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Aktuell Nahost

Terrormiliz IS rückt im Irak und in Syrien vor

Im Irak und in Syrien erzielt die Terrormiliz IS offenbar weitere Geländegewinne – ungeachtet der US-Luftangriffe. Angesichts der Erfolge der Extremisten wachsen die Sorgen der USA. Geht es doch nicht ohne Bodentruppen?

Kämpfe bei Dschisr asch-Schughur (Archivfoto: AFP)

Ein Rebellenkämpfer in Siegerpose im nordsyrischen Dschisr al-Schogur (Archivfoto)

Die Armeen des Irak und Syriens zeigen sich der Terrormiliz IS anscheinend nicht gewachsen. Nach ihrer Einnahme der Wüstenstadt Palmyra in Syrien und der Provinzhauptstadt Ramadi im Irak marschieren die Kämpfer des "Islamischen Staates" in beiden Ländern weiter voran. Im Westirak kämpften sie Armee-Einheiten und sunnitische Stammeskrieger nieder und hissten ihre schwarze Flagge auf Regierungsgebäuden in dem Ort Husaiba, wie ein Stammesführer berichtete. Husaiba liegt nur rund 100 Kilometer westlich der Hauptstadt Bagdad.

Demnach bereiten die Extremisten mit Mörserbeschuss einen weiteren Vorstoß auf die Stadt Al-Chalidija östlich von Husaiba vor. Mit dem Erfolg in Husaiba rückt der IS nahe an den großen Militärstützpunkt Habanija heran, wo die Regierung schiitische Milizen zusammengezogen hat. Aus Sicherheitskreisen hieß es, der IS habe nun auch die Stadt Haditha nordwestlich von Ramadi angegriffen. IS-Verbände hatten Ramadi, das nur rund 110 Kilometer westlich von Bagdad liegt, am Sonntag eingenommen. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind mindestens 40.000 Menschen vor den Extremisten geflohen.

Neue Kämpfe bei Palmyra

In Zentralsyrien stießen die Dschihadisten von Palmyra weiter in Richtung der Hauptstadt Damaskus vor. Die historische Wüstenstadt Palmyra und das dortige UNESCO-Weltkulturerbe hatten die Dschihadisten am Mittwoch unter Kontrolle gebracht. Am Freitag habe es südwestlich Palmyras Kämpfe zwischen Anhängern des Regimes und IS-Kämpfern gegeben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Karte IS Irak Syrien (Grafik: DW)

Wer herrscht wo im Irak und in Syrien?

Über die Lage in Palmyra selbst wurde bisher wenig bekannt. Aktivisten meldeten, die Telefon- und Internetleitungen in die Stadt seien für Stunden unterbrochen gewesen. Laut verschiedenen Berichten befinden sich Zehntausende Flüchtlinge in der Stadt. Es gebe weder Wasser noch Strom. Die IS-Miliz hatte am Donnerstag mindestens 17 Kämpfer und Unterstützer des Regimes exekutiert, wie Staatsmedien berichten. Überdies verhängte sie ein Ausgehverbot. Übergriffe auf das Weltkulturerbe gab es laut Aktivisten zunächst nicht. UNESCO-Chefin Irina Bokova hatte die 2000 Jahre alten Ruinen als "Wiege der Menschheit" bezeichnet und die Staatengemeinschaft zu ihrem Schutz aufgerufen.

Der UN-Sicherheitsrat äußerte seine Sorge um die tausenden Bewohner von Palmyra. Zivilisten müssten in Sicherheit aus der historischen Karawanenstadt fliehen können, forderten die 15 Mitglieder des höchsten UN-Gremium.Die Einnahme von Palmyra und die anderen "barbarischen Terrorakte" des IS verurteilte der Sicherheitsrat scharf. Die Terrormiliz müsse besiegt werden.

Grenzposten verloren

Am Donnerstag verloren die syrischen Streitkräfte den letzten Kontrollpunkt an der Grenze zum Irak

, den sie bisher noch beherrscht hatten. Die Syrische Beobachtungsstelle teilte mit, IS-Kämpfer hätten den Grenzübergang von Al-Tanaf nach Al-Walid erobert, der an der Hauptstraße von Damaskus nach Bagdad liegt. Sie hätten nun bis auf einen kurzen Abschnitt in kurdischer Hand die gesamte syrisch-irakische Grenze unter ihrer Kontrolle.

In Syrien beherrschen die Extremisten jetzt mehr als 50 Prozent des Territoriums, im Norden und Westen des Irak rund ein Drittel des Landes. Dabei handelt es sich zwar vor allem um dünn besiedeltes Wüstengebiet. Doch das Gelände ist strategisch bedeutend, da der IS Truppen und Waffen über ein großes Gebiet hin und her bewegen kann. Durch den Sieg in Palmyra

ist der Weg in Richtung der Städte Homs und Damaskus in Syriens Zentrum frei.

McCain will Bodentruppen

Wegen der Siegesserie der Sunnitenmiliz forderte der einflussreiche US-Senator John McCain die Entsendung von US-Bodentruppen in den Irak. "Ich würde sagen: 10 000 Mann", sagte der Republikaner dem Fernsehsender CNN. Die Strategie von Präsident Barack Obama, lediglich Kampfjets einzusetzen, sei ein Fehlschlag. Die USA und ihre Verbündeten bombardieren seit Monaten IS-Stellungen im Irak und in Syrien. Obama lehnt die Entsendung von Bodentruppen strikt ab.

Während Obama den Verlust der Stadt irakischen Ramadi nur einen "taktischen Rückschlag" nannte, zeigte sich das Pentagon durch den Fall Ramadis und Palmyras alarmiert. Man werde rasch 2000 weitere Panzerabwehrwaffen vom Typ AT-4 an den Irak liefern, sagte eine Sprecherin. Obama sicherte der Regierung in Bagdad weitere Unterstützung zu.

Das syrische Regime musste unterdessen auch im Nordwesten des Landes eine Niederlage hinnehmen: In der Stadt Dschisr al-Schogur (Artikelbild) in der Provinz Idlib verlor die Armee ihren letzten Rückzugsort. Islamistische Rebellen, darunter Mitglieder der Al-Nusra-Front, hätten ein von Regierungskräften gehaltenes Krankenhaus in der Provinz Idlib eingenommen, berichten Menschenrechtsbeobachter. Dort waren seit fast einem Monat rund 150 Soldaten und viele Zivilisten eingeschlossen. Die Al-Nusra-Front, die dem Terrornetzwerks Al-Kaida zugerechnet wird, beherrscht die Provinz Idlib nun fast vollständig.

kle/stu (dpa, rtre, afpe)

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