Terrorpotenzial auf dem Westbalkan | Europa | DW | 24.01.2018
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Islamismus

Terrorpotenzial auf dem Westbalkan

Laut der Bundesregierung gebe es auf dem Westbalkan nach wie vor ein Bedrohungspotenzial durch die islamistische Szene. Mehr Ausreisen nach Syrien und in den Irak gebe es aus salafistisch geprägten Dörfern in Bosnien.

IS-Flagge in Gornja Maoca, Bosnien (Ruben Neugebauer)

IS-Flagge im Salafitisten-Dorf Gornja Maoča in Bosnien/Herzegowina

Die Bundesregierung schließe "ein grundsätzliches Bedrohungspotential seitens Einzeltätern und Splittergruppen aus der islamistischen Szene" in Bosnien und Herzegowina nicht aus. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion der Linken im Deutschen Bundestag hervor, die der DW exklusiv vorliegt. Es gebe vereinzelt Kontakte zwischen radikalen Islamisten vom Balkan und Deutschland. Konkrete Hinweise über wachsende islamistische Bestrebungen in Bosnien lägen dem Bundesnachrichtendienst aber nicht vor.

Dabei hatte es erst im vergangenen November in einem Bericht der Berliner Zeitung geheißen, dass der BND zunehmend seine Aufmerksamkeit auf die Balkanländer - vor allem auf Bosnien/Herzegowina - richte. Es bleibt aber Raum für Spekulationen, denn die konkreten Antworten auf die Anfrage der Linksfraktion werden unter Verschluss gehalten.

Die Regierung wollte sich nicht öffentlich zu möglichen Zahlungen der Golfstaaten an die Balkanstaaten äußern. Dasselbe gilt für die Entsendung von Imamen aus Saudi-Arabien und der Türkei nach Bosnien. 



"Im Gegensatz zum BND versucht die Bundesregierung die wachsende islamistische Gefahr in der Öffentlichkeit kleinzureden", meint Sevim Dagdelen, Außenexpertin der Linksfraktion. Die steigende Zahl gewaltbereiter Islamisten auf dem Balkan habe gravierende Auswirkungen auf die Sicherheit in Deutschland. "Zudem ist es völlig inakzeptabel, dass die Bundesregierung die Rolle der Golfstaaten, allen voran Saudi-Arabien, aber auch der Türkei, weiter verheimlicht", sagt Dagdelen gegenüber DW.'

Keine Auskunft über Anzahl der Kämpfer

Als "besonders schutzwürdig" stuft die Bundesregierung die Daten über die Anzahl der Terroristen aus Bosnien/Herzegowina und dem Kosovo ein, die sich den dschihadistischen Gruppen in den vergangenen Jahren angeschlossen haben. Medienberichten zufolge sind die beiden Balkanländer, an der Einwohnerzahl gemessen, die europäischen Spitzenreiter im Export islamistischer Kämpfer.

Ein Auskunft gibt die Bundesregierung doch: Die Terroristen aus den Balkanländer schließen sich nicht nur dem sogenannten Islamischen Staat und der ehemaligen Al-Nusra-Front an. Etwa zehn Prozent der Islamisten kämpft in den Reihen verschiedener Gruppierungen der Freien Syrischen Armee. 

Mehr Ausreisen nach Syrien und in den Irak gebe es aus salafistisch geprägten Dörfern in Bosnien. Dort orientieren die Einwohner ihr religiöses und soziales Leben an "frühislamischen Gewohnheiten und Bräuchen" aus, stellt die Bundesregierung fest.

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Bosnien-Herzegowina: Einfallstor für den IS

Den liberalen Islam stärken

"Das ist die radikale Abweichung eines traditionellen balkanischen Islam", analysiert Vedran Dzihic, Forscher vom Österreichischen Institut für internationale Politik. "In Bosnien sieht man die Mitglieder der salafistischen Bewegung auf den Straßen. Sie sind im Kulturbereich aktiv und haben eigene Moschee-Gemeinden", sagte er in einem DW-Interview.


Es sei klar, dass die Salafisten auf dem Balkan mithilfe von Saudi-Arabien und anderen Ländern eine parallele Infrastruktur aufbauten, die im Gegensatz zu den traditionellen islamischen Gemeinden stehe. Was man brauche, sagt Dzihic weiter, sei die Bekämpfung der Armut, eine echte EU-Perspektive für Westbalkanstaaten, die Stärkung der autochthonen liberalen balkanischen Interpretation des Islams und nicht zuletzt eine effizientere Zusammenarbeit der Geheimdienste.

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