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Aktuell Europa

Terrormiliz IS spricht von "gesegnetem Angriff" auf Paris

Man habe die Angriffsziele "bewusst im Herzen von Paris ausgewählt", teilt die Terrorgruppe "Islamischer Staat" in einem Schreiben mit. Darin drohen die Extremisten Frankreich auch mit weiteren Anschlägen.

Video ansehen 02:35

IS bekennt sich zu Anschlägen in Paris

Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hat sich für die Anschläge von Paris verantwortlich erklärt, bei denen nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft 129 Menschen getötet und 352 weitere verletzt worden sind. "Acht Brüder mit Sprengstoffgürteln und Sturmgewehren" hätten den "gesegneten Angriff" verübt, teilte die Extremistenorganisation in einer Erklärung im Internet mit.

Die Echtheit und der Inhalt des Bekennerschreibens konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden, doch die Wortwahl erinnert an frühere Bekennerschreiben des IS. Noch vor Bekanntwerden des Schreibens hatte zudem Frankreichs Präsident François Hollande in einer Fernsehansprache die IS-Terrormiliz für die Attacken verantwortlich gemacht.

Angriff auf die "Hauptstadt der Unzucht und Laster"

Die offensichtlich koordinierten Anschläge waren am Freitagabend von insgesamt acht Tätern an sechs verschiedenen Orten der französischen Hauptstadt verübt worden. Für alle sechs Angriffe übernahm der IS die Verantwortung. Die Anschlagsserie habe sich gegen "Kreuzzug-Frankreich" gerichtet, hieß es in der Internet-Erklärung.

Die Angriffsziele seien "bewusst im Herzen von Paris ausgewählt" worden, darunter auch das Stade de France während des Fußballspiels "der Mannschaften von Frankreich und Deutschland im Beisein des französischen Wahnsinnigen François Hollande". Eine "treue Gruppe Gläubiger der Armee des Kalifats" habe die "Hauptstadt der Unzucht und Laster" angegriffen, um Terror "in die Herzen der Kreuzzügler in ihrer eigenen Heimat" zu bringen.

IS kündigt neue Attacken an

Außerdem drohte die Terrormiliz Frankreich mit weiteren Anschlägen. "Dieser Überfall ist nur der erste Tropfen Regen und eine Warnung", hieß es in dem Schreiben weiter. "Frankreich und jene, die seinem Pfad folgen, wissen, dass sie ganz oben auf der Liste der Ziele des Islamischen Staates stehen und dass der Geruch des Todes ihre Nasen nicht verlassen wird, solange sie ihren Kreuzzug fortführen, es wagen, unseren Propheten zu beleidigen (...), stolz darauf sind, gegen den Islam Krieg zu führen und die Muslime im Land des Kalifats mit ihren Flugzeugen anzugreifen", ist in dem Text zu lesen, der sowohl in arabisch als auch in französisch vorliegt.

"Hollande ist Schuld"

Der folgenschwerste Angriff des Abends wurde auf die Konzerthalle Bataclan in der Innenstadt verübt, in der mehr als 1000 Menschen ein Konzert der US-Band Eagles of Death Metal besuchten. Vier schwerbewaffnete Attentäter schossen dort wahllos in die Menge. Ein Augenzeuge aus dem Bataclan berichtete, die Attentäter hätten gesagt: "Hollande ist Schuld, Euer Präsident ist Schuld, er hat nicht in Syrien einzugreifen." Die französische Luftwaffe fliegt seit dem September Luftangriffe auf IS-Einrichtungen in Syrien.

Viele Schwerverletzte schweben in Lebensgefahr

Bei der Erstürmung des Saals durch Sondereinheiten starben alle vier Attentäter. Nach Polizeiangaben töteten sich drei von ihnen selbst, indem sie Sprengstoffgürtel zündeten. Insgesamt wurden nach Angaben der Behörden im Bataclan mindestens 82 Menschen getötet. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigt, da zahlreiche Verletzte noch in Lebensgefahr schweben.

Angegriffen wurden auch mehrere Cafés und Restaurants. Im Stade de France, in dessen Umgebung ebenfalls Sprengsätze explodierten, liefen nach dem Abpfiff hunderte verängstigte Zuschauer auf das Spielfeld, später wurden alle nach draußen geleitet. Das DFB-Team verbrachte die Nacht im Stadion und wurde morgens direkt zum Flughafen gebracht.

Frankreich mobilisiert seine Terrorabwehr

Frankreichs Präsident kündigte einen "unerbittlichen" Kampf gegen Dschihadisten in Frankreich und im Ausland an. Hollande verhängte den Ausnahmezustand über das ganze Land und gab den Einsatz von 1500 zusätzlichen Soldaten sowie verschärfte Grenzkontrollen bekannt. Die Franzosen rief Hollande zur "Einheit" auf. Zugleich kündigte er eine dreitägige Staatstrauer an. Am Montag soll es eine landesweite Schweigeminute für die Opfer der Anschläge geben.

Video ansehen 00:54

Augenzeugenberichte aus Paris

Außenminister Laurent Fabius stellte klar, dass Frankreich ungeachtet der Anschläge an seinem internationalen Engagement festhalte. "Das internationale Handeln Frankreichs wird fortgesetzt und ist gesichert", sagte Fabius bei der Syrien-Konferenz in Wien.

Ganz Paris unter Schock

Im Großraum Paris wurden bis zum Donnerstag alle Kundgebungen untersagt. Sämtliche für das Wochenende geplanten Sportveranstaltungen wurden abgesagt, Schulen, Universitäten und andere öffentliche Einrichtungen blieben ebenso geschlossen wie Touristenattraktionen, mehrere Metro-Linien wurden unterbrochen. Sollten die Angriffe in Paris tatsächlich auf das Konto des "Islamischen Staates" gehen, wäre dies die erste koordinierte Attacke der Terrormiliz in der westlichen Welt.

cw/fab (rtr, afp, dpa)

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