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Wirtschaft

Terror setzt türkischem Tourismus zu

Der Anschlag auf den Istanbuler Flughafen trifft die Türkei ins Mark. Bereits vor diesem Terrorakt ist die Zahl der ausländischen Touristen eingebrochen. Der Negativtrend dürfte auch die gesamte Konjunktur beeinflussen.

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Terroranschlag an Istanbuler Flughafen

Istanbul gilt als das Tor zur Türkei. Hier treffen sich nicht nur zwei Kontinente, auch zwei Weltreligionen. Vor 1500 Jahren ließ ein römischer Kaiser dort das prächtigste Gotteshaus der christlichen Welt entstehen. 900 Jahre später eroberten die Vorfahren der Türken Istanbul und machten aus der Hagia Sophia ("Heilige Weisheit") eine Moschee.

Im Januar wurden in der Nähe der heiligen Stätte zwölf deutsche Touristen bei einem Bombenanschlag in den Tod gerissen. Danach brach die Zahl der deutschen Urlauber in der Türkei ein. Laut dem deutschen Reiseverband ging das Türkeigeschäft in den ersten Monaten dieses Jahres um 35 Prozent zurück. Das Mittelmeerland gilt als das drittbeliebteste Urlaubsziel der Deutschen. 2015 besuchten rund 5,6 Millionen Bundesbürger das Land und zählen somit als die größte Touristengruppe.

Kurz vor den Anschlägen auf den Istanbuler Flughafen gab gestern das türkische Tourismus-Ministerium die Zahl der ausländischen Gäste im Mai bekannt. Mit 2,5 Millionen lag sie 34,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Der Rückgang der deutschen Urlauber bewegt sich auf einem ähnlichen Niveau. Die Russen findet man in der Türkei kaum noch. Ihre Zahl sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um knapp 92 Prozent.

Germany Trade and Invest - Necip C. Bagoglu

Necip C. Bagoglu, GTAI-Repräsentant in Istanbul

Anschlag wird die Erholung des Tourismus verzögern

Mit anderen Worten: Der neue Terrorakt mit 41 Toten trifft den türkischen Tourismus in einer ohnehin sehr schlechten Verfassung. "Es ist davon auszugehen, dass der gestrige Anschlag das ohnehin schwache Tourismusgeschäft in der Türkei weiter eintrüben wird", sagt Necip C. Bagoglu, Repräsentant von Germany Trade and Invest (GTAI) in Istanbul. Auch die deutsche Reisebranche glaubt nach dem Anschlag nicht mehr an eine baldige Belebung des darbenden Türkei-Geschäfts. "Es ist ein erneuter Rückschlag für die Türkei", sagte ein Sprecher des Reisekonzerns Thomas Cook am Mittwoch. Ähnlich urteilt Marktführer TUI. Der Konzern rechnet mit einer Halbierung der Türkei-Buchungen.

Der Tourismus zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Landes. Rund zehn Prozent macht er im gesamten Bruttoinlandsprodukt aus. Es sind nicht nur Städtereisende, die es nach Istanbul zieht, sondern weit mehr Badeurlauber, die die Türkei wegen der schönen Strände und der niedrigen Preise schätzen. Auf dem Höhepunkt der Eurokrise verzeichnete die Türkei traumhafte Zuwachsraten, da sich der Konkurrent Griechenland mit der unsicheren politischen Lage und dem teuren Euro plagte. Nun lenkt der Terror den Strom der deutschen Urlauber wieder von der Türkei nach Griechenland.

Negative Auswirkung auf die gesamte Wirtschaft

GTAI-Vertreter Necip C. Bagoglu geht davon aus, dass die Anschläge insgesamt negative Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft haben werden. "In welchem Ausmaß diese Negativeffekte das Wachstum insgesamt beeinträchtigen werden, bleibt abzuwarten", sagt Bagoglu gegenüber der Deutschen Welle. Die Wirtschaft befinde sich aber auf einem klaren Wachstumspfad. So wurde im ersten Quartal 2016 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres ein reales BIP-Wachstum von 4,8 Prozent erreicht. Für das Gesamtjahr 2016 gehen die Prognosen von einem Anstieg der Wirtschaftsleistung zwischen 3,5 bis vier Prozent aus.

Für Industrienationen wie Deutschland hört sich das nicht schlecht an. Für ein Schwellenland wie die Türkei wäre das eine eher bescheidene Wachstumsrate. Zu Beginn der 2000er Jahre, als Recep Tayyip Erdogan Ministerpräsident wurde, waren zweistellige Raten in Sicht.

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