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Aktuell Nahost

Terrormiliz IS stößt auf Palmyra in Syrien vor

Nach heftigen Kämpfen mit der syrischen Armee sind IS-Extremisten näher an die historische Oasenstadt Palmyra herangerückt. Drohen neue barbarische Akte gegen uralte Kulturstätten wie im Irak?

Mit dem weiteren Vormarsch der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Zentralsyrien gerät das Kulturerbe der historischen Oasenstadt Palmyra in Gefahr. Die Extremisten und Anhänger des Regimes hätten sich westlich der Stadt heftige Kämpfe um einen strategisch wichtigen Hügel geliefert, meldete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London. Der Hügel liegt rund einen Kilometer von den berühmten Ruinenstätten entfernt. Der Direktor für Altertümer, Mamoun Abdulkarim, sagte, er sei in engem Kontakt mit seinen Kollegen in Palmyra. Der IS sei noch nicht in die Stadt eingedrungen. Die Miliz beschoss derweil nach eigenen Angaben eine Luftwaffenbasis in der Nähe der Oasenstadt. Palmyra gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Bei ihrem Vorstoß auf Palmyra hätten die Dschihadisten 26 Bewohner der umliegenden Dörfern exekutiert, darunter zehn durch Enthauptung, teilte die Beobachtungsstelle inzwischen mit. Den Opfern sei "Kollaboration mit dem Regime" von Präsident Baschar al-Assad vorgeworfen worden, sagte der Leiter der Organisation, Rami Abdel Rahman.

Bereits am Mittwoch hatte der IS östlich von Palmyra den Ort Al-Suchna eingenommen. Die Ortschaft liegt an der Straße zwischen der IS-Hochburg Deir Essor und der von der Regierung kontrollierten Stadt Palmyra. Bei den Kämpfen wurden nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter mindestens 70 Anhänger des Regimes und 40 IS-Kämpfer getötet. Nach Angaben der Armee halten die Gefechte dort den zweiten Tag in Folge an. Syrische Staatsmedien berichten, die Luftwaffe habe einen IS-Konvoi bei Al-Suchna getroffen.

In der Region liegen auch wichtige Gasfelder, um die es schon seit Monaten immer wieder heftige Kämpfe gibt. In den vergangenen Monaten hatte die Islamistenmiliz mehrmals westlich ihrer Hochburgen in den Provinzen Deir Essor und Rakka Angriffe auf Gebiete unternommen, die vom Regime oder Rebellen kontrolliert werden.

Zerstörungswut im Irak

Im Nordirak hatten ultraradikale IS-Anhänger im Frühjahr einmalige Kulturstätten zerstört, darunter die Jahrtausende alte Stadt Nimrud und die Grabungsstätte Ninive. Im Museum von Mossul zertrümmerten sie wertvolle Statuen aus assyrischer Zeit.

Die Oasenstadt Palmyra in der zentralsyrischen Wüste gilt als einer der bedeutendsten Komplexe antiker Bauten im Nahen Osten. In der Stadt stehen bis heute einzigartige Ruinen aus ihrer Blütezeit in den ersten Jahrhunderten nach Christus. Die UNESCO erklärte die Ruinen der ehemaligen Handelsmetropole der legendären Königin Zenobia 1980 zum Weltkulturerbe. Durch ihre Lage an einer der wichtigsten Handelsrouten zwischen dem Römischen Reich, Persien, Indien und China gewann Palmyra in den ersten Jahrhunderten nach Christus stetig an Bedeutung. Nach ihrer Blütezeit wurde die Stadt im Jahr 272 von den Römern zerstört. Mit Bal-Tempel, Triumphbogen und weiteren imposanten Ruinen avancierte Palmyra zu einem beliebten Touristenziel – bis zum Bürgerkrieg. Heute leben vor allem sunnitische Muslime in einer gleichnamigen, neben den Ruinen gelegenen Stadt.

kle/haz (dpa, afpe, rtre)