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Politik

Terror ohne Ende in Algerien

Algerien wird von einer Terrorrserie mit fünf Bomben in fünf Tagen erschüttert. Hinter den Anschlägen werden radikalislamische Terroristen vermutet, die westliche Ausländer aus dem Land vertreiben wollen.

Ein Polizist sperrt im Juli 2007 den Tatort eines Selbstmordanschlages auf einen Armeeposten ab, Quelle: AP

Ein Polizist sperrt im Juli 2007 den Tatort eines Selbstmordanschlages auf einen Armeeposten ab

Bei einem Bombenattentat gegen einen französischen Baukonzern haben radikalislamische Terroristen am Sonntagabend nach Angaben des algerischen Verteidigungsministeriums einen französischen Bauingenieur und seinen Fahrer getötet. Das Attentat mit zwei kurz nacheinander gezündeten Bomben gegen einen Konvoi der französischen Firma Razel am Sonntag (8.6.2008) war der fünfte Anschlag binnen fünf Tagen. Die französische Regierung hatte zunächst den Tod des Ingenieurs und "zahlreicher" weiterer Opfer bestätigt. Für Medienberichte über einen weiteren Anschlag mit 20 Toten auf eine Bushaltestelle am Monatg gab es keine Bestätigung.

Autobombenanschlag in Thenia im Januar 2008, Quelle: AP

Autobombenanschlag in Thenia im Januar 2008

Das algerische Verteidigungsministerium hat Berichte über die Zahl der Toten offiziell dementiert. Es habe am Bahnhof von Béni-Amrane zwei Tote gegeben und nicht 13, erklärte das Ministerium. Die Opfer seien ein vor Ort arbeitender Franzose und sein Fahrer. Die algerische Presse hatte berichtet, bei dem Anschlag auf einen Konvoi des französischen Baukonzerns Razel seien auch elf Polizisten und Zivilschutz-Mitarbeiter getötet worden. Dies sei falsch, erklärte das Ministerium.

Angriff auf herbeieilende Helfer

Die angegriffene Firma Razel repariert in Algerien seit vier Monaten Bahnanlagen, die bei einer Zugkollision beschädigt worden waren. Der Baustellenbereich wird von der Gendarmerie geschützt, weil die salafistische Terrororganisation El Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) französische und andere westliche Interessen zum Anschlagsziel erklärt und ihre Anhänger aufgefordert hatte, Spanier und Franzosen zu vertreiben. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat.

"Gefährliches Land"

Auf das Konto der AQMI gehen auch die Entführung eines österreichischen Touristenpaares in Tunesien und die Ermordung von vier französischen Touristen Heiligabend 2007 in Mauretanien. Die Traditionsrallye nach Dakar wurde wegen der Terrorgefahr abgesagt. Razel war bereits am 21. September 2007 Ziel eines Bombenanschlags gewesen. Damals waren zwei Franzosen und ein Italiener sowie sechs Algerier verletzt worden.

Bombenanschlag in Dellys im September 2007, Quelle: AP

Bombenanschlag in Dellys im September 2007

Der Anschlag vom Sonntag war der fünfte blutige Anschlag binnen fünf Tagen und der schwerste Angriff auf westliche Einrichtungen in Algerien seit dem Selbstmordanschlag gegen UN-Einrichtungen mit 31 Toten im Dezember 2007. Erst am Donnerstag kamen in der gleichen Provinz sechs Soldaten bei einem Bombenanschlag ums Leben. Am Tag zuvor wurden bei einem Anschlag in der Nähe von Militärkasernen zwei Menschen getötet.

200.000 Tote durch politische Gewalt

Die französische Regierung bemühte sich unterdessen, ihre Landsleute zu beruhigen. Frankreich und Algerien hätten "sehr starke Handelsbeziehungen und freundschaftliche Beziehungen", sagte Außenminister Bernard Kouchner am Montag im Radiosender RTL nach dem Tod eines französischen Ingenieurs bei den Anschlägen. Diese Beziehungen gelte es auszubauen. Algerien sei insofern ein "gefährliches Land", als sich dort binnen weniger Tage fünf Attentate ereignet hätten. Aber Frankreich gebe deshalb keine besondere Reisewarnung heraus, sagte Kouchner. Algerien sei "ein Land, in dem wir arbeiten müssen". Es sei aber Vorsicht geboten. Kouchner hatte erst am Freitag in Algier für die Mittelmeerunion geworben.

Bis zu 200.000 Menschen sind seit 1992 durch politisch motivierte Gewalt in Algerien ums Leben gekommen. Auslöser war damals die Annullierung der Parlamentswahl, bei der sich ein Sieg der islamistischen Partei abzeichnete. In der jüngeren Vergangenheit hat sich die Zahl der Anschläge verringert. (stu/sams)

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