1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Spanien

Terrorzelle plante noch größeren Anschlag in Katalonien

Nach dem Attentat von Barcelona hat einer der vier festgenommenen Verdächtigen vor einem Richter gestanden, einen gewaltigen Sprengstoff-Anschlag geplant zu haben. Die Terrorzelle kam nicht mehr dazu, ihn auszuführen.

Spanien Verdächtige wird von der Polizei ausgeführt (Foto: Reuters/J. Medina )

Sicherheitskräfte nehmen ein mutmaßliches Mitglied der Terrorzelle fest

Nach den Anschlägen in Katalonien hat einer der Terrorverdächtigen vor Gericht die Vorbereitung eines noch größeren Anschlags gestanden. Dies verlautete am Dienstag aus spanischen Justizkreisen in Madrid. Nach Medienberichten sollten auch die weltberühmte Basilika Sagrada Familia und weitere Wahrzeichen Barcelonas in die Luft gejagt werden. Die vier überlebenden Mitglieder der mutmaßlichen Terrorzelle waren zuvor erstmals einem Richter im Staatsgerichtshof in Madrid vorgeführt worden. Die Anhörung fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Der Richter Fernando Andreu erhob mehrere Beschuldigungen gegen die Männer: Verantworten müssen sie sich nun wegen terroristischer Morde, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Besitzes von Sprengstoff.

Die Aussage über Planungen für einen noch größeren Anschlag stammt den Angaben zufolge von dem 21-jährigen Mohamed Houli Chemlal, der am vergangenen Mittwoch in Alcanar bei einer Explosion vor den Anschlägen verletzt wurde. Chemlal bestätigte vor Gericht demnach seine Angaben aus einem Polizeiverhör. Chemlal ist Spanier und stammt aus der spanischen Exklave Melilla im Norden Marokkos. Die Polizei geht wegen des Fundes von Gasflaschen davon aus, dass das vollkommen zerstörte Gebäude in Alcanar die Bombenwerkstatt der Zelle war.

Spainien Verdächtige vom Anschlag in Barcelona (Foto: picture-alliance/dpa/AP Photo)

Die vier Verdächtigen erscheinen vor Gericht

Die vier dem Ermittlungsrichter vorgeführten Verdächtigen sind die einzigen Überlebenden einer zwölfköpfigen Gruppe, die für die Anschläge in Barcelona und Cambrils verantwortlich sein sollen. Die drei weiteren Verdächtigen beteuerten ihre Unschuld. Der 28-Jährige Marokkaner Driss Oukabir, dessen Pass in dem verlassenen Lieferwagen nach dem Anschlag gefunden worden war, hatte sich selbst der Polizei gestellt und erklärt, sein jüngerer Bruder habe seine Dokumente gestohlen. 

Verbindungen nach Frankreich? 

Sein Bruder Moussa Oukabir war Donnerstagnacht im Ferienort Cambrils zusammen mit vier anderen Mitgliedern der Zelle erschossen worden, nachdem sie zuvor eine Frau getötet hatten. Der Marokkaner Mohammed Aallaa, 27 Jahre alt, ist der Besitzer des Audis, der in Cambrils bei der Tat genutzt wurde, befand sich ebenfalls vor Gericht. Der französische Innenminister Gerard Collomb bestätigte unterdessen Presseberichte, wonach dieser Audi rund eine Woche vor dem Anschlag wegen überhöhter Geschwindigkeit in Paris geblitzt wurde. Details seien noch unklar, sagte er.

Bei einem weiteren mutmaßlichem Mitglied der Zelle, handelte es sich um Salh El Karib, ein Freund von Driss Oukabir. Er stammt aus Marokko und hat ebenso wie ein großer Teil der Mitglieder der Terrorzelle in Ripoll am Fuße der Pyrenäen seinen Wohnsitz. Er betreibt dort einen Call-Shop für billige Auslandsgespräche. Er soll laut Presseberichten 34 Jahre alt sein. Von seinem Internetcafe in Ripoll aus soll laut "La Vanguardia" regelmäßig Geld nach Marokko geschickt worden sein.

Eine Sondereinheit an dem Ort, wo der Hauptverdächtige erschossen wurde (Getty Images/AFP/L. Gene)

Eine Sondereinheit an dem Ort, wo der Hauptverdächtige erschossen wurde

Der Hauptverdächtige Younes Abouyaaqoub, der vergangene Woche einen Lieferwagen in eine Menschenmenge auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas gesteuert haben soll und nach dem europaweit mit Hochdruck gefahndet wurde, wurde am Montag in dem Ort Subirats, der etwa 50 Kilometer von Barcelona entfernt liegt, erschossen. Der Justizminister der katalanischen Regierung, Carlos Mundo, geht davon aus, dass Abouyaaqoub auf der Flucht Hilfe gehabt haben muss. Das sagte er dem dem Catalunya Radio. "Es ist eindeutig, dass er in irgendeiner Form eine Logistik gehabt haben muss." 

Die Ermittler wollen feststellen, wo sich Abouyaaqoub in den drei Tagen nach dem Anschlag aufhielt. Spanischen Medienberichten zufolge vermutet die Polizei, dass er zu Fuß unterwegs gewesen sei. Er sei ungepflegt gewesen, schrieb die Zeitung "La Vanguardia". Abouyaaquoub habe die Kleidung gewechselt, habe aber keine Tasche, kein Telefon oder Bargeld bei sich gehabt. 

Der mutmaßliche Kopf der Terrorzelle, der Imam Abdelbaki Es Satty, war bereits in der vergangenen Woche bei einer Explosion in dem Haus in Alcanar südlich von Barcelona ums Leben gekommen. Die Attentäter sollen von dem aus Marokko stammenden Imam radikalisiert worden sein.

Gedenken am Anschlagsort in Barcelona (Reuters/S. Vera)

Gedenken am Anschlagsort in Barcelona

Bei dem Anschlag in Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas am Donnerstag und einem vereitelten Attentat in der Stadt Cambrils starben insgesamt 15 Menschen, mehr als 120 wurden verletzt. Zu dem Anschlag in Barcelona hatte sich die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt. 

stu/as/pab (afp, dpa)

Die Redaktion empfiehlt