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Politik

Terrorangriff auf religiöse Minderheit

In Pakistan sind bei einem Terrorangriff auf die religiöse Minderheit der Ahmadiyya rund 80 Menschen getötet worden. Extremisten griffen in der Millionenstadt Lahore gleichzeitig zwei vollbesetzte Moscheen an.

Im Kampf gegen die Angreifer suchen Polizisten Deckung hinter einem zerstörten Fahrzeug (Foto: AP)

Im Kampf gegen die Angreifer suchen Polizisten Deckung hinter einem zerstörten Fahrzeug

Wie die pakistanischen Behörden am Freitag (28.05.2010) mitteilten, schleuderten die Angreifer zunächst Granaten in die beiden Moscheen in den Stadtteilen Garhi Shuha und Model Town und beschossen dann die betenden Gläubigen mit Handfeuerwaffen und nahmen Geiseln.

Stundenlange Feuergefechte

Erst nach Stunden gelang es der Polizei, die Kontrolle über die Moscheen wiederzuerlangen. Rund hundert Menschen wurden bei den Angriffen verletzt. Die Sicherheitskräfte konnten 200 Menschen aus den Moscheen befreien.

Helfer bergen einen Verletzten (Foto: AP)

Helfer bergen einen Verletzten

Den Terrorkommandos gehörten nach Behördenangaben wahrscheinlich sieben Extremisten an. Mindestens zwei von ihnen wurden gefasst, drei sprengten sich vor ihrer Festnahme in die Luft. Der pakistanische Ministerpräsident Yousuf Raza Gilani verurteilte die Angriffe und bekundete "tiefe Trauer" über die Toten.

Nach Informationen der Deutschen Presseagentur haben die pakistanischen Taliban die Verantwortung für den Doppelanschlag übernommen. In einem Bekennerschreiben werde die Ahmadiyya-Bewegung beschimpft, ihre Anhänger würden mit dem Tode bedroht, wenn sie Pakistan nicht verließen, berichtet dpa.

US-Militäreinsatz in Pakistan?

Die US-Regierung erwägt nach einem Bericht der "Washington Post" einen Militäreinsatz gegen die pakistanischen Taliban. Die Zeitung schreibt, die Streitkräfte würden sich bei ihrer Offensive auf Luft- und Raketenangriffe konzentrieren. Es könnten aber auch kleinere Spezialeinheiten zum Einsatz kommen. Das Blatt beruft sich auf ranghohe Militärvertreter in Washington. Der US-Geheimdienst setzt in den Stammesgebieten im Nordwesten von Pakistan bereits seit längerem unbemannte Drohnen im Kampf gegen mutmaßliche Extremisten ein.

Bewegung lehnt Gewalt ab

Lahore ist mit rund acht Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Pakistans und liegt unweit der Grenze zu Indien. In der Stadt entstand 1889 die "Ahmadiyya-Muslim"-Bewegung, eine Religionsgemeinschaft, die jegliche Gewalt ablehnt. Sie hat weltweit bis zu 15 Millionen Anhänger. In Pakistan gehören den Ahmadiyya nach Angaben der Bewegung rund vier der 180 Millionen Einwohner an. Unter Druck von sunnitischen Hardlinern hatten die pakistanischen Behörden in den 1970er Jahren die Ahmadiyya zur nicht-muslimischen Minderheit erklärt. Sie dürfen sich selbst nicht als Muslime bezeichnen oder muslimische Praktiken wie beispielsweise das Zitieren islamischer Gebete ausüben. In Deutschland leben nach Angaben der Bewegung rund 30.000 Mitglieder.

Autoren: Michael Wehling/Susanne Eickenfonder (dpa/rtr/apn/afp)

Redaktion: Rolf Breuch