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Politik & Gesellschaft

Terrorverdächtige planten konkreten Anschlag

Die drei in Nordrhein-Westfalen festgenommenen Terrorverdächtigen hatten konkret einen Sprengstoffanschlag in Deutschland vorbereitet. Ein klares Ziel hatten sie nach Angaben der Ermittler aber noch nicht.

Polizeibeamte tragen Ausrüstung in ein Haus, in dem ein festgenommener mutmaßlicher El-Kaida-Terrorist gewohnt haben soll (Foto: dpa)

Polizisten durchsuchen die Wohnung eines Terrorverdächtigen in Düsseldorf

Die mutmaßlichen Mitglieder des Terrornetzwerks El Kaida seien "noch in einer Experimentierphase" gewesen, teilte der stellvertretende Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum am Samstag (30.04.2011) in Karlsruhe mit. Sie hätten geplant, einen mit Metallteilen versetzten Sprengsatz in einer größeren Menschenmenge zur Explosion zu bringen. Aktuelle Erkenntnisse der Ermittler belegen laut Griesbaum, dass El Kaida Anschläge in Deutschland plane.

Düsseldorf im Visier von El Kaida?

Jörg Ziercke, der Präsident des Bundeskriminalamtes (Foto: dpa)

Jörg Ziercke, der Präsident des Bundeskriminalamtes

Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, sagte, der Hauptbeschuldigte habe sich illegal in Deutschland aufgehalten, um einen Anschlag vorzubereiten. Ziercke sprach von Verbindugen nach Österreich, Marokko und in das Kosovo. Als ein mögliches Anschlagsziel nannte er Veranstaltungen im Großraum Düsseldorf. Beim bevorstehenden Eurovision Song Contest in Düsseldorf soll es dennoch keine schärferen Sicherheitsvorkehrungen geben.

Die Tageszeitung "Die Welt" hatte zuvor unter Berufung auf einen Ermittler gemeldet, die drei Verdächtigen hätten einen Bombenanschlag auf den öffentlichen Nahverkehr in einer deutschen Großstadt geplant. Darauf deuteten sowohl große Mengen sichergestellter Sprengmittel und Chemikalien als auch abgehörte Handygespräche und Internetverbindungsdaten auf Computern der Verdächtigen hin.

Verdächtige vor Ermittlungsrichter

Der Eingangsbereich des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe (Foto: dpa)

Die mutmaßlichen El-Kaida-Mitglieder sollen vor den Ermittlungsrichter des BGHs

Die Terrorverdächtigen sollen am Samstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden. Das BKA war den Männern nach Angaben der "Bild"-Zeitung durch die Überwachung ihrer Handys und Computer auf die Spur gekommen. Zwei der Männer wurden dem Bericht zufolge in der Nacht zum Freitag in Düsseldorf festgenommen, der dritte in Bochum.

Der Fernsehsender ZDF berichtete, einer der Männer sei in einem sogenannten Terrorcamp in Afghanistan ausgebildet worden. Die Dimension des aktuellen Falls sei vergleichbar mit dem der 2007 festgenommenen Sauerland-Gruppe.

Friedrich: "Konkrete Gefahr abgewendet"

Nach Worten von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich wurde durch die Festnahme eine "konkrete und bevorstehende Gefahr durch den internationalen Terrorismus" abgewendet. Es zeige sich, dass Deutschland nach wie vor im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus stehe. Es gelte, wachsam zu bleiben, sagte Friedrich.

In einer Mitteilung des Ministeriums hieß es, die Bundesanwaltschaft führe bereits seit dem 15. April ein Ermittlungsverfahren gegen die drei Männer. Das Bundeskriminalamt sei aber schon seit mehr als sieben Monaten an dem Fall dran.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" sollen auch die CIA und der marokkanische Geheimdienst an den Ermittlungen beteiligt gewesen sein.

Sicherheitsmaßnahmen aus Kostengründen reduziert

Laut Innenministerium gibt es einen Bezug zu der Terrorwarnung des damaligen Innenministers Thomas de Maizière im vergangenen November. Der Minister hatte vor möglicherweise bevorstehenden Anschlägen islamistischer Terroristen in Deutschland gewarnt und die Sicherheitsvorkehrungen im gesamten Bundesgebiet deutlich verschärft. Im Februar wurden diese dann wieder heruntergefahren, obwohl de Maizière betonte, die Gefahr sei noch nicht gebannt.

Die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtete am Samstag, die öffentlich sichtbaren Sicherheitsmaßnahmen seien lediglich aus Kostengründen reduziert worden. Die Überwachung etwa von Bahnhöfen, Flughäfen und am Berliner Reichstag sei auf Dauer zu "personal- und kostenintensiv" gewesen.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, afp)
Redaktion: Michael Wehling

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