigentlich schmecken müssten. Und selbst die besten Kenner und Kritiker machen mal Fehler.

Hinzu kommt, dass es keine Tests gibt, um den Inhalt einer Flasche zweifelsfrei zu bestimmen. Kork-Experten können zu Rate gezogen werden. Aber selbst die Altersbestimmung mittels radioaktiven Kohlenstoff-Isotopen oder Caesium-137 kann nur Näherungswerte liefern.

Deutschland Wein als Geldanlage (picture-alliance/dpa/A. Arnold)

Die meisten Investoren sind auch Sammler, bei ihnen mischt sich die Leidenschaft für Wein mit der Hoffnung auf Gewinne

Flüssig werden

Das Angebot guter französischer Weine ist begrenzt. Und weltweit eignen sich nur rund ein Prozent aller Weine überhaupt als Geldanlage. Um unter diesen Bedingungen wirklich Geld zu verdienen, muss man schon sehr viel ein- und verkaufen. Das aber ist fast unmöglich. Einige der angesehensten Erzeuger produzieren nur wenige hundert oder tausend Kisten pro Jahr und beschränken zudem die Menge, die eine einzelne Person kaufen darf.

Ein weiteres Problem beim Weinhandel ist der quälend langsame Verkauf. Ironischerweise können Anleger, die schnell flüssig werden müssen, ihre teuren Tropfen oft nur unter Schwierigkeiten zu Geld machen.

Wollen sie einen möglichst hohen Preis erzielen, müssen Verkäufer bis zur nächsten Auktion warten und dort zudem Gebühren zahlen. Schneller, aber auch weniger einträglich, ist der Verkauf über einen Makler.

Zu den Transaktionskosten kommen noch hohe Nebenkosten. Wein ist schwer zu transportieren und braucht Platz, er kann leicht gestohlen werden und verdirbt schnell, wenn er nicht ordentlich gelagert wird.

Lohnt es sich überhaupt, dieses Geschäft im großen Stil zu betreiben? James Miles von Liv-ex zumindest ist davon überzeugt: "In den vergangenen Jahren hat sich der Markt stark erweitert - vom klassischen Bordeaux zu vielen neuen Produkten. Investoren nehmen inzwischen auch italienische Weine ernst, sie achten auf Champagner, auf amerikanische und australische Weine. In diesem Jahr haben wir schon Weine aus England und China gehandelt. Das Interesse wächst weiter."

Vorerst bleiben Investitionen in edle Weine wohl eher ein Hobby für Reiche, ähnlich wie Oldtimer und Uhren. Nur mehr Transparenz und klare Standards könnten aus dem Geschenk der Götter eines Tages auch eine Geldanlage für die breite Masse zu machen.

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