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Kultur

Teuerste Tapete der Welt

Das sagenumwobene Bernsteinzimmer ist wiedereröffnet: Der russische Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzler Gerhard Schröder präsentierten den Nachbau des Zimmers am Samstag (31.5.03) der Weltöffentlichkeit.

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Arbeit beendet: Restauratorin des Bernsteinzimmers

Das legendäre Bernsteinzimmer der Zaren ist nach jahrelangen Arbeiten als Rekonstruktion mit deutscher Hilfe fertig gestellt worden. Am 13.5.03 unterzeichnete der deutsch-russische Beirat im Katharinenpalais in Zarskoje Selo (Zarendorf) das Abschlussdokument des Nachbaus. "Heute ist ein Feiertag für uns alle", sagte Iwan Sautow, der Leiter des Palastmuseums. Der Schlussakt wurde symbolisch mit einem Füllfederhalter aus Bernstein unterzeichnet.

Weltwunder

Das als "achtes Weltwunder" gerühmte Kunstwerk (für etwas weniger kunstbegeisterte Zeitgenossen ist es schlicht die "teuerste Tapete der Welt") war im Zweiten Weltkrieg von deutschen Truppen gestohlen worden und bei Kriegsende verschollen. Die Sowjetunion begann 1979 den Nachbau, der von der deutschen Ruhrgas AG in der Endphase mit drei Millionen Euro unterstützt wurde. Das Projekt war Ende der 1990er Jahre in finanzielle Schwierigkeiten geraten, konnte aber dank der Finanzspritze aus Essen zu Ende gebracht werden.

Bernsteinzimmer in Sankt Petersburg

Der Vater des Originals ist der erste Preußenkönig Friedrich I. Kurz nachdem er sich 1701 in Königsberg eigenhändig gekrönt hatte, gab er den Bau einer Wandvertäfelung aus Bernstein in Auftrag, die zehn Jahre später sein "tabac-collegium" im Berliner Stadtschloss
schmückte.

Soldaten gegen Kunstwerk

Bei seinem Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm I., der später der "Soldatenkönig" genannt wurde, war das Kunstinteresse weitaus weniger ausgeprägt. Er verstaute die Bernsteintafeln zunächst im Zeughaus und verschenkte sie 1716 an den russischen Zaren Peter den Großen. Im Gegenzug erhielt er 55 Leihsoldaten von überdurchschnittlicher Körpergröße für sein Garderegiment "lange Kerls".

Zum Verbleib des Bernsteinzimmers gibt es inzwischen mehr als 100 Theorien. Schatzsucher, Kunstexperten und Geheimdienste fahndeten nach den kostbaren Wandtafeln. Allein die Stasi-Akte zur Suchaktion soll rund 10.000 Seiten umfassen. Bunker, Bergstollen, Schiffswracks und Seen wurden durchforstet - bislang ohne Erfolg.

Sechs Tonnen Bernstein

Die Nachschöpfung sei ein "einzigartiges Projekt in der Kulturgeschichte", sagte der russische Kulturminister Michail Schwydkoi. Der Leiter der Bernstein- Werkstatt in Zarskoje Selo, Boris Igdalow, sprach von einer "äußerst schwierigen Arbeit", zumal "die Wurzeln dieser Arbeit mit Bernstein nicht in Russland liegen". Die etwa 50 Restauratoren schnitten eine halbe Million Bernsteinplättchen zum Nachbau der Wandtäfelung. Sechs Tonnen des versteinerten Harzes wurden verarbeitet.

Mosaik aus dem Bernsteinzimmer

Mosaik aus dem Bernsteinzimmer

Das Ruhrgas-Vorstandsmitglied Achim Middelschulte sprach mit Stolz von der "Wiedergeburt" des Bernsteinzimmers. Als Beiratsvorsitzender hob er die Bedeutung des Kunstwerks für die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland hervor. "Das Bernsteinzimmer wurde einst dem russischen Zaren vom preußischen König in Freundschaft geschenkt, dann von den Nationalsozialisten im Krieg geraubt und nun - als Nachbildung - wieder in Freundschaft an Russland zurückgegeben", sagte Middelschulte.

Einweihung mit Putin und Schröder

Das Bernsteinzimmer wird zum Abschluss des 300. Stadtgeburtstags von Sankt Petersburg (31. Mai 2003) feierlich vom russischen Präsidenten Wladimir Putin und von Bundeskanzler Gerhard Schröder eingeweiht. Vom 2. Juni an ist das legendäre Zimmer für Besucher von Zarskoje Selo zugänglich.

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