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Aktuell Deutschland

Teure Haftpflicht: Hebammen schlagen Alarm

In Deutschland werden wieder mehr Kinder geboren, doch die Geburtshelferinnen geraten in Existenznöte. Wie passt das zusammen?

Die Zukunft ist unsicher: "Immer mehr Hebammen steigen aus dem Beruf aus", warnt Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes (DHV). Das habe mittlerweile Folgen bei der Betreuung von Geburten, der Schwangerenvorsorge und der Wochenbettbetreuung. So findet nicht mehr jede Frau eine Hebamme und selbst Kliniken mussten immer wieder ihre Kreißsäle schließen, weil sie keine sogenannten Beleghebammen finden konnten. Der Grund: Die Hebammen können ihre Haftpflichtversicherung nicht mehr bezahlen.

Die Haftpflichtprämien für freiberufliche Hebammen, die Geburtshilfe leisten, steigen zum 1. Juli auf 6.843 Euro im Jahr. Trotz eines Ausgleichs, den die Krankenkassen auf Antrag hinzuzahlen, müssen sie rund 2.000 Euro selbst tragen und die Prämie im Voraus entrichten. Obwohl Hebammen gut ausgebildete Fachkräfte sind, verdienen sie

im Durchschnitt kaum mehr als 8,50 Euro

die Stunde, also den gesetzlichen Mindestlohn. Da sind 2.000 Euro sehr viel Geld.

Die Kosten steigen für alle

Die Angst vor einer ungewissen Zukunft, die hohen Kosten und der geringe Verdienst ließen viele Hebammen an ihrem Beruf zweifeln, klagt der DHV. Die Krankenkassen verweisen dagegen auf die mit den Hebammen vereinbarten Ausgleichszahlungen. "Steigen die Prämien beispielsweise um neun Prozent, erhöhen sich auch die Zahlungen der gesetzlichen Krankenkassen um neun Prozent", betont der Verband der gesetzlichen Krankenkassen GKV. Der Hebammenverband hält dies jedoch für nicht ausreichend. Außerdem erhalte nur ein Teil der betroffenen Hebammen den Zuschlag.

Die Gesundheitsexpertin der grünen Bundestagsfraktion, Elisabeth Scharfenberg, forderte, die "Haftpflicht-Spirale" endlich zu stoppen. Es müsse eine nachhaltige Lösung gefunden werden, "bevor noch mehr Hebammen ihren Beruf aufgeben".

Die Prämien für ihre Berufshaftpflichtversicherung sorgt bei den Hebammen seit Jahren für Unmut. Die Versicherung greift, wenn das Kind durch einen Fehler bei der Geburt schwer geschädigt wird.

rb/mak (afp, dpa, epd)