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Politik & Gesellschaft

Terroristen nehmen Deutschland ins Visier

Schon vor Wochen häuften sich die Warnungen vor möglichen Terroranschlägen in Deutschland. Doch gab es bisher keine konkreten Hinweise. Das hat sich nach Angaben der Bundesregierung geändert.

Symbolbild Deutschland im Fadenkreuz (Grafik: DW)

Ein vertrauliches Papier des Bundeskriminalamtes nennt eine Gruppe von vier bis sechs Personen, die in zentralasiatischen Lagern ausgebildet wurden und auf dem Weg nach Deutschland seien, um hier einen Anschlag in den nächsten Wochen zu verüben. Ob es sich dabei wirklich unter anderem um Täter mit indischem und pakistanischem Hintergrund handelt und welches Ziel sie überhaupt anpeilen, wurde nicht öffentlich bekannt. Dieser Hinweis jedenfalls soll von den US-Sicherheitsbehörden an deutsche Ermittler gegeben worden sein. Sie äußerten sich zu den Hinweisen nicht öffentlich.

Untergetauchte Zielpersonen

Angeblich sollen Verdächtige sogar namentlich bekannt sein. Beunruhigend finden deutsche Sicherheitsbehörden, dass einige der Zielpersonen offenbar derzeit nicht mehr auffindbar sind. Bundespolizei, Bundeskriminalamt oder Verfassungsschutz verlassen sich natürlich nicht nur auf Einzelhinweise - sie haben vor allem Kommunikationswege und die Reisebewegungen der als militant geltenden Islamisten im Blick. Im Fall der aktuellen Terrorwarnung wird auf jeden Fall ein Zusammenhang zum Terrornetzwerk El Kaida gesehen.

Rolf Tophoven (Foto: dpa)

Terrorexperte: Rolf Tophoven

Rolf Tophoven vom Essener Institut für Terrorismusforschung sieht genau darin ein Problem für rasches Handeln: "Wir müssen davon ausgehen, dass El Kaida heute völlig neu strukturiert ist. Es gibt daher ein viel größeres Potenzial durch die Zersplitterung in verschiedene Terrorzentren, die aber immer noch von Osama bin Laden und von seinem engsten Umfeld spirituell, ideologisch und politisch inspiriert werden."

Gotteskrieger und Gefährder

Seit Jahren sind mehrere islamistische Vereinigungen in Deutschland bekannt und in Erscheinung getreten. Jede einzelne Gruppe hat jeweils einige hundert Anhänger. Die so genannten Gefährder - dazu zählen rund 200 Einzelpersonen - werden zum Teil sogar von den Ermittlungsbehörden direkt angesprochen. Im Blick: islamische Gotteskrieger der El Thawid Gruppe, die "Islamische Bewegung Usbekistan" (IBU) und die "Islamische Dschihad Union" (IJU), eine Gruppe, aus der die Attentäter stammten, die kurz vor geplanten Autobombenanschlägen in Deutschland gefasst werden konnten.

Im Zusammenhang mit der aktuellen Terrorwarnung wird auch der Name Junis al Mauretani wieder gehandelt. Dieser Mann soll ein spezieller Anwerber für potenzielle Terroristen in Europa und auch in Deutschland sein. Nach Aussagen des von den Amerikanern im afghanischen Bagram inhaftierten Ahmad Sidiqi soll al Mauretani gerade junge Leute, die in Europa sozialisiert und dort aufgewachsen sind, für Anschläge in Europa ausgebildet haben.

"Fanatischer und radikaler"

Über 350 Ermittlungsverfahren gegen Terrorverdächtige und auch Rasterfahndungen in der Vergangenheit brachten viele nützliche Erkenntnisse über mögliche Anschlagsziele. Nach dem so genannten "Europlot" wurde daran gearbeitet, europaweit Hotels zu stürmen - auch in Deutschland - um dort Anschläge zu verüben. Die dafür Verdächtigen beschreibt Terrorforscher Tophoven so: "Das sind junge Kommandeure, die zum Teil fanatischer und radikaler sind, als die alte Garde."

Deshalb wurde in allen Bundesländern die Polizeipräsenz erhöht - vor allem an Bahnhöfen und Flughäfen. Das besondere Augenmerk gilt jetzt vor allem Orten mit hoher Symbolkraft und mit vielen Menschen als Anschlagsziel. Immer wieder genannt: Das Bankenviertel in Frankfurt am Main. In einschlägigen Internetforen war zu lesen, dass sich islamistsche Extremisten auf Wirtschaftszentren konzentrieren wollen. Terrorexperten verweisen darauf, dass eine Spezialeinheit der El Kaida permanent damit befasst ist, Sicherheitslücken in den westlichen Sicherheitssystemen auszuspähen.

Bankenviertel Frankfurt (dpa)

Ein mögliches, symbolträchtiges Anschlagsziel: das Frankfurter Bankenviertel

"Das Undenkbare denken"

Bereits im Jahr 2000 - also noch vor den Terroranschlägen von New York im September 2001 - wurde versucht, einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg zu verüben. Das Waffen und Sprengstofflager dazu konnte kurz vor der Tat ausgehoben werden - in Frankfurt am Main. Scheidet deshalb ein Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Deutschland aus, nur weil es schon einmal probiert wurde? Rolf Tophoven meint dazu: "Ausschließen kann man in dieser terroristischen Gemengelage nichts. Jedes Szenario ist denkbar, ich sage immer, wer sich mit Terrorismus beschäftigt, muss das Undenkbare denken."

Autor: Wolfgang Dick
Redaktion: Christian Walz

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