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Wirtschaft

Terroranschläge: Börse schnell erholt

Die Anschläge von Brüssel haben auch Auswirkungen auf den europäischen Flugverkehr. Die Eisenbahnen könnten am Donnerstag wieder planmäßig fahren, die Frankfurter Börse legte am Mittwochmorgen sogar wieder zu.

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben am Mittwoch die Terrorsorgen nach einer Serie von Anschlägen in Brüssel abgeschüttelt. Der Dax legte sogar zu und datierte nach Börsenerföffnung über 10.000 Punkten. Dies hatte sich bereits am Abend abgezeichnet. Nach Verlusten von fast zwei Prozent über den Tag erholte sich der deutsche Leitindex und schloss mit einem Gewinn von 0,42 Prozent bei 9990,00 Punkten.

Die Anschläge, zu denen sich gestern Nachmittag die radikalislamische Miliz "Islamischer Staat" (IS) bekannte, hatten aber den ganzen Tag den Handel überschattet. "Aber so traurig es ist, die Finanzmärkte haben sich damit abgefunden, dass so etwas passiert", sagte ein Börsianer. Das hätten auch schon die Anschläge in Paris im November gezeigt.

Run aufs Gold

Die Terroranschläge hinterließen gestern vor allem bei Aktien aus der Reisebranche Spuren. Die Lufthansa-Papiere gaben als Schlusslicht im Dax um 1,33 Prozent nach. Die Anteilsscheine des Flughafenbetreibers Fraport sanken im MDax um 2,28 Prozent.

Viele Anleger nahmen Kurs auf die die Krisenwährung Gold. Die Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 1250,10 Dollar. Der Euro rutschte zeitweise unter 1,12 Dollar ab, holte später aber wieder auf. Das Pfund Sterling fiel um rund einen Prozentpunkt auf 1,4191 Dollar.

Händlern zufolge fürchten Investoren, dass die Anschläge dem "Brexit"-Lager Zulauf bescheren könnten. Schließlich mache die Politik der offenen Grenzen innerhalb der EU solche Attacken überhaupt erst möglich, argumentierten die Befürworter eines EU-Austritts.

Gute Konjunkturdaten retteten den Handelstag

Dass die Börse im Laufe des Tages wieder ins Plus drehte, lag vor allem an den aktuellen guten Konjunkturdaten. Positive Impulse kamen vom Münchner Ifo-Institut. "Die deutsche Wirtschaft startet weniger skeptisch in den Frühling", sagte der scheidende Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Jeden Monat befragt das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) 7000 Manager. Nach drei Rückgängen in Folge beurteilen die Führungskräfte die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate demnach wieder besser - der sogenannte Geschäftsklima-Index stieg auf 106,7 Zähler.

Dennoch wird das Ifo-Institut seine Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum voraussichtlich senken. "Das Wirtschaftswachstum wird 2016 wahrscheinlich nicht höher als im letzten Jahr", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. Im Dezember hatte das Forschungsinstitut für 2016 noch ein Plus von 1,9 Prozent vorhergesagt, nachdem es vergangenes Jahr 1,7 Prozent waren.

Auch die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im März aufgehellt. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stieg um 3,3 Punkte auf 4,3 Zähler. Aber "das Rätselraten über die weitere wirtschaftliche Entwicklung wichtiger Schwellenländer, über die künftige Entwicklung des Ölpreises und des Außenwerts des Euro stimmen weiterhin vorsichtig", erklärte das ZEW in Mannheim.

Die Deutsche Bahn wartet noch ab

Nach den Anschlägen in Brüssel unterbricht die Deutsche Bahn ihren Fernverkehr in die belgische Hauptstadt zunächst für einen weiteren Tag. Betroffen seien am Mittwoch die geplanten drei ICE-Verbindungen von Köln über Aachen nach Brüssel und zurück, sagte eine Unternehmenssprecherin. Die Züge fahren demnach nur bis Aachen und kehren dort um. Diese Regelung hatte die Bahn bereits für Dienstag getroffen.

Ob die Züge am Donnerstag wieder planmäßig fahren, soll der Sprecherin zufolge am Mittwoch entschieden werden. Kunden, die Tickets für Fahrten mit Start oder Ziel Brüssel besitzen, können sich diese kostenlos erstatten lassen. Die Regelung gilt der Sprecherin zufolge für gebuchte Fahrten bis einschließlich Montag, den 11. April.

Die Lufthansa zeigt sich kulant

Brüssels internationaler Flughafen Zaventem bleibt noch bis mindestens Mittwoch 12.00 Uhr geschlossen, so das nationale Krisenzentrum in Brüssel. Laut der Nachrichtenagentur Belga könnten die Flugzeuge noch den gesamten Mittwoch am Boden bleiben. Die Agentur zitierte den Flughafenchef damit, dass eine Wiedereröffnung für Donnerstag geprüft werde.

Video ansehen 01:39

Nach Anschlägen in Brüssel: Massive Sicherheitsvorkehrungen am Frankfurter Flughafen

Die Lufthansa teilte am Nachmittag mit, sämtliche Flüge von und nach Brüssel zu streichen. Zwei Maschinen, die auf dem Weg nach Brüssel bereits in der Luft waren, wurden nach Köln beziehungsweise Lüttich umgeleitet. Am heutigen Dienstag waren 25 Flüge mit insgesamt etwa 2000 Passagieren betroffen. Zudem streicht die Lufthansa am Mittwoch 28 Flüge von Deutschland nach Brüssel.

Passagiere von Airlines des Lufthansa -Konzerns können in den nächsten Tagen geplante Flüge nach Brüssel absagen. Flugtickets in die belgische Hauptstadt bis zum 28. März (Ostermontag) könnten kostenlos storniert oder umgebucht werden, sagt eine Lufthansa-Sprecherin. Zu den betroffenen Fluglinien gehören neben der Lufthansa Swiss, Austrian, Brussels Airlines und Eurowings.

Audi setzte Arbeit aus

Die VW -Tochter Audi hat wegen der Anschläge in Belgien am Dienstag die Nachmittagsschicht in seinem Werk in Brüssel gestrichen. An der Fabrik mit rund 2500 Beschäftigten sei zudem der Werksschutz erhöht worden, sagte ein Sprecherin in Ingolstadt. Grund für die Streichung der Schicht sei die Empfehlung der belgischen Behörden an die Bürger, zu Hause zu bleiben. Audi wolle nun abwarten, bis die Polizei den Einsatz für beendet erkläre und mache das weitere Vorgehen davon abhängig.

dk/se (dpa/rtr/afp)

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