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Terrorismus

Terror-Waffen auf vier Rädern

Berlin, Barcelona und nun New York: Seit gut zwei Jahren nutzen Terroristen im Westen vermehrt Fahrzeuge für Anschläge auf Zivilisten. Lösen Pick-ups den Sprengstoffgürtel ab?

Abu Muhammad al-Adnani, der 2016 in Syrien getötete Propagandachef des selbsterklärten "Islamischen Staates" hatte im September 2014 dazu aufgerufen, "Ungläubige" in westlichen Staaten zu töten - aus Rache für die Beteiligung ihrer Heimatländer am Kampf gegen den IS. Der IS-Sprecher listete damals verschiedene Möglichkeiten auf, Zivilisten und Soldaten mit geringem logistischen Aufwand zu töten. Der Einsatz von Stichwaffen und das Überfahren von Menschen mit Fahrzeugen gehörten dazu. Regelmäßig eingesetzt werden die perfide Taktiken, um mit einfachen Mitteln und ohne Sprengstoff möglichst viele Unbeteiligte zu töten, seit gut zwei Jahren:
 

Berlin 
Mit einem gekaperten Sattelzug steuert der Tunesier Anis Amri im Dezember 2016 in einen Weihnachtsmarkt am zentralen Breitscheidplatz am Kurfürstendamm. Amri tötet insgesamt zwölf Menschen und verletzte Dutzende.


Nizza
Am 14. Juli 2016 fährt der Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel während der Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag einen Lastwagen in die Menschenmenge. 86 Menschen werden getötet, mehr als 400 verletzt. Der IS reklamiert die Tat für sich.


Montréal
Im Oktober 2014 rast ein 25-jähriger kanadischer Konvertit in einem Vorort von Montréal mit seinem Auto auf drei Soldaten. Er tötet einen der Männer und verletzt einen weiteren. Nach einer Verfolgungsjagd wird er von Sicherheitskräften erschossen. Der Angreifer wollte zum Dschihad nach Syrien reisen.


London
In London kommt es 2017 zu zwei vergleichbaren Anschlägen: Auf der Westminster Bridge überfährt im März ein Attentäter vier Fußgänger und ersticht einen Polizisten, bevor er selbst erschossen wird.

Großbritannien London Fahrzeug rammt Moschee-Besucher (Getty Images/AFP/D. Leal-Olivas)

Anschlag auf Muslime: Im Juni 2017 rammt ein Fahrzeug Moschee-Besucher in der britischen Hauptstadt

Anfang Juni töten radikale Islamisten mit einem Transporter drei Menschen auf der London Bridge und erstechen anschließend fünf weitere am Borough Market. Auch für einen Anschlag auf Muslime wird in der britischen Hauptstadt ein Fahrzeug genutzt. Aus Hass auf die religiöse Minderheit fährt ein 47-Jähriger Mitte Juni mit seinem Lieferwagen in eine Menschenmenge nahe einer Moschee. Ein Mensch wird getötet, mehrere verletzt. Bereits im Mai 2013 fahren zwei Londoner nigerianischer Abstammung den Soldaten Lee Rigby mit einem Auto an, bevor sie ihn erstechen. Einer der Angreifer ruft kurz nach der Tat, er wolle die "von britischen Soldaten getöteten Muslime" rächen.


Barcelona
Im August 2017 lenken Terroristen Fahrzeuge auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas sowie im nahe gelegenen Küstenort Cambrils in Passanten. 16 Menschen werden getötet, mehr als 120 verletzt.


Manhattan
In New York rast am Halloween-Abend ein islamistischer Attentäter mit Pick-up-Truck in Fußgänger und Fahrradfahrer und tötet dabei acht Menschen, mindestens elf Personen werden verletzt. Es ist der schwerste Terroranschlag in New York seit den Anschlägen auf das World Trade Center im September 2001. Die Staatsanwaltschaft in New York hat gegen den Attentäter Strafantrag wegen Unterstützung einer Terrororganisation gestellt. Ermittler gehen davon aus, dass der Mann im Namen des IS gehandelt hat.
 

"Die New Yorker gehen mit Beispiel voran "

In Deutschland hat sich die Gefährdungslage nach Ansicht des Sicherheitsforschers Andreas Armbrost durch den Anschlag von New York nicht grundlegend verändert.

USA New York - Nach dem Autoanschlag in Manhattan - Halloween-Anschlag (Reuters/A. Kelly)

Stärke durch Gelassenheit: New Yorker Reaktionen auf den jüngsten Terroranschlag

Gegen "wahllose Anschläge" dieser Art, könne sich eine liberale Gesellschaft wie unsere nicht komplett schützen, so Armbrost, der das beim Bundesinnenministerium angesiedelte "Nationale Zentrum für Kriminalprävention" leitet. Selbst autoritäre Staaten wie die Golfmonarchien seien nicht vor Terror gefeit.

Als geradezu vorbildlich beurteilt Armbrost die Reaktionen der New Yorker auf den blutigen Anschlag. Sie seien wieder weitgehend gelassen zum Alltag zurückgekehrt, so der Kriminologe, der zugleich mahnt, die Opfer nicht zu vergessen.

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