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Prozess in Paris

Terrorist "Carlos" erneut zu lebenslanger Haft verurteilt

Zweimal ist der frühere Top-Terrorist Ramírez Sánchez alias "Carlos" bereits zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nun erhielt er in Paris erneut die Höchststrafe - wegen eines Anschlags vor mehr als vier Jahrzehnten.

Terrorist Carlos im Pariser Justizpalast - eine Aufnahme von 2013 (Getty Images/AFP/B. Guay)

Terrorist "Carlos" im Pariser Justizpalast - eine Aufnahme von 2013

Ein Gericht in der französischen Hauptstadt sprach den 67-jährigen Venezolaner Ilich Ramírez Sánchez genannt "Carlos der Schakal" schuldig, im Jahr 1974 eine Handgranate in einem Pariser Nobelkaufhaus gezündet zu haben. Bei dem Anschlag waren zwei Menschen getötet und 34 verletzt worden. Mit der lebenslangen Haftstrafe folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Die Ankläger vertraten die Auffassung, dass Carlos mit dem Anschlag den Druck auf die französische Regierung erhöhen wollte. Zwei Tage zuvor hatte ein Kommando der japanischen Terrorgruppe "Rote Armee" in der französische Botschaft in Den Haag Geiseln genommen, um einen in Frankreich eingesperrten Aktivisten freizupressen. Die Anklage stützte sich unter anderem auf die in Paris verwendete Granate. Sie soll aus einer US-Basis in Deutschland gestohlen worden sein.

Verteidigung geht in Berufung

Die Verteidigung hatte Freispruch verlangt, weil es keine Beweise für eine Täterschaft ihres Mandanten gebe. Anwalt Francis Vuillemin kündigte Berufung an. Carlos selbst bezeichnete den Prozess in seinem Schlusswort als "absurd". "Ich bin kein Unschuldiger", sagte der Terrorist. Aber dieses Verfahren sei in jeder Hinsicht eine Absurdität. "Da ist nichts."

Gerichtszeichnung aus der Verhandlung gegen Sánchez (2. Reihe Mitte) (picture-alliance/AP Photo/N. Herrenschmidt)

Gerichtszeichnung aus der Verhandlung gegen Sánchez (2. Reihe Mitte)

                                                          Das dritte Mal lebenslänglich

Das Urteil hat einen eher symbolischen Charakter. Denn Carlos wurde in der Vergangenheit in Frankreich wegen mehrerer Morde und Anschläge schon zweimal zu lebenslangen Gefängnisstrafen verurteilt. Sánchez war in den 1970er und 1980er Jahren einer der meistgesuchten Männer der Welt. Der Terrorist war für die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) aktiv und etwa an der Geiselnahme von Ministern des Erdölkartells OPEC in Wien 1975 beteiligt.

1994 wurde er im Sudan gefasst und nach Frankreich gebracht - seine Anwälte sprechen bis heute von einer Entführung. Seitdem sitzt der Venezolaner im Gefängnis. Zu den führenden Mitgliedern der "Carlos-Gruppe" gehörte der Deutsche Johannes Weinrich, der im Jahr 2000 in Berlin wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

wl/jj (afp, dpa)