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Aktuell Europa

Terrormiliz IS für Anschlagsserie von Paris verantwortlich

Die Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" spricht von Rache für die Luftschläge auf "IS-Gebiet". Eine entsprechende Erklärung tauchte im Internet auf. Unterdessen mobilisiert Frankreich alle Kräfte zur Terrorabwehr.

Eine "treue Gruppe der Armee des Kalifats" habe die "Hauptstadt der Unzucht und Laster" angegriffen, hieß es in einer zunächst nicht verifizierbaren Erklärung der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) im Internet. Die Terroranschläge seien eine Antwort auf die Beleidigung des Propheten und auf die Luftschläge auf "IS-Territorium". "Acht Brüder" mit Sprengstoffgürteln und Sturmgewehren hätten einen "gesegneten Angriff" auf das "Kreuzzug-Frankreich" verübt, schreibt der IS. Außerdem drohte die Terrormiliz Frankreich mit neuen Anschlägen. "Dieser Überfall ist nur der erste Tropfen Regen und eine Warnung", heißt es in der Erklärung weiter.

Staatstrauer und Ausnahmezustand

Zuvor hatte bereits der französische Präsident François Hollande die Anschlagsserie von Paris mit mehr als 128 Toten als "Kriegsakt" bezeichnet und in einer Fernsehansprache die vor allem in Syrien und im Irak aktive Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" für die Tat verantwortlich gemacht. Der "Kriegsakt" einer "terroristischen Armee, dem IS" sei "von außen" geplant und organisiert und mit Komplizen "im Inneren" verübt worden. Er ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Alle nötigen Sicherheitsmaßnahmen seien ergriffen worden.

Außerdem empfing Hollande die Mitglieder seines Sicherheitskabinetts zu einer Sitzung im Élyseepalast. Neben den Ministern und Ministerinnen nahmen auch die ranghöchsten Vertreter der Sicherheitsbehörden teil. Bereits kurz nach den Anschlägen hatte Hollande den Ausnahmezustand über ganz Frankreich verhängt. In einer Fernsehansprache sagte der Präsident, er habe "alle nur möglichen Kräfte mobilisiert ", um die "Neutralisierung der Terroristen" zu erreichen und die betroffenen Stadtviertel zu sichern.

Soldaten mobilisiert

Nach Angaben des Élysée-Palastes wurden 1500 zusätzliche Soldaten mobilisiert, um die Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt zu verstärken. Bei einem Besuch am Bataclan kündigte Hollande einen "erbarmungslosen" Kampf gegen den Terrorismus an. Nachdem Hollande zuvor eine Schließung der Grenzen verkündet hatte, stellt das Außenministerium klar, dass es sich lediglich um verschärfte Grenzkontrollen handelt. Befürchtet wurde, dass sich Attentäter oder Komplizen noch auf freiem Fuß befinden könnten. Nach Polizeiangaben starben mindestens acht Angreifer.

Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian (l.) und Armeechef Pierre de Villiers auf dem Weg zur Krisensitzung (Foto: dpa)

Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian (l.) und Armeechef Pierre de Villiers auf dem Weg zur Krisensitzung

In Paris bleiben praktisch alle Einrichtungen der Stadt am Samstag geschlossen. Das teilte die Hauptstadt Frankreichs auf ihrer Homepage mit. Betroffen sind unter anderem Museen, Bibliotheken, Sporthallen oder auch Schwimmbäder. Im Großraum der Metropole wurden sämtliche Sportveranstaltungen abgesagt. Dies beschlossen die Sportverbände und die lokale Verwaltung. Landesweit setzte zudem der französische Eishockeyverband sämtliche Spiele aus.

In ganz Frankreich wurden sämtliche Schulreisen für das Wochenende untersagt. Das teilte das Bildungsministerium in der Nacht auf Samstag unter anderem via Facebook und Twitter mit. Zudem würden die schulischen und universitären Einrichtungen der drei Akademien in Île-de-France am Samstag geschlossen bleiben.

Grenzkontrolle zwischen Frankreich und Deutschland (Foto: rtr)

Beamte der Police Nationale kontrollieren an der Grenze bei Straßburg Fahrzeuge

Die Rockband U2 sagte ein für diesen Samstag geplantes Konzert in Paris ab. Das Konzert, das der US-Fernsehsender HBO live übertragen wollte, werde wegen des Ausnahmezustands in Frankreich "nicht wie geplant stattfinden", teilte die Band auf ihrer Internetseite mit. U2, HBO und der Veranstalter Live Nation seien aber "fest entschlossen", das Konzert zu einem "passenden Zeitpunkt" nachzuholen.

"Plan blanc" eingeleitet

Die öffentlichen Krankenhäuser in Paris leiteten nach den Anschlägen den sogenannten Plan blanc ein. Wie die Zeitung "Le Monde" auf ihrer Homepage schrieb, wurden alle Hospitäler in Alarmbereitschaft versetzt. Dasselbe gelte für Notfalldienste und alle weiteren öffentlichen Gesundheitseinrichtungen. Den "weißen Plan" gibt es seit 2004, er tritt nur in Ausnahmesituationen in Kraft.

Polizisten am Bahnhof Gare du Nord (Foto: Reuters)

Polizisten am Bahnhof Gare du Nord

Auf den Flugverkehr hatten die Anschläge zunächst keine Auswirkungen. "Alle Flüge sind planmäßig vorgesehen", sagte ein Lufthansa-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Die Frage, ob es zu Auswirkungen auf den Flugbetrieb kommt, hänge davon ab, welche konkreten Maßnahmen die französischen Behörden noch ergreifen. Die Lufthansa hat samstags 18 Flüge zwischen München beziehungsweise Frankfurt und Paris. Auch bei der Lufthansa-Tochter Germanwings und Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin sollte der Flugbetrieb normal laufen. Man stehe in engem Kontakt zu den Behörden und beobachte die Sicherheitslage, sagte eine Sprecherin von Air Berlin.

Bereits vor der jüngsten Anschlagsserie hatte Frankreich umfassende Maßnahmen zur Terrorabwehr ergriffen: Tausende Soldaten waren zum Schutz gefährdeter Orte im Einsatz, das Parlament räumte den Geheimdiensten neue Kompetenzen ein. Dass trotzdem acht Attentäter in einer derart konzertierten Aktion zuschlagen konnten, dürfte noch für Diskussionen sorgen - zumal in zwei Wochen mehr als 100 Staats- und Regierungschefs zur UN-Klimakonferenz in Paris erwartet werden.

stu/SC (afp, dpa)

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