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Wirtschaft

Teure, heiß begehrte Bohne

Ob Cappuccino oder Latte macchiato - die Deutschen lieben diese Getränke, denn da ist Kaffee drin! Und der ist nicht nur einer der wichtigsten Importrohstoffe des Landes, sondern auch das Lieblingsgetränk.

Kaffeebohnen (Foto: DW)

Im Durchschnitt trinkt jeder Deutsche etwa vier Tassen Kaffee pro Tag - das sind ungefähr 150 Liter im Jahr. Und wie der deutsche Kaffeeverband in Hamburg weiter mitteilt, ist Deutschland mit einem jährlichen Rohkaffee-Verbrauch von über 500.000 Tonnen der drittgrößte Kaffeemarkt weltweit. Für die Deutschen ist das duftende Gebräu eben ein Volksgetränk. Und das ist fast überall zu haben: in Cafés oder Coffee-Shops, beim Bäcker, in Dönerläden und sogar an Tankstellen.

Doch die Preise für die heiße Schale, vorwiegend aus den Sorten Arabica- und Robusta-Bohnen, haben gerade im letzten Jahr kräftig zugelegt. Das hat, wie Rohstoffexperte Leon Leschus vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) sagt, mehrere Gründe. Zum einen habe sich das Angebot in den wichtigen Anbauländern verknappt: "Besonders in Kolumbien ist im dritten Jahr hintereinander die Ernte schlechter ausgefallen als erwartet. Auf der anderen Seite ist aber die Kaffeenachfrage angestiegen - vor allem in den Schwellen- und Kaffeeproduzentenländern."

Dürre, Überflutungen - und Börsenspekulanten

Leon Leschus (Foto: HWWI/Sabine Vielmo)

Rohstoffexperte Leschus: Nachfrage gestiegen

Von Januar 2010 bis Januar 2011, sagt Leon Leschus, sei der Preis für Rohkaffee um 66 Prozent gestiegen Doch nicht nur wegen Dürre oder Überflutungen und auch nicht nur wegen der gestiegenen Nachfrage muss für die Bohne derzeit so viel bezahlt werden wie seit 14 Jahren nicht mehr. An dieser enormen Preissteigerung hätten auch die Spekulanten an der Börse ihren Anteil: "Die Notenbanken haben die Finanzmärkte mit viel Liquidität versorgt. Das hat dazu geführt, dass die Anleger in Rohstoffe investiert haben, um ihr Portfolio zu diversifizieren und auch, um sich gegen Inflation abzusichern."

Brasilien bleibe nach wie vor das führende Ursprungsland der deutschen Rohkaffeeimporte, sagt Leschus. 37 Prozent decke das Land auf dem internationalen Kaffeemarkt ab. Eine wichtige Rolle spiele aber auch Kolumbien: "Weil aus Kolumbien besonders hochwertiger Arabica-Kaffee kommt. Auch Vietnam ist wichtig, von dort kommt der Robusta-Kaffee, der besonders für den Instant-Kaffee verwendet wird."

Kaffeekirschen und Monsunregen

Brahim Ben Hicham vor einer Röstmaschine (Foto: DW)

Brahim Ben Hicham röstet Raritäten

Dass die Rohstoffpreise in die Höhe geschnellt sind, das hat auch Brahim Ben Hicham zu spüren bekommen. Der gebürtige Marokkaner betreibt in Euskirchen bei Bonn eine kleine Rösterei mit Café. Neun Sorten Kaffee bietet Ben Hicham an, aus verschiedenen Ländern rund um den Äquator. Darunter den "Indian Monsooned Malabar". Eine Rarität. Diese Kaffeekirschen werden in Säcke verpackt, einige Zeit gelagert und dem Monsunregen ausgesetzt. Das gebe dieser gelben Bohne einen eigenen Charakter, sagt Ben Hicham: "Schließlich handelt es sich hier um einen Gourmetkaffee, um eine besondere Bohne."

Ben Hicham bezieht seine Ware von Importeuren, die wiederum den Kaffee von ausgesuchten, kleineren Plantagen bekommen. Auch seine Einkaufspreise sind zwischen 60 und 70 Prozent in die Höhe geklettert. Diese Kosten muss er an seine Kunden weiter geben, die allerdings für die Spezialitäten ohnehin schon mehr bezahlen. So kostet beim Discounter ein Kilo Kaffee acht Euro, während dieselbe Menge in Ben Hichams Rösterei rund 20 Euro kostet. Aber da wird die Kaffeebohne auch nicht bei 500 bis 700 Grad in zwei, drei Minuten schockgeröstet und mit Wasser abgespritzt, um Gewichtsverluste zu vermeiden.

Weniger Bitterstoffe durch schonende Röstung

Eine Handvoll Kaffee aus der Kaffeerösterei (Foto: DW)

Weniger Säure - besser verträglich

Bei Ben Hicham werden die Bohnen 17 bis 18 Minuten bei maximal 190 Grad geröstet. In dieser Zeit werden die Bitter- und Gerbstoffe langsam abgebaut, erklärt er. Das habe den Effekt, dass die Säure verträglicher werde: "Das, was wir schmecken, das ist ja eigentlich die Säure. Und wenn Bitter- und Gerbstoffe voll erhalten bleiben, dann hat häufig der Magen damit Probleme. Der Kaffee kann bitter sein und natürlich kommt der Geschmack zu kurz."

Der früher einmal übliche Filterkaffee ist in Deutschland so gut wie out. Sortenvielfalt heißt das Zauberwort, mit dem sich weiterhin Geld verdienen lässt. Denn die Schar der ohnehin schon zahlreichen Kaffeeliebhaber wächst.

Autorin: Monika Lohmüller

Redaktion: Henrik Böhme

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