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Welt

Terrorbekämpfung im Fokus des Atomgipfels

Die Angst, dass Terroristen an atomares Material kommen, ist groß. Beim Atomgipfel in Washington ist der Schutz vor Atomschmuggel deswegen ein wichtiges Thema. Angst hat man vor allem vor einer "schmutzigen Bombe".

Arizona Raketensilo Atomrakete (Foto: picture-alliance/dpa/J. Lo Scalzo)

Tödliche Waffe: Eine amerikanische Atomrakete

Hackerangriffe auf Atomkraftwerke, Terroristen, die Bomben aus nuklearem Material bauen oder gar das Eindringen in ein Atomkraftwerk. Horrorszenarien, die es zu verhindern gilt. Dafür sorgen wollen derzeit über 50 Staats- und Regierungschefs sowie Organisationen, die sich in Washington zum vierten Atomsicherheitsgipfel treffen.

Auch für US-Präsident Barack Obama ist das Thema Atomsicherheit von höchster Priorität. Washington gibt an, seit dem ersten Atomgipfel dieser Art 2010 große Fortschritte gemacht zu haben. In den vergangenen sechs Jahren habe die USA etwa 3,8 Tonnen atomares Material sichergestellt - genug um rund 150 Atomwaffen zu bauen, sagt Ben Rhodes, Obamas stellvertretender Sicherheitsberater.

Gefahr einer schmutzigen Bombe

Ein vollkommen sicherer Ort ist die Welt deswegen noch lange nicht: In den vergangenen 20 Jahren wurden nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) fast 3000 Fälle registriert, in denen Nuklearmaterial verschwand.

Oliver Meier. (Foto: Stiftrung Wissenschaft und Politik (SWP))

Meier: Nur selten Material für atomare Waffen gestohlen

Oliver Meier, Sicherheitsexperte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), sagt jedoch, dass diese hohe Anzahl weniger schlimm ist, als es zunächst klingt. "Man muss das Problem im Verhältnis sehen", sagte Oliver Meier der DW. "Nur bei etwa 400 der 2800 Fälle aus den letzten 20 Jahren handelt es sich um Diebstahl oder andere illegale Unterfangen. Und nur in einer Handvoll Fälle wurde Material gestohlen, das zum Bau einer Atomwaffe hätte genutzt werden können, also hochangereichertes Uran oder Plutonium."

In vielen Fällen verschwand jedoch auch Material, mit dem man eine sogenannte schmutzige Bombe bauen könnte. Die Folgen dieser wären zwar nicht so schlimm - und tödlich - wie bei der Explosion einer Atombombe. Dennoch: Die Gegend im Umkreis würde verstrahlt, Überlebende hätten mit schweren gesundheitlichen Folgen zu kämpfen und eine Panik könnte ausgelöst werden.

"Es gibt Grund zur Besorgnis, weil wir wissen, dass Gruppen wie der IS an diesem Material interessiert sind", so Sicherheitsexperte Meier. Nach den Anschlägen von Paris und Brüssel gab es klare Hinweise darauf, dass Anhänger der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) versucht haben, an Nuklearmaterial zu kommen oder ein Atomkraftwerk zu sabotieren.

Atomkraftwerke müssen gesichert werden

Obama beim Atomgipfel (Foto: Reuters/K. Lamarque)

Obama traf sich beim Nukleargipfel mit den Premiers aus Südkorea und Japan

So fand die Polizei nach den Anschlägen von Paris auch Videoüberwachungsmaterial, das den genauen Tagesablauf eines belgischen Mitarbeiters eines Atomkraftwerks zeigte, rund zehn Stunden wurde der Mann von den Terroristen geheim gefilmt. Und vor Kurzem mussten die Leiter eines belgischen Atomkraftwerks die Schlüsselkarte eines Mitarbeiters deaktivieren, nachdem diese verschwunden war.

"Wir haben mehr als genug Beweise dafür, dass Terrororganisationen wie der IS keinerlei Rücksicht auf menschliches Leben oder internationale Normen nehmen", sagt auch US-Sicherheitsberater Ben Rhodes. "Das bedeutet, dass wir umso dringender effektive internationale Sicherheitsstrategien brauchen."

"Die Videos sind besorgniserregend", sagte auch Laura Holgate, Chefin für den Bereich Massenvernichtungswaffen, Terrorismus und Bedrohungseinschränkung beim Nationalen Sicherheitsrat der USA. Sie fügte aber auch hinzu, dass die USA aktuell keine konkreten Hinweise darauf haben, dass ein Plan existiere, eine schmutzige Bombe einzusetzen.

Fokus auf Anti-IS-Maßnahmen

Trotzdem haben die Sicherheitsexperten derartige Bedrohungen schon länger auf dem Radar, sagte Laura Holgate. Schon vor den Terrorattacken von Brüssel wurde festgelegt, dass es beim aktuellen Nukleargipfel in Washington um Maßnahmen gehen soll, die sich vor allem auf die Bekämpfung von Attacken der IS-Terroristen konzentrieren, sagte Holgate. "Jetzt ist das ganz aktuell, leider."

Das Schlüsselfeld, mit dem eine US Rakete abgefeuert werden kann. (Foto: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Minuteman_launch_key.jpg)

Wer den richtigen Schlüssel hat, könnte hier eine amerikanische Rakete abfeuern

Regierungschefs und ranghohe Vertreter aus rund 50 Ländern nehmen an dem Gipfel in Washington teil, aber zwei wichtige Länder sind nicht dabei: Russland und der Iran. Russland "fühlt sich nicht gleich behandelt wie andere Staaten, die Nuklearwaffen besitzen, und hat sich deswegen entschlossen, nicht teilzunehmen", so der deutsche Sicherheitsexperte Meier.

Iran als möglicher Partner?

Der Iran wurde gar nicht erst eingeladen. Meier hält das für einen Fehler, vor allem nach dem Atomdeal, den das Land vergangenes Jahr mit der internationalen Gemeinschaft abgeschlossen hat. Der Deal beinhaltet das Ende harter Sanktionen gegen den Iran. Im Gegenzug stimmte der Iran zu, sein Atomprogramm massiv zurückzufahren. "Ich denke, es wäre viel besser, den Iran einzuladen, teilzunehmen und Partner bei den internationalen Bemühungen zu werden", so Meier.

Das wichtigste Ziel sei es, "die Lücken im System zu stopfen", so Meier weiter. "Die größte Lücke ist das Nuklearmaterial, das mit militärischen Programmen zusammenhängt. Wir haben etwa 2000 Tonnen davon in Militärprogrammen und die werden in keinster Weise kontrolliert. Die Länder mit Atomwaffen weigern sich, darüber zu reden."

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