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Europa

Terroristen waren Ärzte

Die Ermittlungen nach den verhinderten Terroranschlägen von London und Glasgow haben sich bis nach Australien ausgeweitet. Dort wurde ein achter Tatverdächtiger festgenommen.

Das Gold Coast Hospital

Hinter Krankenhaus-Mauern haben die Attentäter ein scheinbar normales Leben geführt

Alle acht Terrorverdächtigen, die im Zusammenhang mit den versuchten Anschlägen in Großbritannien festgenommen wurden, sind offenbar Ärzte oder Mitarbeiter von Krankenhäusern. Alle seien beim staatlichen britischen Gesundheitssystem angestellt gewesen, berichtete die BBC am Dienstag (3.7.).

Obwohl Medienberichten zufolge davon ausgegangen wird, dass die Schlüsselfiguren gefasst sind, herrschte in Großbritannien immer noch Nervosität: Am Flughafen Heathrow kam es zu chaotischen Zuständen, nachdem ein Terminal wegen eines liegen gelassenen Gepäckstücks geräumt werden musste. Die Polizei sprengte sowohl in Glasgow als auch in London mehrere verdächtige Gegenstände.

Ausgefallene Flüge

Am Terminal 4 in Heathrow fielen rund 100 Flüge aus, sagte ein Flughafensprecher. Tausende Passagiere mussten das Gebäude vorübergehend verlassen. Nach Stunden wurde das Gebäude wieder geöffnet. In Großbritannien gilt seit dem gescheiterten Anschlag auf den Flughafen Glasgow am Samstag und den Autobombenfunden in London am Freitag die höchste Terrorwarnstufe. Zwei weitere Männer wurden wegen Terrorverdachts im nordwestenglischen Blackburn festgenommen. Unklar war, ob sie etwas mit den Autobomben zu tun haben.

Mittzwanziger aus Indien

Flughafen Brisbane, Quelle: AP

Festnahmen am Flughafen Brisbane

Als bislang achter Terrorverdächter wurde ein indischer Arzt in Australien festgenommen. Der 27-Jährige Mohammed Haneef sei am Montagabend am Flughafen Brisbane mit einem Hinflugschein nach Indien gestoppt worden, berichtete die Polizei. Der Inder hatte bis vor zehn Monaten an einem Krankenhaus in Liverpool gearbeitet. Dort hatten die Fahnder am Sonntag einen 26-jährigen Arzt im Praktikum festgenommen, der ebenfalls aus Indien stammt.

Zuvor hatte die Polizei nach eigenen Angaben den aus dem Irak stammenden Arzt Bilal Abdullah festgenommen. Er soll am Samstag versucht haben, mit einem Komplizen einen brennenden Geländewagen in die Halle des Flughafens von Glasgow zu fahren. Abdullah und ein weiterer Arzt, der aus Jordanien stammende Mohammed Asha, wurden am Dienstag von Anti-Terror-Spezialisten in London verhört.

Die britische Tageszeitung "Evening Standard" berichtete, dass das Terrornetz El Kaida bis zu zwölf Mann nach Großbritannien geschleust habe, um für das staatliche Gesundheitssystem NHS zu arbeiten. Sie hätten sich so "tarnen" und unauffällig treffen können. Mehr als 6000 der rund 240.000 in Großbritannien tätigen Ärzte haben ihre Ausbildung in Ländern des Nahen Ostens bekommen, wie die "Daily Mail" berichtete. Viele von ihnen seien "nur oberflächlich" überprüft worden.

Krankenhaus im Fokus


Ins Fadenkreuz der Ermittler rückte vor allem das Royal Alexandra Krankenhaus im schottischen Glasgow: Dort liegt Khalid Ahmed, der Fahrer des Bomben-Autos von Glasgow mit schweren Verletzungen. Sein Beifahrer Bilal Abdullah (27) stammt aus dem Irak und soll an jenem Krankenhaus als Arzt gearbeitet haben. Beide sollen nach Medienberichten auch die mit Bomben bepackten Autos nach London gefahren haben. Zwei weitere Verdächtige, vermutlich aus Saudi- Arabien, sollen ebenfalls an der Klinik in Paisley gearbeitet haben.


Ein weiterer Arzt, Mohammed Asha (26) aus Jordanien, soll nach Medienberichten der Drahtzieher sein. Sein Vater stritt jedoch jede Verbindung seines Sohns zu einem Terrornetz ab. Ashas festgenommene Frau Marwah Asha (27) hat nach Angaben der BBC als Labor-Assistentin gearbeitet. Ihre Familie beteuerte ihre Unschuld. Insgesamt sechs Verdächtige wurden am Dienstag von der Anti-Terror-Polizei in London verhört.

Überstürzter Anschlag


Der Anschlag am Samstag in Glasgow war nach einem Bericht des "Evening Standard" überstürzt ausgeführt worden, weil die Polizei den Tätern schon Stunden vor dem Attentat auf der Spur war. Dies gelang offenbar mittels der Handys, die am Freitag in den beiden Bomben- Autos in London entdeckt wurden. Da der Zündmechanismus versagte, konnten die Ermittler die Daten der Mobiltelefone auswerten.


Der Generalsekretär des Dachverbandes muslimischer Organisationen in Großbritannien (Muslim Council of Britain), Muhammad Abdul Bari, verurteilte die versuchten Anschläge: "Es ist absolut klar, dass die, die unschuldige Menschen töten oder verstümmeln wollen, Feinde von uns allen sind." Auch die britische Ärztevereinigung äußerte sich nach der Festnahme der Terrorverdächtigen schockiert.


6000 Polizisten im Einsatz

Um der anhaltenden Gefahr terroristischer Anschläge in Großbritannien zu begegnen, sind inzwischen 6000 bewaffnete Polizisten auf Straßen und öffentlichen Plätzen im Sondereinsatz. Im Königreich werden in den nächsten Tagen hunderte Veranstaltungen und öffentliche Plätze besonders geschützt. Insgesamt gehe es um mehr als 900 stark belebte Orte, erklärte Innenministerin Jacqui Smith.

Am Samstag hatten die Sicherheitsbehörden die höchste Terrorwarnstufe "kritisch" ausgerufen. Bislang habe es Durchsuchungen an mindestens 19 Orten gegeben, sagte Smith. Die Ermittlungen würden mit hoher Geschwindigkeit geführt. Spezialisten sichteten auch tausende Stunden an Aufnahmen von Überwachungskameras sowie Beweisstücke, die in den Häusern der sieben in Großbritannien festgenommenen Verdächtigen sichergestellt wurden. (kas/chr)

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