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Afrika

"Teufelstrompete" - Vuvuzela droht das Aus

Über Vuvuzelas wird seit Beginn der WM diskutiert. Die südafrikanischen Tröten, die bis zu 120 Dezibel laut sein können, sind für die einen absolute Nervtöter, für die anderen herrliche Stimmungsmacher.

Suedafrikanischer Fan mit Vuvuzela beim deutschen Training

Suedafrikanischer Fan mit Vuvuzela

Sie tanzten mit den Ordnern an der Eckfahne, sanken nach Schlusspfiff überwältigt auf den Rasen und schrien ihre Freude lautstark in den Nachthimmel über Pretoria: Ghanas "Black Stars" haben dem Schwarzen Kontinent mit einem 1:0 gegen schwache Serben den ersten heiß ersehnten "Heim"-Sieg bei der Fußball-WM in Südafrika beschert. Ghana hat damit einen ganzen Kontinent stolz gemacht - und für ein Freudenkonzert tausender Vuvuzelas gesorgt.

Höllenlärm sorgt für Riesenkrach

Ghana-Fans mit Vuvuzela beim Spiel Ghana gegen Serbien (Foto: AP)

Ghana-Fans beim Spiel Ghana gegen Serbien

Doch jetzt hat das Organisationskomitee der Fußball-WM ein Verbot der nervtötenden WM-Tröte nicht mehr ausgeschlossen - obwohl der Weltverband FIFA schon mehrfach betont hatte, dass eine solche Maßnahme nicht in Frage komme. Nach einem Proteststurm gegen den Höllenlärm in den WM-Stadien, sagte Danny Jordaan, Chef des südafrikanischen WM-Organisationskomitees: "Wenn irgendwelche Vuvuzelas aus Wut auf den Platz geworfen werden, werden wir handeln."

Das Tröten der Vuvuzelas ist schon nach dem ersten Wochenende zum Soundtrack der Weltmeisterschaft in Südafrika geworden. Auf den Straßen, in Hotels, einfach überall, wird in die lärmenden Plastiktröten gepustet. Der Sound erreicht weit über 100 Dezibel; Vergleiche mit Presslufthämmern, Kettensägen oder startenden Flugzeugen wurden schon angestellt. Schön laut muss es jedenfalls sein - doch das gefällt vielen TV-Anstalten, Spielern, Trainern und Fans nicht. Für sie wäre es eine wahre Erlösung, wenn die quälend brummende "Teufelstrompete", wie die spanische Tageszeitung "El Pais" sie nennt, verboten würde.

Ohrenbetäubender WM-Soundtrack

Joachim Löw gestikuliert am Rande des Spielfeldes (Foto: ap)

Joachim Löw setzt auf Zeichensprache

Weltfußballer Lionel Messi fühlte sich nach dem letzten Spiel "fast wie taub". Bundestrainer Joachim Löw stellt auf Zeichensprache um, weil kein Spieler mehr die Rufe von der Seitenlinie hört. Und Dänemarks Coach Morten Olsen hat seine ganz eigene Methode entwickelt: "Ich zieh einfach die Stöpsel von meinen beiden Hörapparaten raus", sagte der 60-Jährige, der an einer Gehörkrankheit leidet.

Auch bei deutschen Fernsehsendern wächst das Unbehagen über die Vuvuzelas. Denn die "Teufelstrompete" sorgt nicht nur in den Stadien, sondern selbst im 10.000 Kilometer entfernten Deutschland vor den TV-Geräten für einen Riesenkrach. Die TV-Sender suchen jetzt nach einer Lösung, damit die Zuschauer nicht abschalten. "Diesen Dauerton kriegen wir nicht weg. Solange Vuvuzelas in allen Stadien sind, lässt sich das nicht verhindern", sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz: "Wir setzen jetzt die sogenannten Lippenmikrofone ein, die weniger von den Außengeräuschen einfangen. Sonst sind uns aber die Hände gebunden, denn wir bekommen ein fertiges Signal. Die einzige Möglichkeit ist, die Tröte zu verbieten."

Verbot wäre Diskriminierung?

Viele bunte Vuvuzelas

Vuvuzelas gibt es in Südafrika noch zu kaufen...

DFB-Präsident Theo Zwanziger dagegen empfindet die Tröte "nicht als schlimm oder gar störend". Man müsse sich den afrikanischen Gepflogenheiten anpassen: "Hier gehören die Vuvuzuelas zum Spiel wie in Deutschland die Schlachtgesänge der Fans. Wenn man sich positiv auf diese etwas ungewohnten Geräusche einlässt, kann das sogar ein Spaß sein", sagte Zwanziger.

Der Torhüter der Südafrikaner, Itumeleng Khune, wünscht sich sogar noch lautere Unterstützung: das Tröten von den Rängen sei im Eröffnungsspiel nicht kräftig genug gewesen, er habe sich lautere Untersützung versprochen.

Verkaufsschlager "Ohrstöpsel"

Exotische Ohstöpsel

... Ohrstöpsel hingegen nicht.

Ursprünglich gilt die Vuvuzela als Symbol für den südafrikanischen Fußball. Die Herkunft des Wortes ist aber umstritten: Die Übersetzungsmöglichkeiten reichen von "Krach machen" bis hin zu "in Musik duschen". So harmlos die Übersetzung auch klingen mag, ganz ungefährlich ist die Tröte nicht. Bereits vor der WM haben Krankenkassen vor Gehörschäden durch Vuvuzelas gewarnt. In direkter Nähe könne der Lärm schon nach wenigen Minuten zu irreparablen Schädigungen des Gehörs führen, sagt die Ärztin Gabriele Oberdoerster von der Techniker Krankenkasse.

Im Gastgeber-Land Südafrika finden Ohrstöpsel deshalb reißenden Absatz, inzwischen sollen sie fast ausverkauft sein.

Autorin: Klaudia Pape (ap, dpa, sid)
Redaktion: Thomas Kohlmann